Über meine Reise im Frühjahr letzten Jahres mit Viva con Agua nach Uganda habe ich schon an den unterschiedlichen Stellen Vorträge gehalten und Bilder gezeigt. Und glücklicherweise haben etliche Bilder der Reise ihren Weg in die Erzählungen aus den Projektgebieten bei Viva con Agua gefunden. An der ein oder anderen Stelle sind sie dir vielleicht schon übern Weg gelaufen – ohne, dass du dabei gleich erkennen konntest, dass die Bilder von mir sind. Ist auch nicht so wichtig – eine solche Reise begleitet man als Fotograf nicht für das persönliche Ego, sondern um Menschen zu helfen.

Hier auf dem Blog habe ich mich mit dem Zeigen der Bilder stark zurück gehalten. Diese Zurückhaltung breche ich heute. Allerdings zeige ich kaum Bilder, die direkt was mit Viva con Agua zu tun haben. Vielmehr habe ich mal meine Aufnahmen der zwei Wochen vor Ort durchgeschaut und meine Liebsten „Nebenschüsse“ zusammengestellt. Ich hoffe, dir dadurch einen Eindruck von dem Land vermitteln zu können. Wobei es unmöglich ist, ein Land halb so groß wie Deutschland (Fläche und Einwohner) innerhalb von zwei Wochen auch nur ansatzweise fotografisch einfangen zu können. Trotzdem sind die Unterschiede so stark, dass ein grundsätzliches Gefühl für dieses Land – zumindest im Vergleich zu Deutschland – deutlich werden kann. Die meiste Zeit war ich in Kampala: die Hauptstadt hat fast so viele Einwohner wie Hamburg.

Von oben sieht Uganda recht grün aus, nach zwei Wochen blieb aber nur der rote Staub auf der Kamera und in den Textilien.

Das Nummer eins Street-Food heißt Rolex, eigentlich Rolled Eggs. Das beschreibt die sättigende Mahlzeit sehr gut: Gemüse ja nach Vorhandensein, Chapati Teig und eben Eier. Gibt es für kleines Geld an ziemlich jeder Strassenecke und hilft gegen den großen und kleinen Hunger zwischendurch. Das individuelle Taxi-ähnliche Hauptverkehrsmittel in Kampala ist das Boda Boda. Ein 250er Motorrad, das einen mehr oder weniger sicher von A nach B bringt.

Es gibt aber in Kampala auch ein Bussystem. Matatu heißt die Busse – meistens der Marke Toyota, die in Uganda für 14 Personen zugelassen sind. (Ich glaube in Europa ist das ein Neunsitzer…) Damit sind oft nur „Reisende“ gemeint und dann sind neben Fahrer und „Koberer“ eben 16 Leute im Bus – plus die Einkäufe vom Wochenmarkt oder so. Ich hatte des öfteren jemanden auf meinem Schoss sitzen, denn im Zweifelsfall lässt man natürlich niemanden draußen stehen. Die Matatus fahren auf festgelegten Routen durch Kampala. Da auf den Bussen nicht drauf steht, wohin er fährt, sitzt ein „Koberer“ an der großen seitlichen Schiebetür, ruft die Fahrtrichtung aus dem Fenster und regelt das Ein- und Aussteigen an den Haltestellen. Er kassiert auch. Es ist folglich ratsam, immer ein paar Scheine in der Tasche zu haben. Die Fahrt kostet je nach Streckenabschnitt zwischen 500 und 1000 ugandische Schilling. Das entspricht 0,12 bis 0,24€. Eine wirklich günstige Möglichkeit sich in der Stadt fortzubewegen.

Den Begriff „Koberer“ habe ich jetzt hier erfunden, weil ich nicht weiß, wie die sehr netten Menschen an der Passagiertür tatsächlich heissen. Ich bin – nachdem ich das System halbwegs verstanden hatte – sehr gerne mit Matatus gefahren. Natürlich war ich als Muzungu – also als Weißer – in der Regel alleine in einem solchen Bus. Es haben sich aber viele interessante kurze Begegnungen dadurch ergeben. Einmal mussten wir etwas warten, damit das Matatu nicht mit nur wenigen Passagieren weiter fahren musste. Der Fahrer rief dann in lugandisch (eine im Süden weit verbreitete Bantusprache): „Ihr könnt ruhig einsteigen, wir haben einen Weißen an Bord – wir fahren mit Gott.“ Meine Mitreisenden lachten, aber ich hatte natürlich nur das Wort „Muzungu“ verstanden. Es entwickelte sich eine nette Unterhaltung mit einer der Mitreisenden, die neben Luganda auch Englisch konnte.

Auch wenn das Land von den Engländern „kolonialisiert“ wurde, sind längst nicht alle Einheimischen des Englischen mächtig. Im Zweifelsfall helfen aber Hände und Füsse in der Verständigung – oder es wird der nächste Nachbar geholt, der eben Englisch kann. Ich habe kolonialisiert bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn tatsächlich ist die Zerschlagung der gewachsenen Strukturen des Landes durch die Engländer an viel Armut in Uganda schuld.

Eins der anderen Probleme betrifft die afrikanische Kultur, die den Menschen fast vollständig genommen wurde. Goethe, Schiller, Shakespeare – alles weltweit bekannte Persönlichkeiten, aber wusstest du, dass es in Ägypten mal dunkelhäutige Pharaonen gab? Diese kamen aus dem Nordosten Ugandas. Da liegt auch eine der Wiegen der Menschheit, vermutlich auch die der heutigen Europäer. Google mal nach Mount Moroto. Landschaftlich tolle Gegend, heute so arm, dass Viva con Agua dort zusammen mit der Welthungerhilfe Brunnen und vor allem Toiletten baut. Der Durchschnittsbürger lebt in der Region von 0,30€ am Tag.

Toiletten sind dort meistens Gemeinschaftstoiletten eines Dorfs, denn im Dorf selbst ist zu wenig Platz für einzelne Bedürfnisanstalten. Wir reden hier selbstverständlich über Plumpsklos. Auch dafür muss ein Örtchen gefunden werden. Die katholische Kirche besitzt recht viel Fläche, auf der solche Gemeinschaftstoiletten gebaut werden könnten. Meistens verneint die Kirche allerdings die Anfrage. Im Gegensatz zu muslimischen Gemeinden, die gerne für die Bevölkerung da ist.

Ich habe mich in Uganda selbst in den Slums von Kampala auch alleine immer sicher gefühlt. Die meisten Menschen sind sehr freundlich und es lohnt sich, ein Gespräch zu führen. Mehr als einmal wurde ich zum Essen eingeladen. An meinem letzten Tag in Uganda wurde ich beim Verlassen eines Slums von einem der Bewohner sehr herzlich verabschiedet. Er hatte sich sehr gefreut, dass sich mal ein Weißer in seine Wohngegend verirrt, um sich ein Bild von seiner Situation zu machen.

Fotografieren ist nicht immer einfach, denn viele glauben, dass ein Foto einen Teil ihrer Seele raubt. Aber höfliches Fragen hat noch nie geschadet.

Auch wenn Uganda nicht bei jedem auf der Reiseliste ganz oben steht – und wenn dann nur für die Gorillas im südlichen Grenzgebiet zu Ruanda oder Kongo – ist das Land auf jeden Fall eine interessante Möglichkeit, seinen eigenen Horizont zu erweitern.