Bevor mir über die Ostertage langweilig wird, habe ich mich kurzfristig entschieden, den nächsten und folgerichtigen analogen Schritt zu nehmen. Nachdem ich meine Filmentwicklungsdosen vor rund 25 Jahren verkauft habe, orderte ich Montag morgen schnell bei Spürsinn aktuelles Werkzeug. Einmal zu viel habe ich mich über den lokalen Filmentwicklungsladen geärgert, der meiner Meinung nach meine Filme ruinierte. Jedenfalls klingelte schon Dienstag nach kurzer Veränderung des Bestellzettels über Twitter der Postbote. Wieso zahle ich eigentlich für Prime?

iPhone Bild von meinem neuen Werkzeug zur Filmentwicklung

Von der Chemie mal abgesehen, scheint die Zeit bei der analogen Filmentwicklung stehen geblieben zu sein. Alles sieht noch aus wie früher, als ich mich bei strahlendem Sonnenschein in die Dunkelkammer verzogen habe. Diese alten, gelernten Abläufe haben dann vermutlich auch dafür gesorgt, dass ich meine Frau kurz anschrie, als sie während des Einfädelns meines Films in die Entwicklungsspule die Badezimmertür einen Spalt öffnete. Schnell registrierte ich aber, dass ich ja nicht mehr wie früher unter der Bettdecke den Film einlege, sondern bequem im Dunkelsack. Trotzdem hatte sich mein Herzschlag kurz erhöht…

Jedenfalls brachte die für mich neue Zwei-Phasen-Filmentwicklung mit HCD 80 + 20 beim Kodak T-Max400 sehr zufriedenstellende Ergebnisse hervor. Und plötzlich hatte ich gar keine Kratzer mehr im Film und die Wasserflecken waren ebenfalls minimiert. Mein Sohn hatte mir aus Lego tolle Halterungen zur Filmtrocknung in der Badewanne gebaut.

Filmhalterungen zum Trocknen der Filme aus Lego gebaut

 

Die Kombination der Filmentwickler HCD80 und HCD20 hatte ich gewählt, weil ich bei starken Sonnenschein und hartem Licht meinen Film belichtet hatte. Der HCD80 kümmert sich dabei um die Schatten und der HCD20 um die Lichter. Ich finde, das hat hervorragend funktioniert. Das nachfolgende Beispielbild kannst du durch Anklicken vergrößern.

Tja, damit war die erste Hürde erst mal genommen. Und damit mir über die Ostertage nicht langweilig wird, war ich Samstag noch schnell beim Leica Händler meines Vertrauens und zeigte mich interessiert an einer alten heruntergekommenen Leica M3. Die darf ich dann zum Spaß über die Feiertage mal ausprobieren.

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Die Leica M3 reizt mich schon lange, weil sie diesen formidablen Sucher hat. Während die meisten Leica Sucher das Leben durch eine 28mm Optik zeigen, beginnt beim M3 Sucher das Leben bei 50mm. Das ist natürlich optimal für längere Brennweiten. Gerade in Kombination mit meinem Noctilux verspreche ich mir eine Erleichterung beim Scharfstellen. Und tatsächlich: der Messsucher passt hervorragend zu meinem Noctilux. Um das Auszuprobieren musste ich allerdings den ganzen Tag mit einem 6-fach Graufilter herumrennen. ISO400 und Blende 0,95 ist bei Sonnenschein keine richtig tolle Kombination…

Neben den optischen Eigenschaften der Leica M3 ist das Auslösegeräusch übrigens purer Sex. Hammer!

Ob diese Leica M3 aus 1962 dauerhaft bei mir bleibt? Das weiß ich noch nicht. Zwar ist der Messsucher wirklich gut mit meinem Noctilux verwendbar, aber die Zeiten laufen nicht so richtig rund. Ich werde da wohl noch mal mit meinem Leica Händler sprechen müssen…

Update kurz nach Ostern: Mittlerweile weiß ich, dass diese M3 nicht bei mir bleibt. Die Zeiten liefen nicht rund und den zweiten Film hat mir die Kamera beim Zurückspulen zerrissen. Nichtsdestotrotz ist das Arbeiten mit langen Brennweiten ab 50mm mit der Leica M3 echt eine Wohltat. Irgendwann wird wohl so ein Fotoapparat bei mir einziehen…

Update: Mittlerweile ist eine M3 bei mir eingezogen