Wenn der Schärfebereich sehr klein wird…
Stefan Groenveld
Im Urlaub finde ich dann gerne Zeit mit meiner Liebsten auf Fotopirsch zu gehen und ganz anderes zu fotografieren. So auch an der türkischen Riviera, an der es schon kurz nach der Abendessenszeit dunkel wird. Weit nach Sonnenuntergang finde ich meine Liebste von fiesen Stechbiestern umschwirrt an einem Gebüsch kniend. Was hat sie da wohl wieder gesehen?

Ich mache ein Foto von ihr und erkenne in der 100% Vergrößerung im Kameradisplay meiner Nikon D800e das Objekt ihrer Begierde: eine Schnecke! Aber warum braucht sie für dieses Objekt so viel Zeit? Immer wieder kontrolliert sie ihr Ergebnis an ihrem Display. Gibt es ein Problem mit ihrer Nikon D7000? Ja und nein: sie vertraut einfach zu sehr der Technik.

Wir hatten nämlich vor der Reise gemeinsam beschlossen, kein Makro mitzunehmen. Folglich nutzte sie mein AF-S 24mm f/1.4G als Einfanglinse für die Schnecke und da es schon recht dunkel war, verwendete sie die Offenblende. Also eigentlich alles richtig gemacht, aber das Bild wollte nicht scharf werden.

Ich konnte ihr einen kleinen Trick zeigen, mit dem ich das Bild in wenigen Sekunden im Kasten hatte – den Du vielleicht auch noch nicht kennst.

Der Schärfebereich ist bei Blende 1.4 eh sehr klein, auch bei einem Weitwinkel. Nahe der Einstellgrenze ist er unsagbar klein. Wenige µ entscheiden, ob das Bild scharf ist oder nicht. Daher fotografiere ich Serien, ohne den Fokus zu verändern. Da ist es sehr hilfreich, Auslöser und Autofokus zu entkoppeln: Profibodys haben dafür den seperaten AF-ON Knopf, bei anderen Nikon-Kameras kannst du den AE-L/AF-l Knopf als AF-ON Knopf belegen. Schau einfach mal in das Menü für die Bedienungselemente.

Ich stelle dann einmal scharf, in der Regel ist das aber gar nicht scharf – gerade bei Weitwinkelaufnahmen. Dann bewege ich mich leicht nach vorne und hinten und drücke immer wieder auf den Auslöser. Wenn ich eine Serie abgefeuert habe, schaue ich auf dem Display bei 100%, ob eins der Bilder die Schärfe da hat, wo ich sie hin haben will. Falls ja: Schlüsselsymbol drücken und Bild gegen versehentliches Löschen schützen. Falls nein: nochmal das gleiche. Spätestens nach drei Serien habe ich ein scharfes Exemplar. Dauert keine Minute.

Alternativ kannst du auch den Autofokus ausschalten. Wichtig ist bei der Methode nur, dass der Autofokus nicht zwischendurch einen Strich durch die Rechnung macht.

Ach ja: Profis haben ein Stativ dabei und nutzen Live-View zur Schärfejustierung. 🙂

Und ja, das Bild aus der D7000 rauscht ganz ordentlich, aber hier finde ich, unterstützt es den leicht malerischen Charakter des Bildes.

11 Bemerkungen
  1. Alter Fuchs ! 🙂

    “Dann bewege ich mich leicht nach vorne und hinten und drücke immer wieder auf den Auslöser.”
    -> ich seh schon das halbe Fotoprofipfostenforum wackeln und wanken, wenn die das spitzbekommen 😀

    H

  2. „Und ja, das Bild aus der D7000 rauscht ganz ordentlich, aber hier finde ich, unterstützt es den leicht malerischen Charakter des Bildes. „
    Na, da hast du ja nochmal eben die Kurve gekriegt……

    Und Anette: Das ist Altersdiskriminierung!

  3. Now how, da muss man erst mal drauf kommen.

    Danke für den Tipp, jetzt muss ich mit meinem eins/vierer nicht mehr so rumeiern.
    Gruß Roland

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