Unspektakulär
Landung von Touristen vor der Insel Helgoland
Landung von Touristen vor der Insel Helgoland
Stefan Groenveld

Vorabinformation: die immer wieder diskutierte Frage, ob es Schärfentiefe oder Tiefenschärfe heißt, beantworte ich mit dem Begriff “Schärfebereich“. 🙂

Wenn ich mir aktuelle Bilder und aktuelle Meinungen zu Bilder so anschaue, dann scheinen spektakuläre Bilder nur noch mit möglichst grossen Blendenöffnungen und damit verbunden mit viel Unschärfe möglich zu sein. Auch ich habe erst vor wenigen Tagen einen Tipp zum Erreichen der optimalen Schärfe bei kleinstem Schärfebereich aufgeschrieben.

Nun war ich letzte Woche vier Tage auf Helgoland (die Hinreise hatte ich schon bildlich erwähnt) und habe komplett anders fotografiert – fotografieren müssen. Während ich so am Arbeiten war, überlegte ich mir irgendwann, ob nicht auch mit absoluter Schärfe ein Bild interessant sein kann.

Als ich mittags mal 10 Minuten Zeit hatte, habe ich deswegen ein Bild mit relativ kleiner Blende und dem normalsten aller Normalbrennweiten gemacht. Ich hatte die Kamera sogar auf einem Stativ. Und ich war weit weg vom Geschehen. Es passierte gerade auch nichts spannendes. Ich habe also alles gemacht, um ein unspontanes, unspektakuläres Bild zu fotografieren.

Mir gefällt das Ergebnis trotzdem! Es zeigt die Ausschiffung der Touristen mit den traditionellen Bördebooten vor Helgoland.

Zusatzinformationen: Fotografiert mit der Nikon D800e und dem PC-E 45mm f/2.8 bei Blende 8. Warum verwendete ich dieses Objektiv? Weil ich kein 50er dabei hatte und 45mm dem natürlich Blickwinkel sehr nahe kommt – zumindest bei Vollformat…

19 Bemerkungen
  1. Du gehst ohne 50er aus dem Haus?? Ich habe immer mindestens einen im Portemonaie… 😉

    Aber im Ernst: Ist zwar selten, aber manchmal entscheide ich mich auch spontan für ein Bild mit hoher Schärfentiefe (< Jehova!). Passiert bei mir aber meistens nur im Normal- bis Weitwinkelbereich…

  2. moin,

    ich bin da ganz und komplett bei dir! ich empfinde es auch manchmal, derzeit immer häufiger, als sehr “komisch” und habe bei dem einen oder anderen foto das gefühl ich müßte mine brille putzen weil mir der von dir wunderbar genannte schärfebereich zu klein ist, wenn überhaupt noch sichtbar..

    ok als stilmittel mag ich es jedoch gibt es fotos die will (sollte) man komplett zeigen. auch ich gehe mehr und mehr dazu über mit blende 8 oder mehr auch dann zu fotografieren wenn keine sonne scheint, denn nicht immer ist es wie es der abgedrosche satz es aussagt..”sonne lacht, blende acht” es geht auch bei wolken verhangenem himmel gut. auch das unendliche gezooooome ist auf dauer nur langweilig, ok tierfotografier außen vor, ich mag dein “unspektakuläres” natürliches foto. danke

  3. Danke für das Bild, die Farben sind klasse, es strahlt eine Ruhe aus und man kann alles super erkennen. Ich mag Bilder die einen großen bzw. den größtmöglichen Schärfebereich haben.

    Annette

  4. Also ich als Laie find es absolut gut. Man sieht die gekräuselten Wellen, den schönen Himmel, den Vordergrund…wenig auf dem Bild, aber dennoch passiert etwas und zwar in jedem Abschnitt.

  5. Ich finde das Bild gelungen. Es hat sowas Wimmelbilderbuch-mäßiges, und ich kann viele kleine Geschichten für mich entdecken.
    Die beiden Jungs vorne, die Boote, die Menschen in der Schlange.
    Unschärfe muss ja nicht immer Trumpf sein. Nur die Sonne hast Du irgendwie vergessen … 🙂

  6. Deine Begründung warum Du Dich für dieses Objektiv entschieden hast, finde ich viel zu unspektakulär 😀

    Mir gefällt das Bild, weil es eine Geschichte erzählt. Und darauf kommt es an. Und deshalb sage ich, auch mit einer “kleinen Knipse”, die auf Grund ihrer Sensorgröße nun mal einen großen Schärfebereich haben, kann man schöne Bilder schiessen. Man muss einen Blick fürs Motiv haben und dann passt das schon.

  7. Ein paar Gedanken zu „Unspektakulär“ oder „Erreichen der optimalen Schärfe bei kleinstem SchärfebereichErreichen der optimalen Schärfe bei kleinstem Schärfebereich“

    Es gibt Könner, die mit der offenen Blende oder dem richtigen Tiltwinkel des entsprechenden Objektivs richtige Hingucker produzieren. Eben auch mit kurzen Brennweiten/großen Bildwinkeln bis maximal bis zum Normalobjektiv. Hingucker, wo das Auge erst gar nicht versucht, weitere Schärfe als die vom Fotografen gewollte zu entdecken. Es gibt aber auch reichlich (zu viele?) Motive, wo es mich – das Auge – stört, wenn nicht alles von vorn bis hinten scharf ist. Wenn es denn Brennweite/Blende (Stichwort Beugung) hergeben. Und für solche Fälle frage ich mich, warum noch kein Kamerahersteller auf die Idee gekommen ist, die gute alte – reale, auf dem Objektiv farbig markierte – Tiefenschärfen-/Schärfentiefeskala von seinen Programmieren in der Firmware „unterbringen“ zu lassen. So sehr der Begriff „hyperfokale Distanz“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperfokale_Entfernung) gelegentlich von Technikexperten missbraucht wird, die nicht ein Bild an der Wand hängen haben, warum programmiert man eine entsprechende Steuerung nicht in die Kamerasoftware. Eine Software, die abhängig von der (bevorzugt kürzeren) Brennweite per Motor das Objektiv auf Wunsch auf einen imaginären Punkt fokussiert, wobei die eingestellte oder maximale = „förderliche“ Blende (ohne Beugung!) dann dafür sorgt, dass von x m bis Unendlich garantiert alles scharf ist. Eine verwacklunssichere Verschlusszeit vom Stativ oder per VR/IS aus! War nur mal so ein Gedanke…

    Ralf

    PS.: @Stefan: “Was hast du auf Helgoland gearbeitet?”

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