Blitzen jenseits der Blitzsynchronisationszeit
Stefan Groenveld
Um am hellichten Tag zu Blitzen – vielleicht erinnerst Du Dich noch an dieses Beispiel, warum Du dies eventuell tun möchtest – musst Du im Normalfall einen sinnbildlichen Tod sterben. Einerseits könnte es notwendig sein, mit kürzeren Belichtungszeiten als der kameraspezifischen Blitzsynchronisationszeit zu blitzen. Die Kamerahersteller haben extra die Kurzzeitsynchronisation für ihre Systemblitze erfunden. Dies ermöglicht das Blitzen auch jenseits der 1/250s Belichtungszeit, die zumindest bei Nikon die Synchronisationszeit ist (manche Canons haben längere Zeiten). Aus technischen Gründen erkaufst Du Dir mit der Kurzzeitsynchronisation leider ein Problem: die Reichweite der Systemblitze wird dramatisch verkürzt.

Die Alternativlösung lautet, die Blende so klein zu wählen, dass Du auch mit einer 1/250s fotografieren kannst. Gerade bei strahlendem Sonnenschein musst Du die Blende allerdings so klein wählen, dass ich nicht verschweigen möchte, dass Dreck auf dem Sensor, aber auch die Beugung am Objektiv, besonders deutlich werden können. Noch schlimmer: durch die kleine Blende wird nahezu alles scharf.

Natürlich könntest Du mit einem neutralen Filter beide Probleme lösen, aber dann hast Du wieder ein neues Problem: Du siehst nichts durch den Sucher. Du kannst Dich also hinwenden, wohin Du willst: ein Problem hast Du immer.

Aber wie hat Joe McNally das so schön gesagt: Fotografieren heißt Probleme lösen – meistens solche, die wir uns selbst gestellt haben.

Ein kleiner Problemlöser heißt Pocketwizard. Mit diesen drahtlosen Funkauslösern habe ich die Blitzsynchronisationszeit auf 1/400s drücken können. Immerhin eine 2/3 Blende. Eine Hilfe, aber nichts, um vor Freude in die Luft zu springen.

Der große Problemlöser ist die Kombination von Pocketwizard und meiner mobilen Studioblitzanlage Profoto AcuteB 600. Die kann nämlich bei voller Power auch mit 1/8000s von den Pocketwizards ausgelöst werden. Habe ich eher zufällig herausgefunden, funktioniert aber. Eigentlich wären dunkle Streifen vom Verschluss zu erwarten – und sind auch zu sehen, wenn die Blitzleistung runtergeregelt wird. Nur bei voller Blitzpower wird das Bild ohne Streifen belichtet. Tatsächlich ist die Helligkeitsverteilung etwas ungleichmäßig, aber mit zwei einfachen Verlaufsfiltern zur Belichtungsregelung in Lightroom, ist auch das Problem recht leicht zu beheben. Funktioniert zumindest mit meiner D3 und der D4.

Mit dieser Kombination kann ich die Probleme des Blitzens jenseits der Blitzsynchronisationszeit am Besten lösen, denn die Blende kann nun wieder groß gewählt werden und die Blitzreichweite nimmt auch nicht ab. Die volle Blitzpower bleibt – ist ja schließlich kein Systemblitz.

19 Bemerkungen
  1. Nebenher, das mit der vollen Leistung kürzere Zeiten erreicht werden können gilt auch für die SB-900.

    Ich benutz auch 1/400s, aber bei voller Leistung geht auch 1/1000s und ich glaube sogar mehr.

      1. Ach so, ich verstand das so, dass Du mit den SB-900 nur bis 1/400s kommst, während ich bei voller Blitzleistung mit denen auch auf 1/1000s und mehr komme.
        Natürlich nur mit den Pocketwizard FlexTT5/MiniTT1.

  2. PS: und ein 8fach (also drei Blenden) ND-Filter reicht für sowas aus, dadurch kann man immer noch gucken und sogar der AF funktioniert bei Tageslicht noch.

  3. Die volle Leistung kanns aber doch auch eigentlich nicht sein, oder?

    Denn das Problem bleibt ja, dass der Verschluss bei 1/800 nunmal ein Schlitz ist.
    Wenn der Blitz lange genug abbrennt, wird eben auch alles belichtet.
    Da er nicht gleichmäßig abbrennt, ist ja auch die Verteilung nicht gleichmäßig.

    Also ist es doch sicher ein unterschied, ob die volle Power die ganze Zeit auf dem kompletten Sensor landet, oder eben jeweils nur auf einem Teil des Sensor.

      1. Ja, es funktioniert, weil die Abbrenndauer deutlich länger als 1/8000s ist.
        Aber Marco hat schon recht: die Abbrennhelligkeit ist keine Konstante, sondern normalerweise die typische Entladekurve eines Kondensators.
        Sprich: das Bild wird vom einem Ende zum anderen heller oder dunkler, je nachdem wo auf der Entladekurve die 1/8000s zuschlägt.

        In der Portraitpraxis ist der Unterschied zum Glück aber vernachlässigbar gering.

      2. ja, das wird der grund sein. nur hast du dann eben nicht die “volle Power” sondern entsprechend weniger.
        Also im Prinzip was die High Speed Synchro beim Systemblitz auch macht.

        Müsste man im dunklen Studio bei 1/250 und bei 1/8000 mal testen, wie groß der Unterschied ist.

        1. Ah, verstehe. Ich habe zwar keine Messreihe gemacht, aber einen Verlust der Lichtleistung konnte ich zwischen 1/1000s und 1/8000s nicht feststellen. Die Blenden-/Zeit-Kombination passte immer proportional zu dem bei 1/250s gemessenen Wert.

  4. Mhhh jetzt bleibt für mich noch die Frage da du die Blitzleistung nun nichtmehr über die Power regeln kannst, kannst du sie nur regeln indem du Softboxen und abstand änderst oder?? oder lieg ich falsch? klar über Blende und Iso auch aber bei den iso bist du wahrscheinlich eh immer im keller und Blende ist ja leine möglichkeit für dich wie beschrieben!?

  5. es gibt noch viele weitere Lösungen für das Problem …. PixelKing, Phottix Odin.

    Ich habe mir z.B. die lange Abbrennzeit meiner Studioblitze zu Nütze gemacht. Ausgelöst über die Fotozelle mittels eines Systemblitz, der auf HSS eingestellt war, konnte ich jede Belichtungszeit wählen.

    Neuerdings habe ich den Pixelking im Einsatz und kann somit bequem jede Belichtungszeit einstellen, ganz egal, was für einen Blitz ich abfeuern möchte.

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