Resilienzen aus dem parallelen Foto-Universum

Mitten in einer Pandemie einen Jahresrückblick zu schreiben, fühlt sich merkwürdig an. Vor allem: darf ich in einer Zeit in der alle über die größte Krise seit langem schreiben, notieren, dass ich bis jetzt gut – sogar sehr gut – durch diese Herausforderung gekommen bin? Ein wenig fühle ich mich in einem Parallel-Universum der Foto-Resilienzen.

Natürlich liegt das zu allererst an meinen tollen Auftraggeberinnen. Und ja, ich habe hart und so viel gearbeitet, wie noch in keinem Jahr. Ich konnte sogar neue Kunden gewinnen, obwohl ich mal wieder keine Zeit für Eigenwerbung hatte. Selbstverständlich ist es auch kein Spaß 10 Stunden am Stück mit Maske zu arbeiten, die einem im ungünstigsten Fall auch noch die Brille beschlagen läßt. Da bin ich doch froh, dass meine Arbeitsgeräte mittlerweile zuverlässig selbst fokussieren können und mein Durchblick dafür nicht benötigt wird.

Tatsächlich hatte ich auch Glück. So hatte ich die Anfrage für einen lukrativen Fotojob im März schon negativ beantwortet, weil ich zum gleichen Zeitpunkt in Cannes gebucht war. Einen Tag später kam allerdings die Absage dieses Engagements an der Côte d’Azur. Glücklicherweise hatte die Auftraggeberin des anderen Fotojobs meine Absage noch nicht gelesen – da Wochenende war.

Das bißchen an freier Zeit, dass ich im totalen Lockdown im Frühjahr hatte, habe ich genutzt, um an meinen Videoskills zu feilen. Eigentlich hatte ich da noch mehr vor, aber siehe oben… Ich habe mir für 2021 aber fest vorgenommen, weitere kleine Videos zu machen.

Aber es gab auch Enttäuschungen. Ausgerechnet die beiden Organisationen, denen ich in den letzten Jahren besonders viel freie Zeit und Energie geschenkt habe, haben mich mit sehr wenig Wertschätzung behandelt. Vielleicht gilt eben doch der alte Spruch „was nichts kostet, ist auch nichts wert“. Gut, ich bin ja nicht über 50 Jahre auf diesem Planeten, um nicht noch was dazu zu lernen. Vielleicht können sich bestimmte Leute nicht vorstellen, dass man sich für etwas engagiert, obwohl man wenig Zeit hat. Positiv für mich, dass ich so mehr Zeit und Energie für meine Kundinnen hatte, die meine Arbeiten bezahlen und wertschätzen.

Natürlich habe ich mir in ruhigen Momenten überlegt, warum ich so gut durch das Jahr 2020 gekommen bin. Am Naheliegendsten war aus meiner Sicht, dass ich eher dienstleistungsnahe Kunst mache als abstrakte Fotokunst. Letzteres hat meine volle Hochachtung und ich lasse mich gerne beim Betrachten der Werken dieser Künstlerinnen bewegen. Bei meiner Fotografie geht es eher darum, die Auftraggeberin glücklich zu machen. Das ist auch Kunst, aber andere.

Nun hoffe ich natürlich, dass ich meinen Weg verstetigen kann. Zumal dieses Jahr eins gelehrt hat: niemand weiß, was morgen passiert. Also bleibe ich demütig und freue mich auf die nächsten Aufgaben. Das erste Quartal ist normalerweise mein schwächstes, aber die ersten Aufträge warten hier schon…

Mittlerweile genieße ich auch den Luxus, für meine privaten Fotogelüste eine eigene Kamera zu besitzen. Die Leica Monochrom schafft mir einen unglaublichen Freiraum, weil ich mich komplett auf das Fotografieren konzentrieren kann. Eine Bildbearbeitung ist auf wenige Regler beschränkt. Das ist für mich Naherholung und Augenschule zugleich. Bei Gelegenheit gehe ich da noch mal ausführlicher ein, aber hier zeige ich dir erstmals mein privates Lieblingsbild aus 2020. Natürlich aus Helgoland – mein einziges Urlaubsziel in diesem Jahr und hoffentlich auch das erste in 2021. Ich bin da wirklich gerne.

Helgoland im September 2020

Überhaupt Leica: nachdem ich 2017 entschieden hatte, dass mir das M System für Fotojobs zu anfällig ist und ich durch diverse Kamerahersteller irrlichterte, hat mich der Virus mit dem runden roten Punkt wieder voll gefangen. Und danke der jüngsten Anschaffung bin ich nun wieder komplett für alle anfallenden Aufgaben aufgestellt. Es ist mir kürzlich eher zufällig aufgefallen, dass ich jeweils die neusten Kameras von Leica besitze.

Meine Hobby- und meine Arbeitskameras – ich habe nur leider kein viertes 50er Objektiv, deswegen wirkt das Bild etwas unrund…

Die Leica SL2 durfte dieses Jahr auch für mich beweisen, dass die Auflösung für eine 18/1 Plakatwand reicht. Mein größter Print in 2020.

Genug geschwärmt: ich wünsche allen Leserinnen ein wundervolles 2021. Viel Liebe, viel Glück, viel Erfolg und natürlich viel Gesundheit! Ich freue mich auf das neue Jahr!

Ich wünsche allen Leserinnen, dass 2021 für sie wieder ins Schwarze trifft.

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