Martin U Waltz, Marco Larousse und Siegfried Hansen (vlnr) geben die Gewinner des Wettbewerbs "Mein Kiez" bekannt

Erstes German Street Photography Festival

Das erste German Street Photography Festival fand vom 21. bis 23. Juni 2019 in Hamburg statt. Neben einem Fotowettbewerb mit dem Thema „Mein Kiez“ und einem Symposium mit vielen interessanten Vorträgen und Diskussionen, stand der Austausch der Streetfotografen im Fokus. Den Initiatoren des German Street Photography Festivals Marco Larousse, Martin U Waltz und Siegfried Hansen lag daran, das nicht mehr junge, aber immer noch zarte Pflänzchen Streetphotography in Deutschland ins richtige Licht zu rücken, damit es wachsen kann.

Die Streetphotography ist nun nicht mein größtes fotografisches Steckenpferd, auch wenn ich mich in diesem Sujet hin und wieder versuche. Aber die Gelegenheit neue Inspirationen zu erfahren, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Außerdem wissen aufmerksame Leserinnen meines Blogs, dass Mit-Initiator Marco ein langjähriger und guter Freund ist. Da lag es nahe, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und mich als Eventfotograf engagieren zu lassen. Eine sehr gute Entscheidung, wie ich nach diesem Wochenende weiß. Aber der Reihe nach….

Wo sind die Hamburgerinnen?

Das German Street Photography Festival wird zu einem Stelldichein deutscher Streetfotografinnen. Köln, Berlin, Frankfurt, Hannover, Nürnberg, München sind die Städte aus denen sich Kollektive oder Streetphotography Clubs vorstellen – teilweise sogar zwei. Ich unterhalte mich in den Pausen mit Menschen aus Karlsruhe oder Iserlohn und dann Nizza, Prag und Rumänien. Aber wo sind die Hamburgerinnen? Natürlich gibt es anwesende Fotografinnen, aber doch viel zu wenige. Ein hochklassigeres Treffen zu diesem Thema mit deutschen Fotografen gibt es hierzulande nicht und die Ortsansässigen verpassen diese großartige Chance. Und einen irgendwie gearteten Verbund von Streetfotografinnen gibt es in Hamburg auch nicht. Es würde mich aber wundern, wenn die Karte nach diesem Wochenende noch lange weiß bliebe. Übrigens haben die Nürnberger eine Datenbank von deutschen Fotografinnen, die der Street Photography in Deutschland ein Gesicht geben.

Definitionen und Regeln in der Streetfotografie

Am Anfang einigen wir uns beim Symposium auf Begrifflichkeiten: Strassenfotografie klingt nicht nur furchtbar, es ist auch irreführend. Mit deutscher Gründlichkeit ruinieren einige in Deutschland Wikipedia. Dazu kannst du im Internet genügend Inhalte finden – der dortige Eintrag zur Streetfotografie gehört dazu. Also vergesst den Begriff. Street Photography – Street Fotografie ist deutlich besser und auch besser zu verstehen. Nun müssen die Menschen, die mit diesem schwierigen Metier nicht so vertraut sind nur noch begreifen, dass Streetfotografie am Besten mit Menschen in den Bildern funktioniert. Das ist nichts Neues und auch logisch. Hier verweise ich gerne auf meine Notizen des Vortrags von Zack Arias, den ich 2013 in London hörte.

Add people. They give your pictures scale, time and location. And it helps to connect the viewer to the picture.

Zack Arias, 2013 at Gulf Photo Plus in London

Regeln gibt es bei der Streetfotografie wenige, vieles ist erlaubt. Unterschiedliche Sichtweisen auf das Genre machen es so interessant, vielseitig und spannend. Beim Fotoslam zum Tagesabschluss am Samstag und Sonntag wird klar, dass bei einigen Regeln eine Anwendung aber doch ratsam ist.

  • Nur weil das Bild ein Schnappschuss ist, muss es trotzdem sauber aufgebaut sein.
  • Überlappungen von Körpern helfen bei der Bildgestaltung nicht
  • Schrift lenkt nur ab
  • Strassenmusiker und Bettler gehören nur in Ausnahmefällen in die Streetfotografie
  • Schwarz-Weiß ist kein Selbstzweck
  • Brennweiten über 50mm (auf Kleinbild gerechnet) werden nur selten benötigt

Die drei Initiatoren Martin, Siegfried und Marco machen das bei den eingereichten Bildern in der Blindverprobung des Fotoslams mit viel Humor deutlich. Umso mehr freuen sich die Anwesenden über die vielen gelungenen Fotos.

Inspiration beim Symposium

Dazwischen liegen viele Vorträge und tolle Inspirationen im Symposium. Marco Larousse, der am Eröffnungsabend eine sehr gute und ermutigende Rede zur Streetfotografie in Deutschland gehalten hat, bringt alle auf den aktuellen Stand in der Rechtsprechung. So gibt Siegfried Hansen seine Anfänge preis und dann wertvolle Tipps, wie er seine Sehgewohnheiten trainiert. Seine interessanten Bilder geben ihm Recht. Pia Parolin aus Nizza zeigt, wie sie nach dem Attentat mit ihren Bildern helfen konnte und eine wunderbare Streetphotography Serie geschaffen hat. Birka Wiedmaier sprang kurzfristig ein und konnte von ihren Fotowalks in ihrem Kiez berichten – aus den Metropolen Moskau und Istanbul. Martin U Waltz ordnete eine eigene Webseite und die Teilnahme an sozialen Medien ein. Dabei gab er gewohnt viele gute Tipps und Anregungen.

Mein Fazit vom ersten German Street Photography Festival

Oh, wie bin ich glücklich, dass ich mir das Wochenende frei geschaufelt habe. Ambiente und Menschen waren einfach unfassbar gut. Klar, beim ersten Mal gibt es immer Potenzial für Verbesserungen. Alles andere wäre verwunderlich. Der Raum für die vielen tollen Gespräche sollte vergrößert werden. Wenn Streetfotografinnen aus ganz Deutschland – und teilweise noch viel weiter – in eine Stadt wie Hamburg kommen, wollen die natürlich auch was vor die Linse bekommen. Beim Symposium könnten noch mehr gute Beispiele für die Kraft der Streetphotography vorgestellt werden. Aber alles in allem war das eine wirklich tolle Veranstaltung. Marco hat das zum Schluß gut auf den Punkt gebracht:

Das erste German Street Photography Festival war wie ein Familientreffen. Nur ohne Neid und Missgunst.

Marco Larousse zum Ende der Veranstaltung

Mich persönlich hat das Wochenende sehr motiviert, es in diesem schwierigen Metier der Street Photography mal wieder intensiver zu probieren. Und ich habe viele neue Freunde gefunden. Ich kann nur hoffen, dass diese variable Kunstform der Fotografie in Deutschland neuen Schwung erhält. Die Reduzierung auf die rechtliche Situation wird der Streetfotografie nicht gerecht. Empathie ist eben auch für diese Art der Fotografie von enormer Bedeutung.

Danke an den Einsatz der Initiatoren, die dieses Festival überhaupt erst ermöglichten. Danke aber auch an die Sponsoren Panasonic Lumix, Cosyspeed, Skylum Luminar und auch Soul of Street, deren Abo ihres Magazins ich sehr empfehlen kann.

Dieses Festival schreit jedenfalls förmlich nach einer Wiederholung. Ich bin dann gerne wieder mit dabei.

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