Hirtenjunge

Äthiopien – Analoges mit der XPan

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Anfang Januar werde ich vom Verkäufer hinterm Tresen freundlich angesprochen. „Jetzt drehst du aber komplett durch. Draussen ist trübes Winterwetter und du kaufst ISO100 Filme.“ Es ist viel schöner im lokalen Handel zu kaufen als online. Hier werde ich nach all den Jahren wenigstens nett und zuvorkommend behandelt. So gefällt mir das. Also grinse ich nett und antworte: „Ich verrate dir auch nicht, wo ich morgen hin fliege.“ „Ja, besser ist das.“ „Äthiopien. 12 Stunden Sonnenschein und 25 Grad.“ „Arschloch!“ Jetzt grinsen wir beide. Ich bezahle und stecke meine Ektar 100 Filme ein.

Auf jeder Fahrt mit Viva con Agua nehme ich eine analoge Kamera mit. Eigentlich ist das bei geschätzten täglich 24 Stunden hinterm Sucher ziemlich unnötig. Aber so freue ich mich rund zwei Wochen nach der Reise noch mal über anmutige Bilder, die ich vorher nicht gesehen habe. Und in die ich keine eigene Entwicklungsarbeit stecken muss. In Uganda sind mit der Fuji GW690 einige Bilder entstanden, die ich mir noch heute gerne anschaue. Im Nepal hat leider meine 6×6 Kamera versagt und es sind nur sehr wenige Aufnahmen brauchbar gewesen. Das Schönste war auf den letzten beiden Millerntor Gallerys zu kaufen – wollte aber keiner haben.

Diesmal habe ich die XPan mitgenommen. Jene Fuji/Hasselblad Kooperation, die aus einem 36er Film wegen des wunderbaren Formates 20 Bilder macht. 24x65mm misst das Negativ. Mit meinem 45mm Objektiv führt dies in der Breite ungefähr zu einer 24mm Optik. In der Höhe bleibt es aber natürlich bei den 45mm. Das kommt dem menschlichen Sehen sehr viel näher.

Allerdings eignet sich das XPan-Format kaum zum Zeigen auf irgendwelchen Online-Plattformen. Schon hier im Blog wird es schwierig. Also bitte unbedingt die Bilder auf dem Rechner anschauen und dafür die Lupe bei den Bildern anklicken. Danke 🙂

Nach dem Rückflug hatte ich kurz Schweißperlen auf der Stirn, denn die Filme der XPan waren im normalen Gepäck. Roentgen Strahlen sind aber wohl doch nur noch vereinzelt an Flughäfen ein Problem für analoges Material. Mit den kontinentalen Drehkreuzen Addis Abeba und Frankfurt hatte ich da wohl Glück.

Entwickelt und gescannt wurden die Filme bei meinfilmlab – da bin ich bisher noch nie enttäuscht worden. Außerhalb der Saison hat die Arbeit von dem Team auch nur 3 Tage gedauert. Ich kann das Labor empfehlen, zumal die Ektar Film wegen des hohen Rotanteils auch nicht so einfach zu bearbeiten sind.

Eine analoge Kamera mitzunehmen lohnt sich meiner Meinung nach immer wieder.

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Die Kamera ist für mich der Schlüssel. Mit ihr öffne ich Türen und betrete das Leben anderer Menschen. Manchmal für Sekunden, manchmal für sehr viel länger. Diese intimen Momente begreife ich als Auszeichnung. Als Chance. Und jeder dieser Augenblicke verändert mich und meine Sichtweise.

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