Helfer, Künstler, Liebe

Und schon ist die diesjährige Millerntor Gallery mit so viel Liebe und Kunst wieder vorbei. Dabei hatte sie doch gerade erst angefangen. Verrückte Welt.

Es war meine erste Millerntor Gallery mit eigener großer Ausstellungswand und obwohl ich schon die Letzten intensiv mit meiner Kamera begleitet habe, war es diesmal anders. Diese nervöse Anspannung, ob auch alles rechtzeitig fertig wird, gepaart mit scheinbar grenzenloser Unterstützung anderer, ist eine besondere Erfahrung. Und eine sehr schöne. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Helfer Eberhard, Björn, meine Liebste und allen von der Millerntor Gallery.

Eine Stunde vor Eröffnung hätte ich nicht gedacht, dass alles fertig wird – und plötzlich erstrahlte die ganze Ausstellung. Ein tolles Erlebnis.

Es gab in diesen 5 Tagen – vom Pre-Opening bis zum Ende am Sonntag – so unfassbar viele Highlights zu erleben und so viel Liebe zu spüren, dass eine Aufzählung immer unvollständig bleibt. Das Wiedersehen der Reisebegleiter aus Uganda und Nepal gehörten absolut dazu. Das Konzert mit Frittenbude – endlich im Umfeld vom FC St. Pauli – war ein langer Wunsch von mir und es war überragend, den Ballsaal bis in die letzte Reihe tanzen zu sehen. Wunderbar war aber auch das improvisierte Konzert von Irie Révolté im Ausstellungsgang der Süd – mit DJ Mad an den Reglern, einem Ghettoblaster als Boxenersatz und einem Mikrophon für zwei. Selten habe ich so hautnah erlebt, dass alle Beteiligten so viel Spaß hatten. Und wie oft kannst du bei einem Konzert mit den Musikern tanzen…

Neben den kurzzeitigen Events gab es natürlich noch viel bleibendes zu sehen. Auf der Süd hat mir die Kunst von „Die Dixons“ aus Berlin außergewöhnlich gut gefallen. Ein gespraytes Fischbrötchen. das in wenigen Stunden in erstaunlicher Genauigkeit entstand. Shraddha Shrestha aus Kathmandu zauberte ein wunderschönes und doch traurig zeitgenössisches Kunstwerk auf die Süd. Dazu kamen noch El Bocho mit feinem Strich und die Kuttique mit leckeren Drinks. Die Hörwelt des Millerntor machte Kymat sichtbar.

Noch mehr Kunst gab es auf der Haupt. Dort bildeten Jobray Writer aus Uganda, Jens Keller aus Mannheim mit einem Herrscher der Meere in den Händen des Menschen, Andreas Preis aus Berlin und der Schweizer Kaspar Wyss optische Highlights. Ebenso wie Max Birkl, der nur einen Pinsel und ein Topf schwarze Farbe nutze, während SutoSuto mit Siebdruck ihr Bild an die Wand brachten. Bingo mit Streetart-Zügen von Under Pressure waren auf der Haupt das Publikumsmagnet. Ich hoffe, ihr habt auch alle das Wohnzimmer unter der Gegengerade gesehen. Neben interessanten Lesungen und Darbietungen, gab es dort auch tolle analoge Fotografien von Julian Furones zu sehen. Du siehst an dieser unvollständigen Auflistung wie vielfältig die Kunst der Millerntor Gallery #7 war.

Mit der Resonanz meiner Ausstellungswand zum Projekt „Typisch Deutsch“ war ich auch sehr zufrieden. Oft standen diskutierend Menschen davor. Im Vorfeld hatte ich damit gerechnet, dass die Bilder von Pässen, die spielerisch den Gesichtern zugeordnet werden sollten, entwendet werden. Aber warum wurde der niederländische Pass gar nicht, der russische Pass aber 5mal geklaut? Etliche Menschen haben sich in der Anordnung von Pässen und Portraits versucht – ich habe niemanden erlebt, der oder die mehr als zwei Richtige hatte. Letztlich kam es da natürlich gar nicht darauf an, weswegen es hier auch keine Auflösung gibt. Wichtig war mir nur der Denkanstoß, auch wenn der im St. Pauli Umfeld deutlich geringer sein muss.

Kunst habe ich dann auch noch am eigenen Körper erfahren, den Max Birkl – der mich mit seiner Fertigkeit schon auf der VcA Reise im Nepal überzeugte – verschönerte. Meine Liebste hat das fotografisch festgehalten.

Beim Abschlußbild wurde dann mal wieder deutlich, wie viele Menschen diese Kunstaustellung in aller Liebe miteinander verbunden hat. Ein wunderschönes Erlebnis dabei sein zu dürfen. Ich freue mich schon wieder auf die Nächste. Aber jetzt hole ich erst mal ein paar Stunden Schlaf nach…