Magie am Sonntagnachmittag

Ich berichtete über meine Twitteranfrage von Samstagabend, welcher Hasardeur vor mich und meine neue Kamera treten wollte. Und ich schrieb über die absolut erfreuliche Überraschung, den Sonntagvormittag mit Ralph Gunesch zu verbringen. Bleibt die Frage: was passierte am Sonntagnachmittag?

Mal unter uns: so toll Ralle auch ist, als Anfängerfotograf wünscht man sich als heterosexueller Mann mittleren Alters natürlich eine bildhübsche Frau, die gerne mit der Kamera flirtet. Dann muss ich mir als Knipser nicht so viele Sorgen machen, die Bilder werden so oder so ein Renner. Womöglich kann man ja Fotos bei ihr in der durchgestylten Wohnung im großzügigen Schlafzimmer…

Und wer meldete sich bei mir? David!

Ja, toll: David! Gerne, David… Oh, David ist selbst Fotograf. Ja, ich freu mich…

Hast Du schon mal Fotografen fotografiert? Wo ist die „Clients from Hell“ – Liste, wenn man sie braucht?

😉

So, jetzt mal im Ernst – David kenne ich schon länger, schätze ihn als Mensch und mag seine Bilder. Von daher war ich in freudiger Erwartung als wir uns Sonntag nachmittag in einem wunderbaren Café auf’m Kiez trafen. Was dann folgte, schlug allerdings dem Fass den Boden aus.

Schon mit dem ersten Bild brannte zwischen uns die kreative Luft. David stellte sich da hin, wohin ich wollte, zog wahlweise ein Gesicht oder an der Zigarette, wenn ich es sagte, und war sich auch nicht zu schade, minutenlang millimetergenau in die pralle Sonne zu starren und dabei die Augen bis zum tränenden Schmerz offen zu halten. Und beide starrten wir zwischendurch aufs Kameradisplay und sagten mit offenem Mund im Chor: „wie kann das sein?“

Lieber David, auch als Fotomodel bist Du ’ne Wucht!

Ich weiß nicht, ob diese Magie zwischen uns auch nur ansatzweise im endgültigen Ergebnis rüberkommt. Immerhin spielen da verschiedene Faktoren eine Rolle: magst Du die Bilder, magst Du den Abgebildeten, magst Du die Gestaltung, magst Du das Licht – und nicht zuletzt warst Du während des Fotografierens nicht dabei und hättest die vorhandenen Lichtbedingungen vielleicht zu völlig anderen Bildern genutzt. Alles für mich total nachvollziehbar – von daher kann ich auch mit kritischen Kommentaren gut leben.

Für mich kann ich allerdings sagen, dass mir der Nachmittag mit David wahnsinnig viel bedeutet hat. Ich hatte wirklich das Gefühl angekommen zu sein: bei mir, bei David, bei den Bildern, die ich gerne machen möchte. Die Ergebnisse mag ich auch nach mehreren Tagen emotionalen Abstands immer noch sehr. Auch das Unscharfe, bei dem ich gegen die Sonne fotografierend weder durch den Sucher, noch im LiveView irgendwas erkennen konnte…

Alle Bilder entstanden mit „available light“, also nur mit natürlichen Lichtquellen, und sind nur sehr zurückhaltend bearbeitet worden – bis auf das Schwarz-Weiße, das habe ich mal kurz in Silver Efex 2 geworfen.

Die spannendste Frage, die sich nun für mich stellt ist: wer traut sich mit mir diese Ergebnisse zu toppen – oder zumindest ebenbürtiges zu schaffen? Wer traut sich nun vor meine Kamera? Du vielleicht?

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Die Kamera ist für mich der Schlüssel. Mit ihr öffne ich Türen und betrete das Leben anderer Menschen. Manchmal für Sekunden, manchmal für sehr viel länger. Diese intimen Momente begreife ich als Auszeichnung. Als Chance. Und jeder dieser Augenblicke verändert mich und meine Sichtweise.

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