Neues von der Hardwarefront Stefan Groenveld

tl;dr: Diese Woche habe ich mir mal ein paar Neuerscheinungen genauer angeschaut. Hier meine persönlich Meinung zur Nikon Df, Sony A7(R) und Profoto B1.

Zunächst habe ich mir mal die Nikon Df etwas näher angeschaut. Liegt gut in der Hand, ist wertig verarbeitet und ist kleiner sowie leichter als z.B. meine D800e. Der kleine Finger meiner Hand findet zwar keinen Halt mehr am kurzen Griff der Nikon Df, aber mich hat das nicht gestört. Sicherlich ist die Df eine schicke Reisekamera und als “kleine D4” auch eine gute – vor allem preislich gute – Alternative zur echten D4. Was ich aber nicht verstehe ist, warum Nikon diese Kamera nur im Kit mit einem 50mm f/1.8 anbietet. In anderen Ländern gibt es die Kamera auch als Body only zu kaufen. Ich wüsste jedenfalls nicht, was ich mit einem weiteren 50er in meinem Objektivpark machen sollte. Auch die Begründung, das Design des Objektivs wäre an die Df angepasst, stimmt höchstens für die silberne Df. So oder so vermute ich stark, dass die Kamera spätestens 2014 im Preis deutlich fallen wird. Ich habe selten eine Nikon Neuentwicklung gesehen, die in ähnlich zahlreicher Form in allen Hamburger Fotogeschäften erhältlich war. Darüberhinaus hat Nikon das Problem, dem Otto-Normalverbraucher deutlich zu machen, wieso er 3000€ für läppische 16 Megapixel zahlen soll. Ich meine, ich weiß ja, wie geil der Sensor einer D4 auch bei schlechten Lichtbedingungen funktioniert – einschließlich dem tollen Autofokus, der in der Df nur wenig “kastriert” ist, und weiß den Dynamikumfang bei niedrigeren ISO Zahlen sehr zu schätzen. Aber erkläre diese Vorteile der wenigen Pixel mal dem Otto-Normalverbraucher…

Apropos viele Megapixel: auch Sonys spiegellose Vollformatkamera A7 habe ich näher betrachtet. Natürlich ist der Body hier noch kleiner als bei Nikons Df, aber auch als die Leica Modelle. Mir lag sie trotz der Abmessungen gut in der Hand. Der Body ist übrigens ungefähr so groß wie die Fuji X-E1 oder X-E2, wobei die Fujis ja “nur” einen kleineren APS-C Sensor haben. Allerdings hat mir der Sony-Body viel zu viele Knöpfe. Übersichtlichkeit ist Trumpf, liebe Sonys. (Nachtrag: Ganz vergessen – der Verschluss ist tierisch laut. Unauffälliges fotografieren ist damit nicht möglich. Dachte beim ersten Auslösen zunächst an den Spiegelschlag einer alten Mittelformatkamera, aber die Sony hat ja gar keinen Spiegel…) Übrigens macht es aus meiner Sicht auch wenig Sinn, einen kleinen Body zu entwickeln, aber die Objektive nicht mitschrumpfen zu lassen. OK, das ist wegen des Vollformatsensors auch schwierig – hier zeigt Leica, wie man es macht, wenn auch auf Kosten des Autofokuses. Ich hatte ja neulich schon mal was zur technischen Weiterentwicklung der letzten Jahre im Kamerasektor geschrieben und Sony hat hier auf jeden Fall den nächsten interessanten Schritt getan. Die Zeit wird zeigen, ob die Objektive besonders die36 Megapixel der A7R auch auflösen. Als Besitzer einer D800e habe ich da ja so meine Erfahrung bezüglich Auflösungsvermögen aber auch Verwacklungsproblemen gemacht. Sony ist derzeit mit der Marktreife der Objektive auch rund 6 Wochen zu spät dran. Es bleibt spannend…

Ja, und dann war ich noch bei der Präsentation vom Profoto B1. Dieser Akkublitzkopf ist meiner Meinung nach mal eine richtig spannende Weiterentwicklung und erleichtert nicht nur Blitzanfängern das Arbeiten mit Studioblitzanlagen enorm. Von der bei Profoto gewohnt guten Verarbeitung mal abgesehen, wartet dieser Kompaktblitzkopf mit einigen wirklich gelungenen Entwicklungen auf. Das Highlight ist die erstmals in einem Studioblitz eingebaute TTL-Fähigkeit. Aktuell funktioniert die TTL-Messung nur mit Canon Kameras, aber an einer Lösung für Nikon wird schon gearbeitet. Danach werden sich die Entwickler von Profoto wohl an die Blitzsynchronisation jenseits der 1/250s – sprich HSS bzw. Hypersync bzw. FP-Kurzzeitsynchronisation – machen. Das Tolle ist, dass die TTL Steuerung in speziellen Sendern verbaut ist: während Systemblitze immer nur auf einem Kamerasystem arbeiten, können die Profoto B1 Blitze für Nikon oder Canon genutzt werden – Voraussetzung ist nur die entsprechende Sendereinheit auf der entsprechenden Kamera. Eine weitere feine Sache ist, dass die Blitze die Blitzstärke auch im TTL Modus anzeigen und du die entsprechenden Werte für die manuelle Steuerung mit einem Knopfdruck übernehmen und weiterverwenden kannst. Im Prinzip ist so der B1 Blitz gleichzeitig auch ein Belichtungsmesser. Funktioniert wirklich sensationell und macht das Arbeiten mit Studioblitzen kinderleicht. Canon Nutzer können also schon jetzt die komplette Funktionalität vom Profoto B1 nutzen, Leute mit Nikon Kameras müssen auf die TTL Sender warten. Alle können mit der Air Remote die B1 Blitze über Funk manuell steuern. Ganz ehrlich: für mich ist der Profoto B1 die fototechnische Entwicklung des Jahres!

9 Bemerkungen
  1. …hatte mir immer die D1 mit integriertem Akku gewünscht, TTL brauche ich hingegen nicht. Aber der eigentliche Hammer ist für mich ja die Abrennzeit (OMG!). Bei dem Preis werde ich mich aber lieber weiterhin mit meinen D1 und ner Kabelrolle begnügen, zumal man für das Geld auch einen XXXL-Wechselrichter für’s Auto als Akku-Ersatz bekommt.

  2. Business as usual…

    Nikon Df? Vielleicht Herbst 2014 ohne das überflüssige 1,8/50 AF-S/Retro den Body für 1499.- Man kann wirklich Nikon Fan sein. Aber ohne Brett vorm Kopf… Die sind doch nicht ganz dicht. Ein schöne Kamera. Aber für das Geld statt der „D(oo)f“ derzeit doch ganz sicher eine D800E! Es sind nicht die 16 MP, die bei der OM-D/E-M1 bejubelt werden, bei der Df aber auf einmal zu wenig sind… Es ist der unmögliche Preis. Und wenn ich Lust auf Retro habe, lege ich einen Redscale-Film in die F2/DP1 und drehe nach Herzenslust an den Rädchen 😉

    Sony A7?? Du hast es schon geschrieben. Den Sensor hast du in der D800E… Und „ob die Objektive besonders die 36 Megapixel der A7R auch auflösen.“ Ich war es satt und habe der D800 und der noch pixeldichteren D7100 einfach mal zwei Zooms vorgesetzt, die garantiert nicht zur „Creme“ gehören:
    http://www.photoscala.de/Artikel/Alte-Objektive-und-neue-Kameras
    Und? Sooooo schlimm wie es einem die zahlreichen Verbalfotografen weismachen wollen, ist es auch nicht 😉 Selbst damit kann man Bildchen aufnehmen. Man kann es sich natürlich auch einfach machen: „Ich fange erst an zu fotografieren, wenn es das perfekte Objektiv gibt…“ Also nie, weil es dieses Objektiv nicht gibt. Oder ich die 3xxx Euro für die „Näherung“, das Zeiss Otus gerade nicht zur Hand habe 😉

    Ralf

  3. Meines Erachtens nach passen die 16MP gut in die Idee „Pure Photography“. Die DF ist anscheinend wirklich nur für eine ganz bestimmte Zielgruppe entworfen worden.
    Ich gehe davon aus, dass die Zielkäuferschicht bereits eine D4 und/oder D800 besitzt. Daher denke ich, dass 16MP für die angesprochene Zielgruppe vollkommen ausreichen sollte.
    Irgendwo und irgendwie gibt es ja immer was zu meckern.
    Natürlich sind 3000 Euro viel Geld, aber siehe oben. Die Zielkäuferschicht hat entsprechende Mittel. Ich finde es schön, dass Nikon eigene Wege geht (die wirtschaftlichen Aspekte mal aussen vor gelassen).

    Dafür finde ich es umso konsequenter, dass man an der DF alle und alte Nikkore nutzen kann und dann einfach drauflos fotografieren kann ohne Schnick-Schnack wie Schwenkbildschirm, Video, digitaler Sucher o.ä. -> Auschnitt, Zeit, Blende, ISO. Fertig.

    Und über den Sensor der D4 kann man nun wirklich nicht diskutieren.

    Ein wirklich schönes Produkt, aber preislich natürlich momentan noch vollkommen uninteressant für die meisten.

  4. Hallo zusammen,

    ich habe die DF gekauft und mache wahrscheinlich viel Geld kaputt 🙁
    Aber eine D4 würde ich mir nicht kaufen, da ich keinen wirklichen EInsatzzweck habe und Video brauche ich auch nicht.
    Ich gehöre wohl zur anvisierten Zielgruppe 🙂

    Aber Leute, nach einer Weile Nutzung will ich sie nicht mehr aus der Hand geben.
    Die Fotos dank Sensor “Outstanding”. Was will da noch besser werden?

    Das Bedienkonzept fiden ich nach kurzer Zeit wirklich gelungen. Ich komme unglaublich schnell damit zurecht und stelle sehr schnell ein.

    Das Einzige, was ich nicht verstehe ist, warum der AF aus der D600/610 gewählt wurde? Vielleicht aus Platzgründen im Gehäuse, da das 51er Modul größer ist und bessere Kompatibiltät zu alten Objektiven.
    Die absolute Lowlightkamera mit einem schlechteren Fokus als der der D800/D4 widerspricht sich aus meiner Sicht.
    Und ich merke den Unterschied schon zu einer D800.

    Nachdem ich nun über ein Jahr mit der D800E fotografiere und die Kamera wirklich schätze, bin ich irgendwie mehr von der DF überzeugt.

    Fotografiert noch jemand mit beiden Kameras?
    Mich würden da mal Meinungen interessieren.

    Ach so, bzgl. Detailreichtum der D800E und dem wirklichen Nutzen mache ich in den nächsten Monaten ausführliche Vergleiche. Dann melde ich mich nochmal.

    Bis dahin allen hier einen guten Rutsch und Dir Stefan Dank für Deinen schönen Blog
    Ishan

    1. Freue mich, dass Du mit der Df so glücklich bist. Ich habe ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet. Die Df ist auf jeden Fall eine gute Kamera. Als Ergänzung zur D800(e) erst recht.

      Wünsche Dir auch einen guten Rutsch und danke für Deine Besuche hier 🙂

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