Meine Woche mit der Samsung NX – ein Erfahrungsbericht
Samsung NX
Samsung NX
Stefan Groenveld

Eine gute Woche hatte ich Zeit, die nagelneue Samsung NX auf Herz und Nieren zu testen. Eins kann ich mit Bestimmtheit sagen: diese moderne Kombination aus spiegelloser Kamera mit Wechselobjektiven und Android Betriebssystem wird die Fotografenschaft spalten. Immer mehr Kameras haben eine WLAN Funktion eingebaut, um die Bilder der DSLR auf ein Smartphone zu bringen und von dort mit der Internetgemeinde zu sharen. Die Samsung NX geht mit eingesetzter SIM Karte einen Schritt weiter …

Das Zusammenspiel der beiden Welten funktioniert – für mich überraschend – gut. Die wichtigsten Kamerafunktionen kann ich auswählen und verändern, ohne den Touchscreen verwenden zu müssen. Die Bildanzeige auf dem – für einen Kameramonitor – riesigen Display ist eine Wohltat. Und dann kommt der Clou der Kamera: mit einem Klick kann ich das soeben geschossene Bild mit den Social Media Plattformen meiner Wahl teilen! Das steigert die Bildqualität auf Instagram enorm 😉

Die Bauweise der Samsung NX fällt nur dank Sucher etwas größer aus als eine Fuji X-E1. Beide Kameras haben einen APS-C Sensor verbaut, der um ein Vielfaches größer ist als der Sensor eines Smartphones. Dank des größeren Sensors sind bei schlechten Lichtbedingungen bessere Fotos möglich als mit einem Smartphone. Die Samsung NX ist zwar dicker als ein Smartphone, aber mit einem der vielen Pancake Objektive keine große Belastung für die Jackentasche. Insgesamt stehen aktuell 13 Objektive zur Auswahl, ich mochte das 30mm f/2 am Liebsten. Ein echter Knaller ist das 85mm f/1.4 – sehr scharf, aber auch sehr schwer: sogar 100 Gramm schwerer als das Nikon-Pendant.

Samsung hat seine Kameras sehr auf das Leben im Internet fokussiert. Daher ist es nur konsequent, dass mit dem Kauf die eigene Dropbox für zwei Jahre um 48GB kostenlos erweitert wird. Auch ist es möglich, seine Bilder gleich in passender Größe auf sein Google+ Account hochzuladen. Natürlich kann ich die Samsung NX so einrichten, dass nur bei WLAN Verbindung der Bilderupload stattfindet – sonst hätte ich trotz Internetflatrate schnell ein Problem mit der Drosselung. Für die heimische Bildbearbeitung wird Lightroom mitgeliefert.

Wer also gute Bilder sehr einfach im Internet teilen will, findet hier eine deutlich bessere Alternative, als Fotos mit dem iPhone zu sharen. Und sicherlich wird es in naher Zukunft weitere Einsatzmöglichkeiten geben. Schon jetzt gibt es genügend Journalisten, die einen Artikel über’s Telefon in die Redaktion diktieren – mit der Samsung NX ist es ein leichtes, noch schnell ein paar Bilder dazu zu verschicken. Es gibt sogar schon die erste Bildagentur, die sich auf Smartphonebilder spezialisiert hat, deren Android App für Dezember geplant ist.

Darüberhinaus bietet mir die Samsung NX alle Vorteile eines Smartphones: mal schnell den Weg ergooglen, Fotovorschläge aus dem Internet laden, bei Foursquare nach dem nächsten besten Restaurant schauen, etc. Nur telefonieren kann ich damit nicht, obwohl es sicherlich lustig anzuschauen wäre.

Das große Aber sehe ich natürlich auch: die Samsung NX ist relativ teuer, was wegen des Android Displays eigentlich klar ist. Die Akkulaufleistung ist ok und glücklicherweise ist der Akku leicht tauschbar. Der Sucher kommt mit seinen 1,4 Millionen Bildpunkten – wenn man kurz vorher durch den Sucher der Panasonic Lumix GX7 geschaut hat – aus der Steinzeit. Das Standardkitobjektiv scheint dem 20 Megapixel APS-C Sensor nicht gewachsen und wirft sehr häßliche Flares bei Gegenlicht. Die Kamera reagiert eher langsam und ist nicht wirklich schnappschussgeeignet. Ja, gut, alles ist immer noch besser als Photos mit iPhone, Lumia oder sonstigem Smartphone. Bleibt das größte Aber: brauche ich das wirklich? Ich habe doch sowieso ein Smartphone dabei und mittels NFC (Near Field Communication) wird das Zusammenspiel von Kamera und Smartphone immer mehr ein Kinderspiel.

Für mich war die Woche mit der Samsung NX ein – zugegebenermaßen – interessantes Projekt. Immerhin war ich einer der wenigen in Deutschland, die die spiegellose Kamera vorab testen durfte. Letztlich bin ich aber doch froh, nun wieder mit meiner Fuji X-E1 unterwegs zu sein – die hat eben doch mehr Sex …

2 Bemerkungen
  1. Danke für die ehrliche Einschätzung. In den gängigen Fotozeitschriften darf man wohl eher wieder (anzeigengetriebene) Lobgesänge erwarten…

  2. >> Das große Aber sehe ich natürlich auch: die Samsung NX ist relativ teuer, <<

    Und genau das ist es noch – (zu) teuer. Ich bin immer noch großer Fan der aus reinem Spieltrieb gekauften mittlerweile nicht mehr produzierten Nikon Coolpix S800c. Bei fast 8 GB internem Speicher geht es auch mal ohne SD Karte. Die S800c ist aktuell für 150 bis 180 Euro zu haben. Zwar mit dem veralteten Android 2.x, aber Dank "persönlichem Hotspot" des iPhones kann ich Bilder bei Bedarf eben auch sofort verschicken… OK, zwei Geräte und etwas mehr Fummelei… Aber zählt das Smart-/iPhone heute noch? Ist doch eh immer dabei… Aber eben in Bezug auf die S800c nicht nur brennweitenmäßig extrem eingeschränkt – das Foto-Häääädie. Und wenn es "professioneller" sein soll, die Kombi Nikon D7100 plus z.B. 1,8/35 AF-S/DX ist auch nicht zu verachten. Dazu den winzigen 50 Euro Nikon Wifi-Sender und die entsprechende App fürs Android/IOS-Phone…

    Und doch ist der Weg vorgezeichnet, den Samsung konsequent geht. Beim guten (Presse)Foto interessiert sich eh kein Redakteur, Betrachter für die Kamera… 2011 hab ich mich mal über die NX100 ausgelassen:

    http://www.photoscala.de/Artikel/6-Wochen-mit-Samsungs-NX100

    OK, heute habe ich die NX100 nicht mehr, und ein 1,4/85 Samsung könnte ich mir angesichts des vorhandenen 1,8/85 mm AF-S Nikkors auch nicht vorstellen, aber man soll nie nie sagen 😉

    Ralf

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