Macbook Pro im Langzeittest
Stefan Groenveld

Tja, da fallen nun doch tatsächlich zwei Ereignisse relativ dicht zusammen: zum einen das Ende meiner zweimonatigen Testmöglichkeit von einem Macbook Pro mit Retina Display und zum anderen beginnt nächste Woche die Entwicklerkonferenz von Apple – und höchstwahrscheinlich werden dort die Nachfolgemodelle von Macbook Air und Pro und vielleicht sogar Mac Pro angekündigt. Grund genug mir schon die ganze Zeit zu überlegen: will ich ein neues Laptop mit Apfellogo drauf?

Um eins vorwegzuschicken: ich nutze seit vielen Jahren Apple Geräte, weil sie bei mir zuverlässig funktionieren, ich so gut wie keinen Verwaltungsaufwand habe und sie eine recht lange Lebensdauer haben. Anders ausgedrückt: ich muss mich wenig um die Technik kümmern. Und das schätze ich an den Geräten. Ich bin auch kein Windows-Umsteiger: ich habe in der Schule auf einem Apple IIe gelernt und mein erster selbstgekaufter Rechner war ein Powerbook 165c. Zwischenzeitlich habe ich ein 27 Zoll iMac in Gebrauch, sowie ein iPad 3, ein iPhone 5 und mein Unterwegsrechner Macbook Air. Von mir ist also keine besonders kritische Auseinandersetzung mit der Firma Apple zu erwarten. Selbst iTunes funktioniert bei mir – obwohl ich die letzte Umstellung auch nicht verstanden habe 🙂

Das – noch aktuelle – Macbook Pro ist wirklich ein toller Computer. Das hervorragende Display habe ich schon in einem separaten Blogpost ausführlich gelobt. Und seit ich auf dieses Display schaue, wächst bei mir der Wunsch nach einem Auswechseln meines 2011 Dual Core Macbook Air. Allein das Retina Display ist nämlich ein Kauf wert. Und weil ich genau weiß, dass da draussen jetzt auf Grund meiner Aussage wieder Leute wegen des Spiegeldisplays in die Tischkante beissen: ich habe das Macbook Pro bei voller Sonnenscheinstrahlung draussen am Spielfeldrand genutzt – und ich habe etwas gesehen. Trotz Spiegeldisplay. OK – fairerweise erwähne ich gerne, dass die Sonne nicht von hinten kam und ich die Displayhelligkeit auf volle Pulle stellen musste. Aber – ich konnte am Apple Laptop arbeiten.

Viel schlimmer finde ich am Display eigentlich, dass ich erst in die Systemeinstellungen gehen muss, um wenigstens eine etwas höhere Auflösung zu bekommen. Von den vollen fast 3000 Pixel in der Bildschirmbreite kann ich aber nur träumen – auf dem 13 Zoll Display können schon nicht mal Full HD Filme in voller Auflösung angezeigt werden. Das finde ich schade! Da ist der Begriff “Retina Display” doch nur Marketing. Ich würde mir wünschen, dass ich mehr Pixel nutzbar machen könnte. Für Filme und vor allem zur Bildbetrachtung wäre das sehr hilfreich. Für Textdarstellung ist das Display so allerdings ausgewogen und eine Wucht.

Was mich ebenfalls sehr angenehm überrascht hat, ist die Akkulaufleistung des Macbooks. Nach einem Fussballspiel – also nach rund 3 Stunden Einsatz mit Festplattenzugriffen, 3G-Diensten via iPhone und voller Bildschirmhelligkeit – hatte ich oft noch rund 80% Ladekapazität des Akkus. Als ich bei mir zuhause auf dem Sofa sitzend im Internet surfte, Bilder auswählte und Lightroombildbearbeitung durchführte, musste ich nach rund 6 Stunden wieder ans Stromnetz – bei voller Bildschirmhelligkeit. Keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, aber ein Anhaltspunkt.

Die 256GB SSD arbeitet leise und reichte mir absolut aus. Ich habe das Macbook ja nur als Zweitarbeitsmaschine für Unterwegs und daher nur rudimentäre Programme drauf. So stellt mir die SSD rund 200GB an Speicherkapazität zur Verfügung – der Rest geht für Betriebssystem, Programme und lokale Mails drauf. Die freie Speicherkapazität ist genug für mehrere aufeinanderfolgende Sportereignisse oder Hochzeiten hintereinander.

Wirklich toll ist der Thunderbolt Anschluss. Da ich eine externe 3TB Raid-Platte als Datenspeicher am Thunderbolt meines iMac nutze, kann ich so sehr schnell die Daten nach einem Auftrag rüberkopieren und am iMac bearbeiten (der hat eben doch noch etwas mehr Rechenpower). Allerdings verstehe ich nicht, warum es zwei Thunderbolt Anschlüsse gibt – vermutlich wegen eines externen Displays oder wegen des fehlenden Ethernetanschlusses oder oder…

Auch finde ich die Anordnung der USB Ports unglücklich. Es gibt je einen auf jeder Seite. Das mag ich schon nicht, aber zu allem Überfluss sind die Anschlüsse nicht auf der gleichen Höhe. Ich fände es wesentlich übersichtlicher, wenn die USB Ports auf einer Seite sind – am Liebsten zusammen mit dem SD-Kartenplatz. Dann hätte ich alle meine Kartenlesegeräte auf einen Blick. Ist vermutlich Geschmackssache…

Gegenüber meinem Macbook Air wurde der Stromanschluss, der bei Apple MagSafe heißt, geändert. Grundsätzlich finde ich das Ding ja toll, weil keiner über das Stromkabel stolpern kann und dabei den Stromanschluss im Laptop ruinieren kann. Beim MagSafe2 verliert das Stromkabel aber sehr schnell die Verbindung zum Macbook. Schon ein kleiner Zug auf dem Kabel führt zur Lösung der Stromverbindung. Mir persönlich ging das zu leicht.

Was ich gegenüber meinem Macbook Air sehr schätze, ist die Tastaturbeleuchtung. Die ist echt hilfreich, wenn Du in schlecht beleuchteten Räumen arbeitest. Apropos: schlechtes Licht – kennst Du eigentlich f.lux? Gehört für mich auf jeden Rechner dieser Welt – vor allem bei den ganzen Nerds, die immer nur nachts arbeiten…

Zwei Worte noch zum Einrichten eines neuen Macs. Es ist ja toll, dass es einen Migrationsassistenten gibt, aber wenn die Datenübernahme nicht funktioniert, weil die Kapazität der SSD zu klein ist, dann stimmt da was nicht. Und ein echtes Ärgernis ist meiner Meinung nach die Einrichtung von Mailaccounts in AppleMail, zumindest wenn du mit Zertifikaten arbeitest. Du bekommst dann bei der Einrichtung einen Hinweis, aber du darfst da nicht einfach ok klicken und glauben, das Zertifikat wäre dann angenommen. Nein, du musst Details anklicken, einen Haken in einem winzigen Feld setzen und dann erst darfst du OK klicken. Natürlich bemerkst du das aber erst, wenn Mailversand und -abholung nicht funktionieren und du den Fehler nicht findest. Selbstverständlich gibt es auch keine hilfreiche Fehlermeldung. Wenn du dann endlich auf den Trichter kommst, woran es liegen könnte, ist es auch echt schwierig noch mal zu diesem Feld für den Haken zu kommen… Nervereien gibt es eben bei jedem Betriebssystem…

So, und nun klicke bitte unbedingt mal auf “Text ausblenden” unten rechts. Dann siehst du ein Foto von einem Macbook Pro beleuchtet nur mit einem iPhone. Mehr Apple geht nicht… 😉

Tja – und kaufe ich mir jetzt so ein neues geiles Macbook Pro? Also dieses Retina Display…

11 Bemerkungen
      1. f.lux klingt wirklich interessant, wenn ich denn ein mobiles device nutzen würde- für meinen Desktoprechner brauche ich das trotz geekfaktor allerdings nicht, hier herrscht eh immer die ziemlich gleiche Lichtstimmung, denn das Zimerlicht muss eigentlich den ganzen Tag über an sein, weil ich in einem fensterlosen Raum sitze, wenn ich am Rechner bin (dafür läuft hier aber natürlich ein Wetterapplet, damit ich trotzdem mitkriege, wie denn das Wetter draußen ist und ob es gerade hell oder dunkel ist… 😉

        Ich hätte jetzt erwartet, dass es dafür nun nur eine Macversion gibt, aber es gibt tatsächlich auch eine für Linux, erstaunt mich bei der Maclastigkeit des Artikels jetzt. Andererseits – wenn es doch ein geekutility ist, muss es dafür ja schließlich eine Linuxversion geben, anders geht ja gar nicht. 😉

        Ob du dir nun unbedingt wieder einen Mac kaufen sollst, darüber sollen sich die Jünger streiten, da halte ich mich geflissentlich heraus. :o)

  1. Jop, die Akkus sind legendär. Bei meinem ollen 2007er war letzten Sommer der Tausch fällig, aber bevor das (dann allerdings auch rapide) zu Ende ging, waren immer noch 3 Stunden angesagt und auch der Fall. Das Ding hab ich eigentlich nur mit Akku betrieben. Viereinhalb Jahre lang … Die neue Stromversorgung mochte ich dann nicht leiden und hab das Ding runtergeworfen. Selbstverständlich so, dass die Scharniere ausreissen. Man macht ja keine halben Sachen.
    MagSafe2 ist in der Tat nervig. Anhusten reicht. Gefühlt.

    Den ‘Fehler’ mit den Mailaccounts macht man in der Regel auch nur ein Mal, das ist zu verschmerzen und iTunes hab ich auf die 10er Version ‘rückgerüstet’. Die Nachfolger gehen gar nicht. Oder ich bin zu doof dafür.

  2. In meiner gesamten Mac-Struktur bestehend aus div. iMacs, MacBook/Pros, iPhones & Pods, etc. hatte ich seit meinem Switch vor 8 Jahren lediglich eine tote Festplatte auf einem iMac. Gegen die Hardware kann ich nichts negatives berichten. Deine Erfahrungen hinsichtlich des geringen Verwaltungsaufwandes teile ich. Die Softwareseite nervt mich aber zunehmend:
    Erst werden einem iDisk und Online-Fotogalerie mit Passwortoption gestrichen (der verlorene Online-Kalender für zeitlich limitierte Kundenprojekte hat mir richtig weh getan). Nach einem firmware-update für die time capsule, funktionierten meine alten air port express nicht mehr, mit denen das ganze Haus “verkabelt” waren (inkompatibel zur neuen Firmware). Und dann die runderneuerte Sharing-Architektur von Itunes. Als einer der wenigen Anhänger des alten ATV wieder eine Bestrafung für Nutzer alter Apple-Hardware.
    In Ermangelung eines zeitgemäßen MacPro wollte ich zum Jahreswechsel schon wieder zurück zu Windose… da kam Apple dann wenigstens auf die Idee, dem neuen iMac 32GB zu spendieren.
    Wenn mein altes MacBook Pro den Geist aufgibt, werde ich mir kein neues mehr holen, weil´s keine 17 Zoll mehr gibt (da kann man sich dann auch mit dem iPad behelfen). Der ganze Apple-Zirkus ist mir zwischenzeitlich zu “consumer-lastig”. Schade!

  3. Ich finde, dass es eine groooßartige Idee ist, die USB-Anschlüsse auf beide Seiten zu verteilen. Wir haben zum Beispiel dienstlich sehr hübsche aber nicht gerade schmale USB-Sticks. Auch mein Surfstick ist recht breit. Beide zusammen sind bei meinem derzeitigen MacBook nicht zu nutzen…daher von mir ein “Daumen hoch” für die Anordnung der USB-Ports.

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