Neue Linse: Carl Zeiss Makro-Planar T* 100mm f/2

Schon im Titel ein Fehler: das Carl Zeiss Makro-Planar T* 100mm f/2 Objektiv ist gar keine neue Linse – nur für mich 😉 Diese Optik steht auf meiner Haben-Wollen-Liste seit ich vor etwas über einem Jahr von ihr zuerst hörte. Ich bin zwar überhaupt kein Makro-Fotograf, aber 100mm bei einer Offenblende von 2.0 sind eine wunderbare Kombination für Portraits. Samstag war es nun endlich soweit. Schon nach dem ersten Testfoto im Laden war ich von der Schärfe bei Offenblende überzeugt und kaufte die 2.0/100mm ZF.2 Linse für Nikon.

Das ZF.2 in der Bezeichnung steht übrigens für die CPU in der Linse, die dafür sorgt, dass die Kamera alle üblichen Informationen in Kombination mit der Optik verarbeiten kann. Einzige Einschränkung gegenüber Nikon Objektiven ist der nicht vorhandene Autofokus. Es ist also mit den alten AI-S Objektiven von Nikon vergleichbar.

Natürlich ist manuelles Fokussieren etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Kamera zeigt die Schärfekontrolle im Display korrekt an und bei einem Vollformatsucher ist die Schärfebeurteilung auch ohne Schnittbildindikator ganz gut möglich. Klar, bei bewegten Objekten wird’s schwierig und der Ausschuss ist auch größer. Dafür wirst du mit scharfen und kontrastreichen Bilder schon bei Offenblende belohnt.

Bei einem ersten Test habe ich mir nicht nur meine Liebste als Objekt geschnappt, sondern auch mein Nikon AF-S 85mm f/1.4G als Vergleichslinse. Dieses Objektiv hat mich bis jetzt immer in Sachen Schärfe überzeugt. Die 100mm Brennweite haben mich nur deswegen gereizt, weil ich gerne eng geschnittene Portraits mache und dann mit 85mm sehr nah an die entsprechende Person herangehen muss. Das kann ein psychologischer Effekt sein, da ich den subjektiven Wohlfühlabstand eventuell unterschreiten muss. Bei 100mm Brennweite kann ich rund einen Meter weiter weg gehen und habe trotzdem die gewünschte Person genauso formatfüllend fotografiert wie mit 85mm. Der Schärfebereich ist dann ebenfalls vergleichbar, obwohl Blende 2 vielleicht was anderes suggeriert als Blende 1.4.

Die Beispielbilder sprechen – glaube ich – eine klare Sprache: das sehr gute AF-S 85mm f/1.4 hat einen Meister gefunden. Gegen das Zeiss 100mm f/2 wirken die Bilder vom Nikonobjektiv flau und deutlich kontrastärmer – so als ob ich durch einen Grauschleier fotografieren würde. Die Beispielbilder sind out-of-cam: nur schnell in Capture NX2 geöffnet und für den Blog hier verkleinert und als JPG konvertiert.

Was bekommst du sonst noch für’s nicht eben kleine Geld? Das Carl Zeiss Makro-Planar T* 100mm f/2 ist ein sehr robustes Objektiv – es liegt hervorragend in der Hand, scharfstellen funktioniert butterweich und exakt. Darüberhinaus ist es auch als Makro wirklich hervorragend geeignet. Trotz aller positiver Eigenschaften ist es ein Spezialobjektiv, das Ruhe, Erfahrung im Umgang und gutes Licht zum Scharfstellen erfordern.

  1. Cool – Pixel Peeping 🙂

    Für solche Portraits nutze ich am liebsten das EF 135mm f/2. Hattest Du das 135mm Nikon äquivalent auch in Betracht gezogen?

    1. Ja, bin voll bei Dir. Leider gibt es bei Nikon nur das 135er DC, das schon etwas älter und nicht so toll ist – wie die Zeiss Linse z.B.
      Hatte auch das 105mm f/2 DC von Nikon ausprobiert, das auch sehr gut ist – aber die Schärfe beim Zeiss hat mich dann doch überzeugt…

      1. Dachte ich mir doch, dass Du vor so einer Investition Deine Hausaufgaben gemacht hast.

        So ein bisschen MF kann auch nicht schaden – schärft die Sinne 🙂

  2. Nun war ich so stolz auf mein neues 85er. Da lese ich dies, sehe die Bilder – egal – Schärfe ist nicht alles.
    Heute beim Shooting, bringt meine Kundin mir vorsichtig bei, dass sie sich doch bei dem geringen Abstand des Objektivs zu ihrem Gesicht nicht besonders wohl fühlt 🙁 Ich glaube, ich verkaufe es wieder……

      1. Ich muss mal schauen, eigentlich lehne ich manuelles Fokussieren nicht ab. Die Ergebnisse des 105/2DC sehen gut aus.

        Mich ärgert gerade wirklich, dass überall das 85er als DIE Portraitbrennweite angepriesen wird und sie es aber dann doch nicht ist. 🙁 Da habe ich jetzt Lehrgeld bezahlt, aber auch gelernt, dass die Mainstream-Meinung doch mal hinterfragt werden sollte 😉

        1. Da ist schon was dran das 85er als Portraitobjektive gerechent sind. Zumindest trifft dies für die meisten zu. 1. die Linsen entwickeln ihre volle Schärfe deutlich vor
          unendlich…..2.) die Objektive sind auf die Wiedergabe von Hauttönen korrektiert worden. In wie weit dies für eine bestimmtes Objektiv zutrifft, liegt manchmal an den wirren Ideen des Herstellers.

          Man sollte grundsätzlich in diesem Brenweitenbereich zwei unterschiedliche Rechnungsarten unterscheiden. kurze Teleobjektiv die heißen bei Zeiss Sonnar, und lange Normalobjektive die heißen hier Planar.

  3. Name bürgt für die Optik -> Carl Zeiss, jedoch der Preis ist für Hobbyfotografen etwas hoch gegriffen.

    Das 85er von Nikon kam für mich nicht in betracht da ich mit dem Nikon Objektiv AF-S VR Micro 105mm 2.8G IF-ED 2 Fliegen mit einen Schlag habe.
    1. Ein sehr gutes und scharfes Portraitobjektive
    2. Macro

    Die Hauttöne dafür gibt es am Mac genügend Software, die das erledigen.

  4. Ich mag hier mal eine Lanze für das 85er brechen. Es ist komplett offen ein bischen weich, abgeblendet um eine Blende legt es aber bereits erheblich an Schärfe zu. Bei vielen Portraits wäre auch f2 noch recht weit offen.
    Und es gibt Situationen, wo ein AF von unbezahlbare Vorteil ist.
    Die Brennweite, 85m oder 105mm sind sicherlich auch Geschmackfrage.

  5. Danke für die Info Ich spiele schon lange mit dem Gedanken mir das Zeiss Objektiv zu kaufen. Seit ich die D800 habe sehe ich, dass jetzt eine Investition in bessere Objektive fällig wird.

  6. Interessant dein Testergebnis. Besitze das Nikon 85/1.8, mit dem ich sehr zufrieden bin. Doch der Test vonColorfoto, 3/13, der nur dem Zeiss 100% für die 800E bescheinigt, machte mich schon neugierig. Anscheinend hat Zeiss sich hier selbst übertroffen. Der Ruf der Zeiss-Objektive ist ja sonst meist besser als deren Leistung. Ich werde das 100er kaufen. 🙂

  7. @Stephan:
    Schau Dir bei Gelegenheit mal das neue 135er 2.0 an. Keine Ahnung wie Zeiss das hinbekommen hat: Keine bis minimalste Farbsäume (im Gegensatz zum 100er).
    Bin schwer beeindruckt von dem Teil!

  8. überlege, mir das zeiss 100 1:2 für meine d800e zu kaufen für portraits und als makro.
    habe gerade ein (vermutlich ordentliches) gebrauchtes gesehen, natürlich deutlich günstiger. es ist aber ein ZF und kein ZF.2 – kannst du mir den (praktischen) unterschied sagen?
    danke!

  9. Also ich kann der Beschreibung zwar zustimmen, aber ich denke es wird hier etwas zu sehr über die Schärfe argumentiert. Je nach Person kann diese auch sehr unschmeichelhaft rüber kommen und garnicht gewollt sein.

    Aber was für mich den Unterschied macht ist der Mikrokontrast und da erzeugt das Zeiss einen schönen 3D Look.

    Wichtig ist aber auch das Bokeh und da zeichnet das Zeiss auch extrem schön weich, wie gemalt.

    Aber es gibt auch ein Problem das sind die Farbsäume, die in manchen Lichtsituationen auftreten und die zum Teil schwer zu korrigieren sind weil es sich um Tiefeneffekte handelt.

    Mein Empfehlung als Alternative zum Zeiss ist das Voigtländer 125/2.5 APO Macro, noch weicheres Bokeh und deutlich weniger Farbsäume. Allerdings in den Ecken nicht ganz so scharf wie das Planar aber in der Mitte vielleicht noch einen Tick schärfer aber etwas weniger Mikrokontrast.

    1. Ich kann dir zu deinem Kommentar auch komplett zustimmen, allerdings gab es dein genanntes Objektiv 2012 noch nicht, als ich diesen Bericht schrieb 🙂 Das macht deine Anmerkungen aber nicht falsch. Danke dir für deinen Beitrag.

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