Flattr – Kleinvieh macht auch Mist
Stefan Groenveld

Die gemeinhin “Medienkrise” genannte Situation um zurückgehende Erlöse traditioneller Erzeugnisse von Journalisten – kurz auch Zeitungen genannt – ist in vielen Mündern. Das Werbe- und Anzeigengeschäft geht zurück und die Leserschaft wird auch immer weniger. Klar, dass da auch immer weniger Bilder gedruckt werden – bzw. es werden immer weniger Bilder gedruckt, die (extra) bezahlt werden müssen. Sehr viele Zeitungen arbeiten mit Pauschalen und nehmen im Zweifelsfall das schlechtere Bild, nur um Geld zu sparen. Ich habe schon von Redakteuren gehört, dass sie lieber mein Bild genommen hätten, aber leider nicht über das notwendige Budget verfügen – dabei richtet sich die Höhe des pro Bild zu bezahlenden Entgeltes an der Höhe der Auflage. Eigentlich eine faire Sache, aber den Geldgebern ist nachvollziehbarerweise das Hemd näher als die Hose.

Während aber bei den traditionellen Medien noch geweint wird, adaptieren neue Medien nobelpreisprämierte Ideen und probieren neue Bezahlmodelle aus. Flattr heißt die einfache Möglichkeit Inhalte mit kleinen Geldbeträgen wertzuschätzen.

Und so funktioniert’s: Du bezahlst monatliche eine bestimmte Summe – z.B. 2 Euro – und wenn Dir im Netz ein Beitrag gefällt und du siehst den Flattr-Knopf, dann klickst Du einfach auf den entsprechenden Knopf. Fertig! Ja, ehrlich: so einfach ist es. Jedes Mal, wenn Du einen Flattr Knopf drückst, bekommt der Urheber einen entsprechenden Anteil von Deinem monatlichen Beitrag.

Ein kleines Video erklärt den Rest.

Ich finde die Idee prima, denn die “Kosten” sind niedrig und überschaubar. Natürlich kann das Prinzip nur funktionieren, wenn viele Leute mitmachen. Das ist im Moment noch ein kleines Problem, denn das System ist noch im beta Status und Registrierungen derzeit nur über Einladungen möglich, die es aber nur eingeschränkt gibt. Ich habe gestern Nacht Glück gehabt und eine erwischt, deswegen gibt es bei mir nun einen Flattr-Knopf am Ende eines jeden Artikels.

Ich mag die Idee, weil damit eine alte Idee des Netzes wiederbelebt wird: wer gibt, dem wird gegeben. Denn nur wer selbst bereit ist eine monatliche Prämie zu zahlen, der kann auch selbst von dem System profitieren. Deswegen hier noch ein Hinweis zum Bezahlen: die Abwicklung erfolgt über Paypal, aber Du brauchst kein Paypal Konto. Aber natürlich nimmt Paypal entsprechende Gebühren. Deswegen ist es besser einen größeren Betrag zu überweisen – Flattr entnimmt dann von dem Guthaben das gewünschte monatliche Entgelt. Beispielsweise möchtest Du monatlich 2 Euro bezahlen, dann kannst Du auch einmal 24 Euro bezahlen und dann fast ein Jahr sorgenfrei “flattrn”. Diese Vorgehensweise empfiehlt auch Flattr.

Ich finde die Idee gut, denn ich habe keine Lust in einem Blog bei dem es hauptsächlich um Bilder und deren Wirkung geht, blinkende und um Aufmerksamkeit schreiende Werbung einblenden zu lassen. Trotzdem freue ich mich natürlich, wenn auf diese Art meine Artikel und Bilder noch ein paar Cent generieren. Und seien wir mal ehrlich: bei Google-Ads geht es auch nur um Centbeträge, aber das System dahinter ist bei Flattr einfach durchschaubarer. Außerdem finde ich gut, dass das Bezahlen absolut anonym erfolgt. Keiner weiß, was Du für bezahlenswert findest und was nicht. Es gibt also keine “Datenkrake” a la Google.

 

Und so sieht ein Bezahlknopf von Flattr aus: in diesem Fall hätten schon 6 andere Flattr-Nutzer diesen Beitrag gut gefunden und für ihn bezahlt. Um Dich bei Flattr einzuloggen, brauchst Du nur auf den “Flattr” Schriftzug zu klicken. Übrigens kannst Du jeden Beitrag nur einmal bezahlen.

Ich hatte auch schon das Glück mit dem Support Kontakt zu haben und kann sagen, dass dieser schnell und hilfreich war. Und ein Plugin für WordPress gibt es auch schon. Ich habe von Flattr durch die Präsentation auf der re:publica 2010 erfahren.

Ich bin gespannt, wie sich diese Umsetzung der Idee “Kulturflatrate” im Internet weiterverbreiten wird.

9 Bemerkungen
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  6. Flattr muss schnell die beta-Phase verlassen, damit viele teilnehmen können. Jetzt! Sonst könnte die Geschichte schnell wieder verpufft sein.

    Aber eine gute Idee, ich hoffe, sie wird angenommen 🙂

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