93. Minute: Frust und Jubel

Nur nicht aufgeben

Nur nicht aufgeben war am 11. Spieltag der 2. Liga in der Saison 2023/24 das Gebot der Stunde. Der FC St. Pauli dreht nämlich erst in der Nachspielzeit das Spiel gegen den Karlsruher SC zu einem erneutem Erfolg. Vorher biss sich das braun weiße Team am guten und engen Stellungsspiel der Badener die Zähne aus und lag durch eine der wenigen guten Aktionen der Gegner 0:1 zurück. Das in letzter Zeit gewohnt gute und schnelle Spiel des FC St. Paulis wirkte erst ab der 80. Minute, reichte aber für einen dreifachen Punktgewinn.

Irgendwann muss die Serie doch mal reißen. Bis zur 80. Spielminute sah es so aus, als ob es am 11. Spieltag soweit wäre. Vorher hatte ausgerechnet Matanovic nach 13 Jahren beim FC St. Pauli gegen seinen alten Verein getroffen. Dann allerdings setzte sich Eggestein in einer der wenigen Situationen der braun-weißen im gegnerischen Strafraum gleich gegen 4 Gegenspieler durch und netzte kunstvoll zum Ausgleich ein. Danach dachte sich das Team wohl: „jetzt nur nicht aufgeben“ und wurde durch den ersten Torschuss von Philipp Treu im Dress von St. Pauli in der 93. Minute belohnt.

Beim späten Ausgleich jubelte das ganze Stadion, solange es für den FC St. Pauli die Daumen drückte. Das hat mich vor allem deswegen überrascht, weil vorher doch etliche Pfiffe zu hören waren. Klar ist ein Spiel gegen einen tiefstehenden Gegner nicht so attraktiv wie ein 5:1 Kantersieg. Allerdings kann doch niemand erwarten, dass alle Spiele rauschend gewonnen werden, nur weil es der FC St. Pauli ist. Es gibt aus meiner Sicht überhaupt keinen Grund sein eigenes Team während des Spiels auszupfeifen. Was soll das denn bringen? Zusätzliche Motivation bestimmt nicht. Oder findest du es geil, wenn dir mal etwas nicht so gut gelingt, dass deine umstehenden Menschen dich auspfeifen? Man stelle sich das mal im Arbeitsleben vor…

Also bitte: wenn du glaubst, sein eigenes Team auszupfeifen wäre eine adäquate Meinungsäußerung, nur weil du mit deinen 10€ Eintritt eine jederzeit spitzenmäßige Leistung abverlangen kannst, dann überdenke bitte noch mal dein Mindset.

Weitere Gedanken zu Spiel und Pfiffen kannst du übrigens eloquent im Millernton nachlesen.

Nun freuen wir uns lieber gemeinsam auf das nächste Spiel: DFB Pokal am Dienstag Abend gegen Schalke 04, die mit neuem Trainer sicherlich ein anderer Gegner sind als beim letzten Duell am Millerntor. Da ist das Motto dann auf jeden Fall wieder „nur nicht aufgeben“, denn am Ende zählt nur der Erfolg zum Weiterkommen in die dritte Runde – und das wäre doch mal eine schöne Vorweihnachtsüberraschung.

  1. Gab doch auch genug Anlass (wenn auch nicht Grund) die gegnerischen Spieler auszupfeifen. Bei uns oben in der Ecke fand zum Glück beides nicht statt. Das Bild wie Irvine zu spät kommt ist GOLD! Danke!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert