Learning analog: Tri-X vs T-Max

Es gibt überhaupt keinen Grund, über analoge Fotografie zu bloggen. Du kannst in deine örtliche Stadtbibliothek gehen und ein 50 Jahre altes Buch ausleihen: es hat sich seit dem so gut wie nichts verändert. Ich selbst habe rund 20 Jahre ausschließlich analog gearbeitet und mehrere hundert Filme belichtet und entwickelt. Was soll da noch neues passieren? Und trotzdem entdecke ich gerade mit großer Freude die analoge Fotografie wieder komplett neu.

Außerdem macht es viel mehr Spaß, Dinge selbst auszuprobieren, als sich nur auf Gelesenes und Gehörtes zu verlassen. Egal, wie vertrauenswürdig die Quellen sind. Also habe ich mir den Klassiker der Reportagefilme genommen und meinen aktuellen Lieblingsfilm, beide in meine zwei alten Leicas gespannt und versucht, die Filme miteinander zu vergleichen. Obwohl eh schon alles in Büchern steht.

Im Test zwei beliebte Kodakfilme: Tri-X vs T-Max

Der Tri-X 400 ist seit über 60 Jahren auf dem Markt. Die berühmtesten Nachrichtenfotos wurden mit ihm gemacht. Ein klassischer schwarz-weiß Film auf Silberhalogenidkristallbasis mit entsprechendem Korn und großem Belichtungsspielraum. In der anderen Kamera der T-Max 400, ein neuerer Flachkristallfilm mit großartiger Schärfe und absurd vielen Grautönen. Fotografiert habe ich immer mit den gleichen Optiken bei gleichen Blenden und Belichtungszeiten. Entwickelt wurden beide Filme in HCD-50 von Spürsinn, der die Grautöne wunderbar zum Leben erweckt und die Lichter dabei nicht ganz vergisst. Da beide Filme unterschiedliche Entwicklungszeiten benötigen, konnte ich sie nicht zusammen entwickeln. Der dadurch vorstellbare Fehler in der Empfindlichkeit der Filme habe ich versucht durch peinliche Einhaltung von Entwicklungszeit und -temperatur zu minimieren. Ich glaube, das ist mir ganz gut geglückt.

Die Ergebnisse entsprechen dem, was aus der Literatur zu erwarten war: Tri-X hat etwas mehr Kontrast und Korn, T-Max mehr Schärfe, mehr Grautöne und für ISO400 ein sehr feines Korn. Und wie sieht das in Bildern aus?
Zunächst mal der Vergleich mittels Graukarte und Farbtafel: den Unterschied siehst du eigentlich nur, wenn du weiß, wo du hinschauen musst 🙂

So gering der Unterschied hier wirkt, so deutlich ist er unter realen Bedingungen sichtbar.

Gerade im Schattenbereich hat der T-Max hier ein enormes Potenzial. Allerdings sorgt die steilere Gradationskurve vom Tri-X für ein ehrlicheres Bild, denn die Lichter und Schattenverläufe kommen hier natürlicher rüber.

Nächster Test: die Schärfe – oder besser: die Auflösung.

Denn scharf sind natürlich beide Filme, wenn der Fotograf es nicht vergeigt 😉

Ich habe neulich schon mal versucht analoges mit digitalem Material zu vergleichen. Dies habe ich nun wiederholt und meine Liebste mit dunklem Shirt vor dunklem Hintergrund gestellt und das Ganze mit einem Striplight beleuchtet.

Soweit so gut. Keine Überraschungen. Beide Filme funktionieren auf hohem Niveau. Der Rest ist sicherlich Geschmackssache. Bei natürlich vorkommenden harten Kontrasten aka Sonnenlicht hat der T-Max sicherlich die Nase leicht vorne. Ebenso, wenn es um die Auflösung geht.

Einen kleinen Test habe ich aber noch in petto.

Ich weiß gar nicht, wie ich den so richtig mit einem Schlagwort beschreiben soll. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wusste ich, dass die Filme mindestens einen ebenso großen Dynamikumfang darstellen können wie digitale Kameras. Aber wie funktioniert das im echten Leben? Wie viele Informationen sind in einem nicht optimal fotografierten Negativ enthalten? Glücklicherweise suchte sich eine meiner beiden Katzen einen schönen sonnigen Platz, der kaum größer als sie selbst war. Gelernt habe ich, dass ich auf die Schatten belichten sollte. Jeder, der regelmäßig mit digitalen Kameras arbeitet, wird nun zusammenzucken: Katze mit viel weissem Fell in der Sonne und ich belichte mit einem Handbelichtungsmesser den Schatten. Da kann ja nichts bei rauskommen…

Ich habe es trotzdem gemacht. Mit beiden Filmen und die Ergebnisse waren sehr ähnlich. Ich zeige dir mal den Tri-X ohne Belichtungskorrektur.

Der spannende Teil kommt jetzt: davon abgesehen, dass ich durch eine andere Entwicklung hier noch etwas hätte retten können, habe ich nun in der Nachbearbeitung die Belichtung korrigiert. Volle 4 Blendenstufen musste ich die Regler nach unten ziehen. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Wahnsinn, wie viele Informationen im Silber noch vorhanden sind. Wobei es sicherlich ganz hilfreich ist, dass ich mit dem Coolscan 5000 einen veralteten, aber immer noch sehr guten Scanner habe. Um diesen Test komplett zu machen, hier noch das Ergebnis mit gleichem „Versuchsaufbau“, aber dem T-Max 400.

Es war bei dieser Testreihe nicht ganz einfach, Motive zu finden, die es ermöglichten gleiches mit zwei Kameras zu fotografieren. Die Ergebnisse haben sich aber für mich gelohnt. Ich weiß nun, wie ich weiter experimentiere, um schwarz-weiß Fotos nach meinem Geschmack zu erhalten. Meine klare Empfehlung lautet: probiere es einfach selbst mal aus. Ich habe jedenfalls viel gelernt…

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28 comments

  1. Das hast Du spannend beschrieben. Es sind in der Tat zwei völlig unterschiedliche Filme. Ich hätte gerne noch den Tri-X in D76 gesehen, aber das taugt weniger für den TMax, insofern logisch, Deine Vorgehensweise. Wobei der eigentliche Effekt erst wirklich spürbar ist, wenn Du die Bilder wirklich in der DuKa printest. Und dann ein Tri-X beim Konzert auf 1600 ASA. Das ist Weltklasse 😉

    1. Danke!
      Mit den HCD Entwicklern von Spürsinn sind auch für den T-Max enorme Push-Entwicklungen möglich. Aber das ist ein völlig anderer Test 😉

  2. Der Unterschied zum digitalen könnte allerdings auch mit der Schwarzweißentwicklung zusammenhängen. Das sieht mir etwas aus wie Grün vs Rotkanal. Kann man das an der Leica umstellen?

    1. Du denkst zu wissenschaftlich, mein Lieber 🙂
      Ich habe es mir natürlich einfach gemacht und eins der verfügbaren Presets genutzt (wie im verlinkten Beispiel beschrieben) und dann versucht den Look entsprechend anzupassen. Was du hier nicht siehst, sind die anderen Versuche, die gänzlich gescheitert sind. Was eigentlich schade ist, denn das waren schicke Aktaufnahmen meiner Frau…

      1. Naja wissenschaftlich ist das jetzt nicht wirklich, wir wollen ja keine Äpfel mit Birnen vergleichen 😉

  3. Schöner Bericht! Alte Dunkelkammerzeiten werden wach. Doch in meiner Zeit waren es nicht die Kodak Filme sondern die Produkte von Ilford (FP4 und HP5) die einen begleiteten. Denn diese waren ein paar Pfennige (kleinste Währungseinheit in Deutschland vor dem Euro) günstiger. Ebenso der passende Entwickler. Was schon etwas ausmachte wenn man zw. 200 und 350 Schwarzweißfilme pro Monat verbrauchte.

  4. Toller Beitrag. Danke und Respekt! ich packe demnächst meine Analoge wieder aus. Ist ja genaus krass, wie bei drn Schallplatten. Hätte nicht gedacht, dass die Unterschiede so eklatant sind!
    wo lässt du die Filme entwickeln?? Grüsse Ingo

  5. Moin Stefan, sehr cooler Post über die analoge Sache. Ab und an gebe ich mir das auch. Aber meist mit der Mamiya RB67 und Caffenol. Hast du mit dem Kaffezeug auch schon mal gearbeitet und was hälste davon? Ahoi…Carsten

    1. Oh, ne RB hatte ich früher auch mal 😉
      Mit Caffenol habe ich noch nicht gearbeitet.

  6. Endlich mal ein guter Vergleich der beiden Filme. Habe ich schon lange gesucht. Ich habe erst vor kurzem angefangen ersthaft auf Film zu fotografieren. Aber Tri-X ist und bleibt mein Favorit! Aber wenn ich ehrlich muss ich gestehen das mir der T-Max beim Portrait besser gefällt.

    1. Meiner Frau auch 😉
      Tja, eigentlich wollte ich ja zwei analoge Kameras für zwei Objektive, aber jetzt brauche ich die wohl für unterschiedliche Filme. Es wird nicht einfacher… 😉

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