Schöner Blitzen bei schlechtem Licht

Die letzten Jahre habe ich vereinzelt Workshops zum Blitzen gegeben. Ich habe die Workshops immer gerne gegeben, aber dieses Jahr habe ich leider glücklicherweise keine Zeit 😉

Daher schreibe ich heute einen Blogpost mit einigen Informationen und Tipps zu einem der schwierigsten Blitzthemen: Blitzen auf die Schnelle – zum Beispiel bei Events – und bei schrecklichem Licht – zum Beispiel bei Events. Das Wort Event fällt hier deswegen gleich mehrfach, da ich dort immer wieder erlebe, dass alles cool und stylisch ausgeleuchtet wird. So sieht es zumindest das menschliche Auge. Eine Kamera ist allerdings hilflos überfordert, wenn sie versucht in dunklen Gewölben mit womöglich magentafarbenen LED Spots, Hauttöne auch nur halbwegs adäquat einzufangen. Aber wie heißt es so schön: „Fotografieren heißt Probleme lösen – meistens solche, die wir uns selbst stellen.“

Schau Dir einfach mal das hier gezeigte Bild an: es ist mit einem einfachen Aufsteckblitz bei einer Party gemacht. Es ist nur ein Schnappschuss, aber er ist war nach dieser Party lange Zeit Titelbild beim Facebookprofil des Abgebildeten.

Der Raum war so dunkel, dass ich – um die Bewegung festhalten zu können – eigentlich bei 1/125s mit ISO16000 bei Blende 2.8 fotografieren müsste. Habe ich aber nicht. Ich erkläre Dir in diesem Blogpost genau, was ich warum gemacht habe…

Eventfotografie heißt dann auch oft, schnell unterschiedliche Begebenheiten festzuhalten. Da gibt es dann oft nur die Möglichkeit mit einem Aufsteckblitz die TTL-Intelligenz von Kamera und Blitz zu nutzen. Die Alternative ist der Assistent, der einen entfesselt gezündeten Blitz in die Richtung hält, in die er glaubt, dass der Fotograf fotografiert. Das ist nicht immer machbar.

Mit Aufsteckblitz aufgenommene Bilder sehen allerdings oft so aus, dass Neulinge nach erstmaligem Versuch das Wunderwerk der Technik verstohlen in die Tasche stecken und sich fortan auf „Available Light“ spezialisieren. Darauf angesprochen heißt es dann oft, dass Blitzen die Atmosphäre zerstört. Hier setzen jetzt meine Tipps ein.

Beginnen wir ganz vorne: Aufklappblitzbilder sehen deswegen furchtbar aus, weil die Lichtquelle des Blitzkopfes klein und dicht an der Kameraoptik ist. Je kleiner die Leuchtquelle, umso härter die Schatten. Je dichter am Objektiv, umso häßlicher der Schatten. Bilder mit einem Aufklappblitz können nichts werden. Das Verbauen von Aufklappblitzen ist ein reiner Marketinggag der Kamerahersteller. Oder warum werden ausgerechnet die sehr teueren Kamerabodys für Profis ohne Aufklappblitz ausgeliefert? (Ja, weil der Body dann leichter wetterfest verarbeitet werden kann, denn ein Aufklappblitz ist auch immer eine Eintrittsstelle für Feuchtigkeit. Aber das nur am Rande.) Die Wahrscheinlichkeit durch den Einsatz eines Aufklappblitzes ein Bilder besser zu machen, liegt bei unter einem Prozent.

Wenn Du überhaupt mit einem Blitz ein gutes Bild machen willst, dann musst Du wenigstens in einen Systemblitz investieren. Auch dieser hat den Nachteil einer kleinen Leuchtfläche, aber wenigstens ist er weiter von der Objektivachse weg. Schon sollten die gefürchteten „roten Augen“ durch das Blitzlicht der Vergangenheit angehören. Die kleine Blitzfläche macht jetzt aber immer noch harte Schatten. Daher empfehle ich gerne die Flashbender von Rogue, die ich hier auch schon vorgestellt habe. Der einzige Sinn des Flashbenders ist die Vergrößerung der Leuchtfläche des Blitzes. Das macht er sehr gut und ist dabei zuverlässig im Einsatz. Ich nutze seit vielen Jahren einen(!). Eine Investition, die sich echt lohnt. Die Alternative heißt Reflexionsfläche zu suchen – gerne eine Wand hinter Dir. Da muss ich nur dran denken, den Blitzkopf nach hinten zu stellen. Und dich nicht erschrecken, wenn es an deinem Kopf hell wird 😉

OK, wir haben nun die beiden Nachteile des Blitzes – kleine Lichtfläche und geringer Abstand zur Objektivachse – halbwegs in den Griff bekommen. Jetzt kommt die Feinjustierung.

Die Lampen in Räumen haben eine andere Farbtemperatur als das auf Tageslicht eingestellte Blitzlicht. Das menschliche Auge kann die verschiedenen Kelvinzahlen in Einklang bringen, aber deine Kamera macht da gravierende Unterschiede. Ich kann es nicht oft genug sagen: beim Einsatz von Blitzlicht in Verbindung mit anderen Lichtquellen benötigst du Korrekturfilter. Da empfehle ich die recht teuren, aber sehr widerstandfähigen Color Correction Filter von David Honl. Wenn Du keine Farbfolien beim Blitzen verwendest, wirst Du immer zwei Temperaturen im Bild haben – Dein Weißabgleich kann aber nur auf eine Temperatur eingestellt werden. Mein Tipp: nimm anfangs eine halbe CTO Folio. CTO steht für Color Temperatur Orange – das Tageslicht deines Systemblitzes wird auf die wärmere Farbtemperatur in Glühlampennähe gebracht.

Die wichtigste Lektion für bessere Bilder mit Blitzlichteinsatz kommt jetzt. Sie beinhaltet drei weitere Tipps. Der erste Tipp lautet: achte auf das Umgebungslicht. Die schnellste Möglichkeit herauszufinden, wie Du den Rest des Abends über die Runden kommst ist, eine Auslösung ohne Blitz und im Automatikmodus zu machen. Wenn das Bild gut aussieht, überträgst du die Daten in den manuellen Modus. Hierbei ist es oft erfolgversprechend, leicht unterzubelichten.

Tipp zwei bezieht sich auf die verwendete Belichtungszeit. Damit rettest Du Dich vor hohen ISO Zahlen. Ich habe weiter oben geschrieben, dass ich das hier gezeigte Bild eigentlich – auf Grund der Bewegung – mit 1/125s und somit bei ISO16000 hätte fotografieren müssen. Tatsächlich entstand das Bild bei ISO1600 und einer Belichtungszeit von 1/13s! Ich mache mir hier den Trick zu nutze, dass die Abbrenndauer des Blitzes die Bewegung einfriert. Wunderbarer Weise funktioniert das umso besser, je dunkler der Raum ist. Leichte Verwacklungsunschärfen betreffen nur den meistens nicht so wichtigen Hintergrund und sind verschmerzbar. Schau mal unten auf das Bild einer tanzenden Meute. Interessiert dabei die Unschärfe? Fotografiert habe ich das Bild bei ISO200 – und es war richtig, richtig dunkel.

Dieses Bild einer tanzenden Meute entstand bei einer Sekunde Belichtungszeit.
Dieses Bild einer tanzenden Meute entstand bei einer Sekunde Belichtungszeit.

Für Tipp drei habe ich lange mit verschiedenen Einstellungen rumexperimentiert und folgendes für mich bei Verwendung von Nikon Systemblitzen a la SB-900 oder SB-910 herausgefunden. Ich schreibe das, weil es bei Systemblitzen anderer Hersteller vermutlich Abweichungen gibt. Der Tipp gibt Dir mit auf dem Weg, die Blitzkorrektur zwischen -1 2/3 und -2 1/3 einzustellen. Damit verhinderst Du, dass der Blitz glaubt, er müsse die ganze Arbeit zum Erleuchten des Raumes selbst machen. Außerdem hat es den Vorteil, dass die Leute, die Du fotografierst, von Deinem Blitzlicht nicht blind werden 😉

Probier’s einfach mal aus. Auch mit Blitz kannst du gute Bilder machen, ohne die Atmosphäre zu stören.

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55 comments

  1. Wo soll das enden?? 😉 Deine Seite wird immer besser!!

    Und wenn du berichtest, ist es im Gegensatz zu anderen eben nicht: „Mein Haus, mein, Auto, mein Boot, meine Kamera, mein Können, meine Reisen, mein, mein, mein…!“

    DANKE für den kostenlosen (!) Blitztipp in dieser Form…

    Ralf

  2. Vielen Dank für die super Tips auf deiner Seite! Kann ich gut für die Hochzeitsfotografie gebrauchen. Muss mir jetzt nur mal die Fitler zulegen…

  3. Hallo Stefan!

    Danke für den Blitztipp!!!
    Verwendest du auf Feiern und Events „IMMER“ eine zb: CTO Folie?
    … und bei einer Verschlusszeit von 1/13s (indirekt geblitzt) funktioniert das Einfrieren bei mir nur sporadisch.

  4. „Mit Aufsteckblitz aufgenommene Bilder sehen allerdings oft so aus, dass Neulinge nach erstmaligem Versuch das Wunderwerk der Technik verstohlen in die Tasche stecken und sich fortan auf “Available Light” spezialisieren. “
    -> da erkenne ich mich wieder 😀
    Vielen Dank für die Tipps, werde das demnächst mal ausprobieren.

  5. Hi Stefan! Danke für die Zusammenfassung! 🙂 …aber dein Workshop war trotzdem klasse und nur zu empfehlen… …falls Du mal wieder leider glücklicherweise Zeit hast! 😉

  6. Hallo Herr Groenveld

    Weil sie den den kleinen, eingebauten Aufklappblitz von Spiegelreflexkameras so nieder machen:
    Ich habe den erst am Donnerstag verwendet um ein Foto von einer Freundin zu machen, die vor einem Fenster steht. Ohne den Blitz war die Person zu dunkel abgebildet, aber der Hintergrund war richtig Belichtet, aber mit dem Aufklappblitz(!!!) war sowohl das Model als auch der Hintergrund richtig Belichtet.
    Also ist er bei Gegenlichtsituationen als Aufhellblitz schon (bedingt) Nutzbar, je nachdem wie hell das Gegenlicht ist.

    Und zur Blitzkorrektur:
    Ich fotografiere schon über ein Halbes Jahr in der selben Disco und habe bemerkt, dass ich die Blitzkorrektur öffters an einem Abend nachkorregieren muss, da je nach Besucherzahl der abstand zum Motiv nicht immer der gleiche bleibt und somit der Blitz zu hell oder zu dunkel eingestellt ist.
    Bei meinem Sigma EF-530 DG ST ist das immer in einem Bereich von -2/3 bis -1 2/3.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hans Haberkorn

  7. Das stimmt! Manchmal lässt sich was drehn – aber grade bei den Großen gibt’s leider keine Ausnahme von „Three songs, no flash.“ 🙂

  8. Hallo,

    erst einmal danke für diese guten Tipps.

    Hier ein paar meiner Erfahrungen, die ich durch die Fotografie in der Clubszene gememacht habe: In dunklen Räumen ist es zu empfehlen, eine Belichtungszeit von mind. 1/8 zu haben, um Strahler den Hintergrund gut erleuchten zu lassen. Ich selbst verwende meistens 1/6 schwanke jedoch je nach Situation zwischen 1/8 bis 0,3s (!)

    Statt einem Reflektor verwende ich einen großen Diffusor ähnlich diesem

    da man hier die obere Rundung mit farbigen tauschen kann, kann man auch so Anpassungen an die gegebenen Lichtverhältnisse machen.

    Viele Grüße

    1. Hallo Johannes,

      von diesem Gary Fong Aufsatz bzw. hier Nachbau halte ich überhaupt nichts, da er nicht effektiv arbeitet. Das Blitzlicht wird in den ganzen Raum gestreut. Und außerdem nervst du irgendwann mit deiner Rundumleuchte die anderen Gäste. Ich arbeite lieber diskret.

      Aber das Schöne an der Fotografie ist ja: es gibt viele Lösungen… 🙂

  9. Hallo Stefan!

    Ganz vielen Dank für die vielen Tipps – das werde ich alles mal ausprobieren; habe nämlich immer Probleme, meinen Systemblitz richtig zu nutzen (bin auch Nikonierin …).

    Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse … 🙂

    Fröhliche Grüße
    Renate S.

  10. Viiielen Dank für die Tipps! Hatte es fast schon wieder aufgegeben mit dem Blitzen… Doch dann kam Dein Tutorial und machte mir wieder mut. Jetzt sehen wenigstens nicht mehr alle Bilder mit dem Blitz schlimm aus 🙂

    Schonmal drüber nachgedacht noch ausführlicher zu schreiben und das für ein paar Euro als Ebook anzubieten. Ich Wette es würde guten Absatz finden 😉

    LG aus Hamburg

    1. Hallo Ute,

      freut mich, wenn ich Dir weiterhelfen konnte.
      Falls Du etwas Geld loswerden möchtest, empfehle ich Dir bei Flattr mitzumachen 🙂

      Grüße
      Stefan

  11. WB Weisabgleich…?
    Wie stellst Du den Weissabgleich ein, wenn die Folie auf dem Blitz sitzt?
    Und ist der Blitz immer on Kamera oder auch wireless runter von der Kamera?

    1. Da du die Farbtemperatur des Blitzes der Umgebungstemperatur angleichst, kannst du den Weißabgleich auf automatisch stehen lassen.
      Meine Beschreibung bezieht sich auf einen Blitz auf der Kamera, aber natürlich ergibt ein entfesselter Blitz immer bessere Ergebnisse.

  12. „dass Neulinge nach erstmaligem Versuch das Wunderwerk der Technik verstohlen in die Tasche stecken und sich fortan auf “Available Light” spezialisieren. Darauf angesprochen heißt es dann oft, dass Blitzen die Atmosphäre zerstört.“

    Du beschreibst mein Leben 🙂
    Würde Dir gerne ein Bild zukommen lassen, das ich mit dem Umsetzen deiner Tipps schießen konnte… ist das Ok?

    Gruß
    Andreas

  13. Hallo Stefan,

    Super Tipps zum Thema Blitzen. Werde demnächst auch wieder auf einer Hochzeit Fotos machen und überlege mir den Flash Bender zu kaufen. Die Frage ist nur welchen? Welche Grösse des Flash Benders verwendest Du?

    Grüsse aus Bayern
    Markus

  14. Danke für die Tipps, habe mir soeben den Flash Benders bestellt und erprobe ihn bei Theaterproben in der kommenden Woche… bin gespannt.

  15. Tausend Dank, das war wirklich sehr lehrreich. :)) Habe mich sehr gefreut, über die Googlesuche hier gelandet zu sein auf der Suche nach Tipps. DANKE.

  16. Hallo Stefan,
    ich fotografiere öfter bei Veranstaltungen, Deine Tips hören sich gut an, aber fotografierst Du dann mit Stativ? So lange kann man doch keine Kamera in der Hand halten. Mich stressen immer diese Situationen, daher bin ich dankbar für Lösungen. Wenn meine Kamera z.b. sagt 1/8 bei Blende 4 dann kann ich ich das doch nicht aus der Hand fotografieren. Wie
    ist dann mit Deinen Tip Nr. 1 umzugehen? Danke für eine Antwort.
    Gruß
    Iris

    1. Moin,

      Stativ brauche ich nicht, weil der Blitz die Bewegung einfriert. Egal, wie lange die Belichtungszeit ist, der Blitz leuchtet so kurz, dass das Bild trotzdem scharf wird. Probiere es mal aus…

  17. Hallo! Auch ich kann die Meinung zum eingebauten Blitz nicht teilen. Allein für das (dezente) Aufhellen von Schatten reicht die geringe Leistung und die kleine Fläche durchaus aus. Ich nutze den Blitz auch gerne als Master für Lichtzellen (man erhält bzw. erhellt dadurch ja auch ein Catchlight in den Augen). Grüße, Olaf

    1. Schatten aufhellen ist kein „ich beleuchte die Szene mit Licht“ Blitzen. Und um darum ging es in meinem Artikel.
      Ansonsten hast du recht 🙂

  18. Hallo Herr Groenveld

    Besten Dank für Ihre interessane Anleitung. Als Blitz-Anfänger würde es mich interessieren, wie Sie den Blitz montiert haben (45Grad nach oben, ganz nach oben bzw. frontal) und wie Sie den Flashbender formen wenn keine Reflexionsfläche vorhanden ist / sie die anderen Partygäste nicht stören wollen. Mit dieser Zusatzinfo wäre es für mich persönlich eine perfekte Anleitung 🙂

    Beste Grüsse
    Robi

    1. Moin, moin,

      danke für die detaillierten Fragen.
      Der Blitz ist nach oben gerichtet, denn der Flashbender bringt dann genügend Licht nach vorne. Ich forme den Flashbender in dieser Situation gar nicht.
      Die Form ändere ich nur, wenn die Decke extrem gefärbt oder weit weg ist: dann klappe ich den oberen Teil des Flashbenders leicht nach vorne, damit mehr Licht zum Objekt geschickt wird.

      Hoffe, ich konnte weiterhelfen.

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