Lytro – mach Dir Deine Schärfe selbst
Stefan Groenveld

Als ich vor rund einem Dreivierteljahr von einer neuen Kamera namens Lytro hörte, war ich sofort neugierig. Lytro versprach mit einer sogenannten Lichtfeldkamera, die Festlegung der Schärfenebene erst hinterher auf dem Bild bestimmen zu können. Bedeutet das, nie mehr unscharfe Bilder?

Die Funktionsweise ist prinzipiell einfach: neben den üblichen Informationen, die ein Sensor zur Darstellung eines Bildes aufnimmt, speichert eine Lytro auch, aus welcher Richtung das Licht kommt. Auf jeriko.de ist die Funktionsweise einer Lichtfeldkamera näher erläutert.

Lytro ist eigentlich die praktische Umsetzung einer Doktorarbeit – ein Forschungsprojekt. Ich wollte trotzdem wissen, wie diese Kamera funktioniert und sie in den Händen halten – obwohl mir klar war, dass die Qualität nicht berauschend sein kann. Und das nicht nur wegen der nächsten Gadget Night. 😉

Leider werden die Lichtfeldkameras derzeit nur innerhalb der USA verschickt, aber eine liebe Freundin noch aus Flickr Zeiten mit Wohnsitz LA trat für mich in Vorleistung und kaufte ein. Nach den üblichen zwei Tagen Postweg und 12 Tagen Zolllagerung konnte ich vor kurzem endlich meine Lytro in die Hand nehmen.

Sie ist erstaunlich gut gearbeitet, relativ schwer und sieht überhaupt nicht nach Kamera aus. Es gibt einen Ein-/Ausschalter, einen Auslöser, einen Zoomregler – und natürlich einen USB Anschluss. Die Kamera hat die notwendige Software mit an Bord, beim ersten Anstöpseln der Kamera an den Rechner wird die Software zum Betrachten und Verwalten der Bilder gleich installiert. Die Software funktioniert übrigens aktuell nur mit einem OSX Rechner.

Natürlich habe ich gleich angefangen damit rumzuspielen. Hier ein typisches Anfängerbild mit der Lytro. Es passiert einfach zu wenig: nur zwei Klicks sind in dem Bild halbwegs interessant.

Die Bilder haben immer rund ein MB an Datengröße und müssen auf der Lytro-Seite gehostet werden. Das Einbinden auf Facebook-Seiten funktioniert einfach, aber ansonsten ist es nicht trivial, die Bilder mal eben jemand anderem zu zeigen. Auch sind die Bilder nicht besonders groß. Jedes 2 Jahre alte Smartphone macht qualitativ bessere Bilder – aber das ist ja auch eine seit über hundert Jahren etablierte Technik.

Neben dem nachträglichen Fokussieren durch einfaches Klicken ist auch ein nachträglicher Zoom durch Doppelklick möglich. Die Bildqualität ist, wie gesagt, nicht besonders toll – und bei Gegenlicht wird’s ganz schwierig.

Es ist wahnsinnig schwierig mit der Lytro überzeugende Ergebnisse zu erzielen. Ein völlig neues Sehen muss erlernt werden, denn der Betrachter des Bildes soll ja auch was zum Rumklicken im Bild haben. Die technischen Einschränkungen z.B. durch den kleinen Bildschirm erleichtern das Arbeiten mit dieser Kamera auch nicht gerade. Die Belichtung wird ähnlich wie bei Smartphone-Kameras durch Antippen der entsprechenden Gegend auf dem Display festgelegt. Eine Einflussmöglichkeit gibt es nicht. Auch hinterher ist eine Bildbearbeitung nicht möglich.

Eine Möglichkeit mit der Lytro: es passiert durch’s Refokussieren etwas – mehr oder weniger – spannendes.

Im sogenannten Creative Modus wird die Naheinstellgrenze stark verbessert und auch Makros möglich. Meiner Meinung nach die interessanteste Möglichkeit mit den unterschiedlichen Schärfenebenen zu arbeiten.

Fazit: eine spannende Technik, die sicherlich in 10 oder 20 Jahren völlig normal in Kameras sein wird. Aktuell kämpft sie mit vielen Einschränkungen. Im Lytro-Blog werden immer wieder Tipps zum Umgang mit dieser Technik gegeben. Ich bin gespannt, wie sich die Technik weiterentwickelt.

20 Bemerkungen
  1. Die Technik ist hochinteressant, allerdings sehe ich den Anwendungsbereich eher im Internet bzw. auf mobilen Endgeräten, anstatt auf entwickelten Fotos an der Wand. Du schreibst es selbst:
    “Ein völlig neues Sehen muss erlernt werden, denn der Betrachter des Bildes soll ja auch was zum Rumklicken im Bild haben.”

    Kurzum: schickes Spielzeug, schicke Technik, jedoch sehe ich das Ganze mehr im digitalen Bilderrahmen.

          1. Ach es gibt so einige wirklich gute Druck Anbieter die für kleines Geld es doch recht einfach und erschwinglich machen Fotos ausbelichten zu lassen. Und ja, Foto muss man auch ausdrucken. Wirkt einfach komplett anders, schöner und wertiger als auf so nem Glossy Screen, aber leider wertschätzen viele selbst die eigenen Fotos zu wenig und lassen sie auf der Platte “vergammeln” 😉

  2. Du könntest dir sonst mal Raytrix aus Kiel angucken. Das ist ein Bekannter von mir und die machen schon seit 2009 Lichtfeld-3D-Kameras auf Basis von 29 Megapixel-CCDs.

    1. Ich glaube man muss sich davon lösen Bilder als starre 2D-Objekte zu berachten. Dufch die Lichtfeldfotogafie werden sie interaktive 3D-GeBilde.

  3. Danke fürs Ausprobieren, als darüber berichtet wurde fand ich das irgendwie interissant, ich bin aber jemand der gerne Bilder druckt (ja auch in 10×15) und was in der Hand halten will. Das Makro find ich als Spielerei cool. Obs in 20-30 Jahren in unseren Kamera einzug hällt, abwarten.

    1. Also ich glaube auch nicht das sich diese Technik in 20-30 jahren so weit entwickelt. Ich denke es werden eher 3-5 jhare sein.

  4. Danke für den kleinen Test. Ich war auch ganz interessiert an dem Dinge, bin es jetzt aber irgendwie nicht mehr so richtig 🙂
    Aber ich hoffe die Entwicklung geht da weiter.

    1. Ich hab’ neulich in Osnabrück welche im Schaufenster gesehen. Der Foto-Händler hat auch einen Online-Shop, wo er Lytros anbietet…

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