Kurz vor meiner Rom-Reise kam mir plötzlich der Gedanke, dass ich schon immer mal mit einem Graufilter belebte Plätze fotografieren wollte. Glücklicherweise konnte ich mir noch schnell einen dieser sogenannten ND-Filter von meinem Freund Johannes Leistner ausleihen.

Die Graufilter heissen ND, weil ND für „Neutral Density“ steht: neutrale Dichte. Das bedeutet, dass der Filter nichts am eigentlichen Bild verändert – er verhält sich neutral. Aber er hat eine bestimmte Dichte und vermindert so das ins Objektiv fallende Licht. Es gibt diese Filter in unterschiedlichen Dichten. Sie verlängern bei gleichbleibender Blende und ISO Zahl die Belichtungszeit um einen bestimmten Faktor. Auch werden sie im Studio manchmal eingesetzt, um bei zu starken Blitzgeräten die Blende weiter öffnen zu können.

Ich hatte nun das Vergnügen einen Graufilter nutzen zu können, der um den Faktor 10 verlängert: also 10 Blendenstufen. Aus einer eigentlich benötigten Belichtungszeit von zum Beispiel 1/500s werden so notwendige 2 Sekunden Belichtungszeit – wohlgemerkt bei gleicher ISO Zahl und Blende.

Wenn die Belichtungszeit lang genug ist, können bewegte Dinge und Menschen auf einem Bild nahezu verschwinden. So konnte ich das Colosseum nach einem kurzer Regenschauer fast menschenleer fotografieren.

25 Sekunden Belichtungszeit

Noch spannender fand ich aber die Möglichkeit das hektische Treiben auf Italiens Strassen sichtbar zu machen – und das am helllichten Tag. Die Piazza Venezia habe ich mit 1,3 Sekunden Belichtungszeit fotografiert, weil ich so die Unschärfe der fahrenden Autos am besten fand. Außerdem finde ich, dass auf diesem Weg noch Dynamik in ein sonst eher statisches Gebäudebild kommt.

Eine gute Sekunde Belichtungszeit am helllichten Tag

Das Fotografieren mit einem solch dichten Filter ist übrigens nicht ganz leicht, denn wenn der Filter aufgesetzt ist, kannst Du durch den Sucher nichts mehr sehen. Es sei denn, es ist sehr hell. Bei dem Bild von der Piazza Venezia konnte ich die Konturen der Gebäude so gerade noch erahnen.

Meiner Meinung nach ist der ND-Filter ein sehr interessanter Effektfilter, der die fotografischen Möglichkeiten um eine Facette bereichert. Er ist aber nicht ganz einfach zu verwenden und erfordert viel Geduld.

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38 comments

  1. Pingback: Dominik
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  3. Pingback: 10mmgalore/Ben
  4. Ich habe mir diesen Filter letztes Jahr im September zugelegt, aber bisher noch nicht einmal benutzt. Leider. Das wird sich aber jetzt ändern.

  5. Zu dem Problem bei der Bildkomposition sei gesagt das man den Filter erst nach der Auswahl des Bildausschnitts und des Fokus vor das Objektiv schrauben kann, dann ists nicht so duster!

    1. Danke, dass Du das explizit schreibst. Ich wollte durch meinen Hinweis im Beitrag nur davor schützen, dass Nutzer eines ND Filters beim ersten Mal den Filter zu früh draufschrauben. 🙂

  6. Schön erklärt und deine Ergebnisse sprechen
    für sich ( bzw. den ND Filter) Wird auch gerne für fließendes Wasser und Wasserfälle benutzt…

    LG Mario

  7. interessant. ich hatte mir letztes jahr für mein 50er ein uv-filter gekauft und hatte immer wieder das gefühl das die bilder unschärfer wären. kann natürlich reine einbildung sein.

    für mein 70-200 hab ich mir dann trotzdem wieder nen „schutzfilter“ gekauft – und bin soweit zufrieden.

  8. Pingback: Schalk Marais
  9. Ich sehe Graufilter (aber dann nur mit 1 bzw 2 Blenden) auch sehr interessant in der Peoplefotografie. So kann ich bei Sonnenlicht mit Offenblende arbeiten und ggf auch blitzen und bin dabei unter meiner XSync von der Kamera…
    PS: Hatte letztens irgendwo gelesen, das jemand Schweisserglas (aus den Schutzmasken) genommen hat. Damit waren Belichtungen um 30Sek und mehr am Tag möglich 🙂

      1. Also die kleinen Nikons können das, aufgrund des elektr. Verschlusses.
        Die XSync liegt ja bei 95% aller DSLRs bei 1/200 bzw 1/250. Danach kommt noch der HSS Modus, aber der funktioniert nur mit Systemblitzen und dann auch nur mit extremen Leistungsverlust. Ansonsten gibts Streifen im Bild. Achja, meine Kamera ist eine 5D, XSync liegt bei 1/200 (ohne HSS)
        Womit fotografierst du denn…?

      2. Wie sind wir jetzt eigentlich von ND-Filter zur Blitzsynchronisation gekommen? Egal, interessante Diskussion und natürlich hast Du recht: irgendwie muss die Technik überlistet werden und das geht nur auf kosten der Blitzleistung, denn der Verschluss kann nicht so leicht verändert werden. Nicht ohne grund gibt es deswegen mittlerweile Blitzschuhe, die bis zu 4 Systemblitze halten können, um bei Sonnenlicht trotzdem noch entsprechende Aufnahmen machen zu können. Aber das ist eigentlich ein ganz anderes Thema… 🙂

  10. sehr schöne fotos! ich muß auch mal wieder mit diesem filter arbeiten – werde mir vielleicht auch noch einen zweiten, nicht so starken ND filter besorgen…

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  15. Ich höre jetzt eigentlich zum ersten Mal von solchen Filtern und bin am überlegen mir auch welche zu besorgen…
    Übrigens zeigst du zwei klasse Bilder in diesem Beitrag.

  16. Geniale Bilder und geniale Idee. Bin über Kwerfeldein auf Deinen Blog aufmerksam geworden und einfach nur begeistert.

    Weiter so, Du hast einen neuen Fan 😉

    Grüsse aus Zürich,

    Martin

  17. Danke für deinen Kommentar auf meinem Blog. Hab durch deine Bilder richtig Bock bekommen meinen Graufilter gleich mal zu testen.

    Micha

  18. Echt starke Ergebnisse, die Dynamik durch die vorbeifahrenden Autos kommt echt gut rüber, vor meinem nächsten Urlaub werd ich mir auch noch einen zulegen. So was krieg ich nämlich mit nem 64x nicht hin 😉

    lg

  19. Großartige Bilder. Und nun kauf ich mir auch endlich so einen Filter! Bin gespannt wie lange ich brauche, um ähnliche Ergebnisse zu erzielen.

  20. Jetzt mal die Anfängerfrage über der ich grübel:
    Ich würde mir gerne für meinen Islandurlaub einen Graufilter (für Meer und Wasserfälle) zulegen und nicht unbedingt arm dabei werden – was würdest du mir empfehlen?
    Fotografiere mit D90 und meist Sigma 17-70 2.8-4 C – darum brauch ich einen grossen 72mm Filter :-SSS
    übrigens eine schöne website 🙂

    1. Auf jeden Fall einen Slim 🙂
      Wobei für Island eher ein Grauverlaufsfilter sinnvoll ist, um den Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Gestein auszugleichen.

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