Fotografieren mit Graukarte
Stefan Groenveld

Natürlich können alle Digitalkameras einen automatischen Weißabgleich vollziehen. In der Regel kommt man so zu guten fotografischen Resultaten.

Es gibt aber Situationen, in der die Automatik zu falschen Ergebnissen kommt. Hier hilft dann eine Graukarte zur Korrektur. Die Graukarte ist ein scheinbar überteuertes Stück Pappe – das besondere ist, dass die Pappe exakt 17,68% Licht zurückwirft. Wegen der notwendigen Genauigkeit ist die Graukarte auch entsprechend teuer.

Originalbild mit automatischem Weißabgleich fotografiertWie machte sich nun das Arbeiten mit einer Graukarte bemerkbar. Dafür hier ein einfaches Testbild, dass ich am Anfang des Monats Mai um ungefähr 19 Uhr gemacht habe – also deutlich vor der für das Auge sichtbaren Dämmerung.

Wie man deutlich sieht ist das Bild zu blau geworden. Besonders deutlich bemerkt man das am Kopf der Blaumeise, denn das Gefieder an der Seite des Kopfes ist eigentlich weiß.

Unser menschliches Auge kompensiert die veränderte Lichtzusammensetzung und sieht die situation ohne den Farbstich. Die Kameraautomatik ist zu diesem Zeitpunkt aber überfordert. Die Farbverschiebung hinterher in der Bildbearbeitung wieder herauszubekommen ist sehr mühselig. Schneller und wesentlich einfacher geht es eben mit Graukarte.

Es gibt zwei Wege, um mit einer Graukarte zu arbeiten: entweder man hält sie ins Bild und korrigiert nachher in den üblichen RAW-Bearbeitungsprogrammen den Weißabgleich oder man kalibriert die Kamera mittels Graukarte – das geht aber nicht bei allen Kameras. (Bitte einen Blick ins Benutzerhandbuch werfen.)

Graukarte einfach ins Bild gehaltenIm ersten Fall hält man idealerweise die Graukarte direkt neben das Objekt – es muss nur ein kleiner Teil der Graukarte in dem Bild zu sehen sein. Bei einem Bild wie oben funktioniert das natürlich nicht. Dann kann man sich behelfen, in dem man einmal die Graukarte fotografiert und zwar ungefähr so, wie später auch das eigentliche Objekt der Begierde aufgenommen wird. In beiden Fällen passiert die Korrektur hinterher in der Bildbearbeitung, in dem man mit der üblichen Pipette die Farbtemperatur auf der Graukarte nimmt und diesen Wert auf die anderen Bilder überträgt. Je nach Programm gibt es dafür entsprechende Automatismen.

Schöner ist es natürlich, wenn die Kamera eine individuelle Kalibrierung zulässt. Dabei sollte man die Graukarte unscharf fotografieren. Wie der Rest der Kalibrierung funktioniert entnimm bitte der Bedienungsanleitung Deiner Kamera. Der Vorteil ist, dass man dann auch in JPG fotografieren kann, denn der Weißabgleich ist ja dann exakt den Lichtbedingungen angepasst.

In beiden Anwendungsfällen sollte darauf geachtet werden, dass sich in den Abendstunden die Lichtzusammensetzung schnell verändert und deswegen der Weißabgleich des öfteren passieren sollte.

Das Ergebnis des individuellen Weißabgleichs sieht dann jedenfalls so aus:

Mit Graukarte korrigiertes Bild

5 Bemerkungen
  1. Hallo Stefan,

    der manuelle Weissabgleich klappt mit der Graukarte unter normalen Lichtverhältnissen einwandfrei.
    Ich habe aber ein anderes Problem.
    In sehr schlecht beleuchteten Sporthallen (Kreisliga, Landesliga usw.) gibt es als zweierlei Kunstlichtlampen, die Hälfte bläulich, die andere Hälfte rötlich. Bisher habe ich durch rumprobieren noch keine, mir zusagende, optimale Kelvinzahl ermitteln können.
    Entweder werden die Fotos zu rot, oder zu blau.
    Auch mit der Graukarte bekomme ich kein überzeugendes Ergebnis. Für einen Tip zur Ermittlung eines sauberen Weissabgleichs unter Hallenkunstlicht mit zweierlei verschiedenen Lampenarten, wäre ich Dir kollegial sehr verbunden. Expodisc oder Vivicap habe ich zur Bestimmung des Weissabgleichs noch nicht ausprobiert.

    Freundliche Grüße
    Stefan

    1. @Stefan, Hallo Stefan 🙂

      gleiches Problem gibt es in der Color Line Arena. Und weder mit Graukarte noch mit sonstigen Mitteln kannst Du die richtige Farbtemperatur bestimmen. Warum? Weil sie sich ständig ändert.
      Die beiden Lampen senden phasenverschoben unterschiedliche Wellenlängen aus. Dadurch ändert sich die zusammengesetzte Farbtemperatur permanent. Das menschliche Auge nimmt die Unterschiede nicht wahr, aber die kurzen Belichtungszeiten der Kamera. Und die Automatik der Kamera kann so schnell nicht “gegenrechnen”.

      Fazit: nimm irgend eine und korrigiere gegebenenfalls in der EBV nach.

      Grüße
      Stefan

  2. OK, vielen Dank für die schnelle Rückinfo. 😉
    Dann werde ich einen, für mich annehmbaren Kelvinwert manuell fest in der Kamera einstellen und die Fotos gezwungenermaßen in der EBV korrigieren.
    Gibt es da übrigens eine technische Begründung für, warum man zweierlei Lampenbeleuchtungen in vielen Hallen verbaut? TV-Kameras müßten dann doch auch Probleme bekommen, oder?
    Viele Grüße
    Stefan

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