Transparente, Verletzte, verletzende Transparente

Es ist viel kaputt gegangen an diesem Spieltag. Zu viel, um es in Worte zu fassen. Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht mehr so über gegnerische Fans aufgeregt, als Chemnitz Anhänger Transparente aufhingen, die im Puls der St. Paulianer abgingen. Die Älteren werden sich erinnern.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Zu den Verletzten der letzten Partie kamen schnell neue hinzu. Vier Stammspieler und dabei das komplette Mittelfeld kann so schnell keine Mannschaft ersetzten. Erst recht nicht der FC St. Pauli. Glücklicherweise ging der erste Schuss auf’s Tor von Dynamo Dresden gleich rein. Dummerweise hielt das Abwehrbollwerk erneut nur bis kurz vor Schluss. Nicht schön, aber unter gegebenen Umständen ist ein Punkt besser als keiner.

Allerdings interessierte das Spiel kaum jemanden der Anwesenden. Die zweite Halbzeit war geprägt vom Blick Richtung Nord. Erst bangend, dann empört, dann empörter. Rettungsdecken als Sichtschutz habe ich noch nie in einem Stadion gesehen. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber nach letzten Meldungen ist es wohl gut ausgegangen. Da das nicht der einzige Arzteinsatz war, an dieser Stellen allen Verletzten gute Besserung!

Das nächste was ich dann erstmals sehen musste, war, wie aus dem Dresdner Block gefüllte Bierbecher und andere Gegenstände in Richtung der Menschen flogen, die gerade damit beschäftigt waren, den Verletzten aus der Block der Nord zu transportieren. Als ob das nicht schon widerlich genug wäre, gab es dann zum Schluß noch ein Transparent der Dresdner aus der alleruntersten Sexismusschublade. Die Schreiber des Banners sind wohl mit ihrem Weltbild in den 60ern hängen geblieben. Und dann noch im Block stehen und ein wenig abhitlern. Mir fehlen da echt die Worte…

Ich kann jedenfalls nachvollziehen, wenn einige Sankt Paulianer da mal nach den Rechten schauen wollten. Nicht ok ist allerdings, wenn dann auf dem Rückweg über die Haupt Menschen auf den Rolliplätzen umgeschubst werden. Deswegen musste dann erneut ein Krankenwagen anrücken. Da ist meiner Meinung nach eine fette Entschuldigung fällig.

Jedenfalls habe ich noch nie so lange benötigt, bis ich ein Spiel auch nur halbwegs verarbeitet hatte. Und nun wünsche ich allen mit braun-weißem Herzen einen schönen ersten Advent – und nicht nur den Frauen einer Fangruppierung…

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Die Kamera ist für mich der Schlüssel. Mit ihr öffne ich Türen und betrete das Leben anderer Menschen. Manchmal für Sekunden, manchmal für sehr viel länger. Diese intimen Momente begreife ich als Auszeichnung. Als Chance. Und jeder dieser Augenblicke verändert mich und meine Sichtweise.

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