Transparente, Verletzte, verletzende Transparente
Stefan Groenveld

Es ist viel kaputt gegangen an diesem Spieltag. Zu viel, um es in Worte zu fassen. Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht mehr so über gegnerische Fans aufgeregt, als Chemnitz Anhänger Transparente aufhingen, die im Puls der St. Paulianer abgingen. Die Älteren werden sich erinnern.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Zu den Verletzten der letzten Partie kamen schnell neue hinzu. Vier Stammspieler und dabei das komplette Mittelfeld kann so schnell keine Mannschaft ersetzten. Erst recht nicht der FC St. Pauli. Glücklicherweise ging der erste Schuss auf’s Tor von Dynamo Dresden gleich rein. Dummerweise hielt das Abwehrbollwerk erneut nur bis kurz vor Schluss. Nicht schön, aber unter gegebenen Umständen ist ein Punkt besser als keiner.

Allerdings interessierte das Spiel kaum jemanden der Anwesenden. Die zweite Halbzeit war geprägt vom Blick Richtung Nord. Erst bangend, dann empört, dann empörter. Rettungsdecken als Sichtschutz habe ich noch nie in einem Stadion gesehen. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber nach letzten Meldungen ist es wohl gut ausgegangen. Da das nicht der einzige Arzteinsatz war, an dieser Stellen allen Verletzten gute Besserung!

Das nächste was ich dann erstmals sehen musste, war, wie aus dem Dresdner Block gefüllte Bierbecher und andere Gegenstände in Richtung der Menschen flogen, die gerade damit beschäftigt waren, den Verletzten aus der Block der Nord zu transportieren. Als ob das nicht schon widerlich genug wäre, gab es dann zum Schluß noch ein Transparent der Dresdner aus der alleruntersten Sexismusschublade. Die Schreiber des Banners sind wohl mit ihrem Weltbild in den 60ern hängen geblieben. Und dann noch im Block stehen und ein wenig abhitlern. Mir fehlen da echt die Worte…

Ich kann jedenfalls nachvollziehen, wenn einige Sankt Paulianer da mal nach den Rechten schauen wollten. Nicht ok ist allerdings, wenn dann auf dem Rückweg über die Haupt Menschen auf den Rolliplätzen umgeschubst werden. Deswegen musste dann erneut ein Krankenwagen anrücken. Da ist meiner Meinung nach eine fette Entschuldigung fällig.

Jedenfalls habe ich noch nie so lange benötigt, bis ich ein Spiel auch nur halbwegs verarbeitet hatte. Und nun wünsche ich allen mit braun-weißem Herzen einen schönen ersten Advent – und nicht nur den Frauen einer Fangruppierung…

12 Bemerkungen
  1. Das mit dem sexistischem Transpi mal außen vor, ist der Artikel nicht so ganz korrekt. Als der medinzische Notfall erkenntlich wurde, haben wir im Dresdner Block sofort den Support eingestellt und uns ruhig verhalten. Die fliegenden Becher galten den Bullen die aufeinmal anfingen willkürlich in unserem Block zu prügeln und nicht den Helfern oder hier böswillig unterstellt wird dem Verletzten, da hat der Autor etwas zu viel Fantasie… Was ich aber richtig daneben finde, ist den Dresdner Fans in ihren Rollies vorzuwerfen auf der Haupttribüne Stress verursacht zuhaben. Wir haben aus dem Dresdener Block sehr gut gesehen wie sich dort übermotivierte Heimfans daneben benommen haben. Antwort der Hamburger Polizei auf unser verbales eingreifen Richtung Haupttribüne um unsere Fans im Rollstuhl zu schützen, war Pfeffer für alle im Dresden Block. Danke nochmal dafür.

    Dynamisch Grüße
    #LDHR

      1. Den Eindruck hatte ich eher von dir… Daher fühlte ich mich ja aufgefordert einiges richtig zu stellen von den Sachen die du oben schreibst. Ich hab aber eben nicht die Sankt Pauli Brille auf bei der immer nur die anderen die Bösen sind.
        Das Sexismus Ding läuft seit Jahren und weil ihr euch immer so extrem aufregt, wird es das auch weiterhin geben – und ja ich finde es genauso kacke wie du.
        Aber der Rest ist einfach mal wüste Unterstellung und Verpauschalisierung.
        Ich kann dir nur empfehlen deinen Text noch einmal zu lesen und zu reflektieren was wirklich passiert ist und wo dein Hass auf die Gästefans deine Fantasie beflügelt hat.
        Und um dich noch mehr zu enttäuschen ich bin kein Nazi (ganz im Gegenteil) auch wenn es bestimmt schon in deinen Finger juckt mir das vorzuwerfen 😉 was vielleicht auch erklärt das ich bei Facebook über deinen Artikel gestolpert bin der wohl sonst eher nur Sankt Pauli intern gelesen wird.

        1. Tut mir leid, aber ich habe das genauso wie oben geschrieben gesehen und teilweise auch fotografiert. Mit Vereinsbrille hat das nichts zu tun. (Übrigens habe ich mich nach dem Spiel auch mit Dresdner Fotografen unterhalten, die das genauso gesehen haben, wie oben beschrieben. Außerhalb des Blocks sieht das vielleicht auch anders aus, als innerhalb…)

          1. Dein Blog, deine Meinungshoheit. Schade eigentlich.

            Viel Spaß beim weiter in Schubladen denken und pauschalisieren – macht ja alles so schön einfach.

            Tut mir leid das ich deine wertvolle Lebenszeit verschwendet habe.

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