Verloren und doch gewonnen

Es ist unmöglich, die emotionale Breite des 24. Mai 2015 vollumfänglich in einem Blogpost zu verarbeiten. Ich versuche es auch gar nicht. Meine Anspannung hat sich erst auf der Rückfahrt mit dem grandiosen Sonderzug bei Lüneburg gelöst. Noch immer versuche ich das gestern erlebte zu verarbeiten. Es gelingt mir nur langsam. Von Puls 180 auf Sommerpause funktioniert eben nicht so einfach.

Für mich war das letzte Auswärtsspiel vom FC St. Pauli am Böllenfalltor in Darmstadt doppelt spannend. 17 Jahre habe ich den Verein in blau und weiß eng begleitet. Am dortigen Spielfeldrand habe ich von 1986 bis 1988 das Fotografieren gelernt und mein Herz an die Sportfotografie verloren. Der Besuch nach rund 20 Jahren in diesem altehrwürdigen Stadionrund war eine Reise in meine Vergangenheit. Herrlich, dass sich seit damals kaum was dort geändert hat. Schon die Fahrt in der Polizeieskorte durch die Stadt hat mich verwundert nach rechts und links schauen lassen. Alles wie damals. Versuche mal in Hamburg ’n Jahr nicht hinzugucken, danach findest du dich hier nicht mehr zurecht, weil anders ist. Und im Südhessischen? War ich weg?

Super natürlich, dass der ehrenamtliche Pressebetreuer mich – nachdem ich die altbekannten Treppen ins Stadioninnere nach unten gegangen war – mit lautem „Gröni!“ begrüßte. Wir lagen uns dann erst mal in den Armen. Tatsächlich standen wir früher oft gemeinsam auf dem Erdhügel, den sie dort Gegengerade nennen. Danke auch, dass du mir nach dem Spiel einen Äppler in die Hand gedrückt hast.

Meine Sympathien waren natürlich trotzdem klar verteilt. Und ich war mir sicher, dass St. Pauli das Spiel gewinnt.

Nun, wir haben das Spiel verloren. Die Dramatik dieser Niederlage habe ich erst sehr viel später erfahren. Das WLAN war im Stadion nämlich schon vor Spielbeginn zusammengebrochen. Und LTE scheint es in Darmstadt noch nicht zu geben. Klar, dass die Handynetze in den entscheidenden Minuten nach 16:55 Uhr zusammengebrochen sind. Ich wusste also nicht, dass Aue den zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt hat und kurz davor war, den FC St. Pauli in die Relegation zu schicken. Ich merkte nur, dass kurz vor Spielende Ewald Lienen an der Seitenlinie erst hektisch die Mannschaft nach vorne beorderte und dann ganz still auf der Trainerbank zusammengekauert Platz nahm. Vermutlich nutzte er diese das erste Mal an diesem Nachmittag. Nach dem Schlusspfiff hörte ich ihn nur Umstehende aus dem Betreuerstab fragen, ob es denn so geblieben sei. Als ihm die Frage bejaht wurde, grinste er und sagte leise „Wahnsinn!“.

Großes Kompliment übrigens an die Verantwortlichen, die es ermöglichten, dass Fans in braun-weiß und blau-weiß gemeinsam ihre Helden auf dem Rasen feiern durften. Die Polizei hielt sich total entspannt im Hintergrund und griff nur ein, wo sie musste. Die hatten sich schon Sympathiepunkte am Darmstädter Hauptbahnhof erworben, weil sie bei Ankunft des Sonderzugs aus ihrem Lauti „Das Herz von Sankt Pauli“ erklingen ließen.

Meinen allerherzlichsten Dank gilt allen Organisatoren, Helfern und Mitfahrern vom Sonderzug: es war mal wieder eine wunderbare und entspannte Fahrt. Ein echtes Saisonhighlight.

Und jetzt soll Sommerpause sein? Wann geht die neue Saison wieder los? Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis der Ball wieder rollt…

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Die Kamera ist für mich der Schlüssel. Mit ihr öffne ich Türen und betrete das Leben anderer Menschen. Manchmal für Sekunden, manchmal für sehr viel länger. Diese intimen Momente begreife ich als Auszeichnung. Als Chance. Und jeder dieser Augenblicke verändert mich und meine Sichtweise.

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