Trikotgeschichten
Neue Nord sieht auch ohne Zuschauer gut aus
Neue Nord sieht auch ohne Zuschauer gut aus
Stefan Groenveld

“Also das Trikot von Himmelmann erinnert mich stark an die 80er.” Bei Testspielen sind die kleinen Geschichten oft die schönen. Bei dem Satz, den meine Ohren durch den Mund des Nebenmanns erreicht, wäre der verantwortliche Designer Jason Lee vermutlich vor Glück rückwärts umgefallen – hätte er die Worte gehört. Die neuen Trikots vom FC St. Pauli für die Saison 2015/16 sind nämlich bewusst an die 1980er Zeiten angelehnt. Schließlich sind die 80er die Epoche, die den FC St. Pauli zu dem entwickelt hat, wie wir den Verein heute kennen und lieben. Und daran sind in großem Maße die Fans verantwortlich. So stilisiert das braune Muster im Heimtrikot die Fahnen der Fans auf den Rängen auf der von Fans bevorzugten Farbe schwarz. Aber auch die anderen neuen Spieltagsklamotten der Spieler haben viel mit dem zu tun, was uns Fans wichtig ist. Beim Auswärtstrikot sind es die Ärmelenden in Regenbogenfarben, die die klare Positionierung des FC St. Pauli gegen Homophobie kennzeichnet. Ich hörte, es gibt sogar eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben – ob wir die mal an Gonther sehen? Das Pokaltrikot ist bewusst im Rot der Jolly Rouge Bewegung gehalten. Dazu ein Muster, das an Wasser erinnert – schließlich war die Keimzelle der FC St. Pauli Fans in den 80er die Hafenstrasse in nächster Nähe der Elbe. Das grüne Torwarttrikot hat an den Ärmelenden und am Kragen übrigens die Farben der panafrikanischen Flagge. Eine Erinnerung an das wichtige Statement “Kein Mensch ist illegal” und das soziale Engagement von Verein und Fans bezüglich afrikanischer Flüchtlinge.

Es gab also vermutlich noch nie Trikots, die zum einen eine so starke Hommage an die Überzeugung der Fans waren und zum anderen trotz der strengen Auflagen der DFL politische Aussagen auf den Fussballplatz bringen. Vielen lieben Dank Jason Lee für deine feine Arbeit.

Interessanterweise liefen in der ersten Halbzeit beide Mannschaften mit ihren Auswärtstrikots auf, die beide weiß sind. Das funktioniert so im Ligaalltag nie. In der zweiten Halbzeit wechselte Testspielgegner Rayo die Mannschaft komplett durch, FC St. Pauli die Trikots. Allerdings konnte man nur auf die Ausweichtrikots der letzten Spielzeit zurückgreifen. Warum es wohl keine aktuellen Trikots zum Anziehen gab? Vielleicht wollte man sich das für nächsten Samstag aufheben.

Zu guter letzt möchte ich den Spielern noch meinen Respekt aussprechen für die stundenlange Autogramm-Orgie, denen sie sich nach dem Spiel auf dem Südkurvenvorplatz stellten. Da gab es neben guter Musik dann auch die ersten Trikots mit Autogrammen der Spieler zu ersteigern.

Die Saison kann von mir aus dann beginnen…

4 Bemerkungen
  1. “Ryo Miyaichi tanzt Sirtaki”, Danke Stefan für diese einen lächeln lassende Bildüberschrift. Und auch eh wieder für den informativen Text und die Bildauswahl. Ein Lienen Autogramm fehlt mir ja noch… (und übrigens finde ich, dass EL auch ne gute Hörbuch-Stimme hat)

  2. Abgesehen davon, dass mir die Trikots von Hummel garnicht gefallen, stört mich dass der Spielername unter der Rückennummer steht! Doch jetzt ist es erstmal wichtig am WE den ersten 3er zu holen und alle Spieler gesund durch die Saison kommen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vielleicht magst du auch folgende Beiträge lesen

Kommt nach blau-schwarz nun schwarzweissblau?

Das war ein wahrlich grausamer Kick. Ist aber natürlich völlig egal, wenn…