Fotografieren jenseits der goldenen Stunde
Stefan Groenveld

Die meisten Fotografie-Interessierten kennen die goldene Stunde und wissen, dass du da besonders schöne Fotos machen kannst. Die goldene Stunde bezeichnet die Stunde nach Sonnenuntergang (oder nach Sonnenaufgang, aber da haben die meisten von uns besseres zu tun). In dieser Stunde ist das Sonnenlicht besonders lieblich gelb-golden und ermöglicht tolle Bilder. Zumindest in Mitteleuropa ist es eine Stunde, in südlichen Gefilden versinkt im Sommer die Sonne deutlich schneller im Meer. Nach der goldenen Stunde hört die Fotografie aber längst nicht auf. Was du unbedingt mal probieren musst: den letzten Rest Licht am Himmel nutzen. Ich habe es letzte Woche gemacht.

Und das kam so: ich hatte ein paar Stunden gerne genommenen Zwangsaufenthalt nach einem Auftrag auf Helgoland, da der Flieger wegen Vereisungsgefahr nicht auf’s Festland fliegen konnte. Die passende Gelegenheit noch ‘ne Runde zur langen Anna zu drehen. Tolle Idee, eigentlich, aber ich startete erst mit einsetzender Dämmerung. Am Lummenfelsen war die goldene Stunde schon rum. Die Treppen zum Strand habe ich so gerade noch im Restlicht gefunden und kurz vor dem Sportplatz vom VFL Fosite Helgoland stand ich in einer riesige Pfütze knöcheltief in dreckigen Wasser.

Das war mir aber alles egal, denn meine App zeigte mir, dass noch wenige Minuten Licht am Firmament ist. Ja, eigentlich siehst du auf der Insel nix mehr ohne Taschenlampe, denn es gibt ja kaum Strassenlaternen da draussen. Aber die Kamera kann noch was sehen. “Astronomische Dämmerung” heißt die letzte Phase bei der die Sonne noch etwas für Aufhellung am Himmel sorgt. Sie ist aber gegen Ende kaum mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar. Daher auch die Zuhilfenahme der App. Die astronomische Dämmerung beginnt aktuell rund anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang und dauert eine Dreiviertelstunde. Im Sommer ist die astronomische Dämmerung sogar doppelt so lange. Genug Zeit also, um weiterhin in der Natur zu fotografieren.

Das obige Bild entstand genau in dieser astronomische Dämmerung. Fünfzehn Minuten später war es tatsächlich Nacht.

Zur Einordnung, wie dunkel es war, hier die technischen Details: Blende 2.8, ISO 2000, 8 Sekunden Belichtungszeit.

Kalt, nass, dunkel – war mir egal. Der Fussballplatz ist einfach toll am Fuße der Klippen gelegen. Das leichte Grün des Rasens lässt den roten Felsen besonders schön zu Geltung kommen.

10 Bemerkungen
  1. Mir fallen die Linien auf. Tor in Tor, die weiche Kante der Steilküste. Auf der rechten Seite der starre Flutlichtmast und der Wind in den Maschen des Tornetzes. Ein Bild wie ein Gedicht.

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