Gruppenfoto, Pyrotechnik, Ultrá, Antira, Antifa!

Hier stand zunächst ein längerer Text über Medien, wirres Gerede sogenannter Journalisten und Verunglimpfung einer bestimmten Fangruppierung. Ich habe ihn wieder gelöscht, denn ich möchte diesen Blogbeitrag den Menschen widmen, denen er gebührt.

Am Wochenende fand in Hamburg das Antira-Turnier statt. Ein herrlich friedliches Treffen von Fans aus Europa, die alle eins gemeinsam haben: ihren Willen, Rassismus, Homophobie, rechtsradikales Gedankengut und Sexismus in die Schranken zu weisen. Und alle sind Fussballfans. Ich bin sehr froh, dass es solche Fans gibt. Einige Ultrá haben für ihre antifaschistische und antirassistische Arbeit letztes Jahr sogar einen Preis bekommen. Wer gegen Nazis ist, kann kein schlechter Mensch sein! Deswegen war es für mich ein großes Vergnügen, zum Abschluss des Turniers das Gruppenfoto zu erstellen.

Rund 500 Leute aus 10 Ländern auf ein Foto zu bannen ist nicht so einfach. Die Ansage „du hast 20 Minuten Zeit“ empfand ich allerdings nicht als Bedrohung. Ich habe keine zehn davon gebraucht. Ich wusste ja schon, dass Pyrotechnik nicht so lange brennt 😉

Zwar wusste ich vorher, wie mein Bild aussehen sollte, aber natürlich kam alles ganz anders. Ursprünglich wollte ich das Bild rund um den Mittelkreis machen, aber es war keiner da. Die Spiele des Turniers fanden auf Kleinfeldern statt. Die Nahtstelle zweier Stehplatztribünen auf dem Gelände von Union 03, auf dem das Antira-Turnier stattfand, waren daher meine schnelle Alternative. Deswegen wirkt mein Planet nun etwas unausgewogen. Es war so schon schwierig genug, die Anwesenden auf zwei Tribünen zu verteilen. Und auf jeden Fall zu kühn von mir anzunehmen, dass die Anwesenden sich vorstellen können, selbst dann mit auf’s Bild zu kommen, wenn sie nicht neben den anderen stehen – sondern gegenüber. Meiner Überzeugungskraft fehlte wohl das Megaphon, aber ich habe den Capo nicht gefunden… Ohne das beherzte Eingreifen von meinem geschätzten Kollegen Peter, wären schon nicht mal zwei Tribünen besetzt worden. Danke, Peter! Zur Belohnung hast Du nun auch einen herausragenden Platz auf dem Planeten 😉

Und wie das ganze Antira-Turnier herrschte auch beim Gruppenfoto ausgelassene Stimmung, ich habe wieder neue lustige Ultrá Fangesänge gelernt und beim Abbrennen der Pyrotechnik ist schon wieder niemand zu schaden gekommen. Es war laut, ich habe wenig während des Fotografierens gesehen, ich gewöhne mich allmählich an den Geschmack des Rauchs und in eurer Mitte zu stehen war wunderschön. Wenn es solche Fussballfans nicht gäbe, müsste man sie erfinden.

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Die Kamera ist für mich der Schlüssel. Mit ihr öffne ich Türen und betrete das Leben anderer Menschen. Manchmal für Sekunden, manchmal für sehr viel länger. Diese intimen Momente begreife ich als Auszeichnung. Als Chance. Und jeder dieser Augenblicke verändert mich und meine Sichtweise.

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