WOW – Teil 34: Ansel Adams
Stefan Groenveld
Beim heutigen Sonntagslink ist es etwas schwierig, auf eine Seite mit tollen Bildern zu verlinken, denn auf der eigenen werden nur kleine Vorschaubilder gezeigt. Dabei weißt Du sicherlich, dass Ansel Adams grandiose Bilder gemacht hat. Und das vor sehr langer Zeit: es gibt sogar eine Aufnahme von San Francisco ohne Golden Gate Bridge!

Ansel Adams ist vor allem wegen seiner Arbeit im Yosemite Park bekannt. Dort hat er seine schwere Großformatkamera zu unmenschlichen Uhrzeiten auf viel zu hohe Berge geschleppt, nur um das richtige Licht zu erhoffen. Landschaftsfotografie in Perfektion eben.

Mir persönlich hat er vor fast 30 Jahren das fotografische Sehen beigebracht: durch das Buch “Das Negativ”. Warum das offensichtlich nicht mehr aufgelegt wird, ist mir bei der grassierenden Analogwelle ein Rätsel. Dabei legt Adams in dem Buch nicht nur seine Arbeitsweise zur Entwicklung von Negativen offen, wie der Titel vielleicht vermuten läßt. Das Wichtige an dem Buch ist die exakte Erklärung, wie es erst überhaupt zu einem optimal belichteten Negativ kommt. Durch das von ihm entwickelte Zonensystem habe ich damals ein Tool an die Hand bekommen, mit dessen Hilfe ich auch schwierige Lichtbedingungen vor meinem geistigen Augen entschlüsseln kann. Und das Tolle: das System funktioniert noch heute. Ohne Abstriche. Die Technik ist weiter vorangeschritten, die Unterlegenheit fotografischen Materials gegenüber dem menschlichen Auge ist geblieben. Das Zonensystem hilft, eine Umsetzung zu finden, um trotz technische Unterlegenheit gut belichtete Bildergebnisse zu bekommen – auch ohne Kameraautomatik, 3D-Matrixsystem, kamerainterner Bilddatenbank und wie diese Tools in modernen DSLR Kameras heissen mögen…

Diese Entwicklung hat Ansel Adams vorausgesehen, zumindest lässt dies sein Zitat vermuten:

Bis auf ein paar Ausnahmen werden heute nach anspruchsvollen Qualitätsnormen Systeme hergestellt, deren ganze eingebaute Intelligenz verhindern soll, dass der Fotograf seine eigene anstrengt!

Da mir das Zonensystem damals sehr geholfen hat und heute immer noch in meinem Kopf umherschwirrt, erkläre ich es übrigens auch auf meinen Workshops 🙂

In der Reihe mit dem “Negativ” Buch von Ansel Adams gibt es übrigens noch “Das Positiv” – steht auch bei mir im Schrank, ist aber nicht ganz so überwältigend und da es sich auch sehr detailliert mit der Einrichtung einer Dunkelkammer befasst, wohl nicht mehr so “up to date” – und das Buch “Die Kamera”, was ich allerdings nicht besitze. Vielleicht findest Du ja “Das Negativ” in deiner örtlichen Bücherei. Das Zonensystem wird dort leicht verständlich auf 60 Seiten erklärt. Meines Erachtens hilft das mehr als so manches Photoshop-Tutorial 😉

5 Bemerkungen
  1. Ansel Adams ist großartig, er war ein toller Fotograf und seine Bilder zu betrachten ist Eintauchen wie in eine andere Welt finde ich. Aber mit dem Zonensystem bin ich mir nicht sicher ob das wirklich von Adams kommt, stammt das nicht eher von Fred Archer? Adams hat es allerdings in die Breite getragen, das stimmt.

    1. … das haben die beiden durchaus so um und bei 1939/40 zusammen ausbaldowert und Adams hat das dann heftig propagiert ; daher wird häufig auch nur sein Name mit dem Zonensystem in Verbindung gebracht.

      Das System ist einfach grossartig weil so verblüffend einfach ; allerdings sollte man bei Digitalgeknipse (wie auch schon « früher » bei Farbfilm (und da insbesondere Dia) ) im Hinterkopf haben, dass das Maximum bei 8 Blendenstufen liegt. Gut, bei den Profimodellen unserer Tage, die mit 16 Bit Farbtiefe arbeiten, hats dann auch die 10, aber alles drunter ist limitiert …

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