Lautloser Jubel

Zwei spätere Torschützen im Zweikampf

Wenn zwei Spieler ihren Ex-Vereinen ein oder zwei Tore einschenken, ist es ein gutes Gefühl von Respekt, wenn der Jubel dieser Spieler eher verhalten ausfällt. So gesehen und gehört gestern beim Flutlichtspiel zwischen dem heimischen FC St. Pauli und dem FC Schalke 04. Nach dem 2:1 von braun-weiß endet die sensationelle Hinrunde der Saison 2021/22 verlustpunktfrei am Millerntor.

Obwohl die Statistiken am Ende des Spiels eine sehr große Ausgeglichenheit anzeigte, war dies auf dem Platz nur selten zu sehen. Selbst nach dem Anschlusstreffer von S04 gab es nur einen kurzen Schlagabtausch, dann verfiel Schalke in eine seltsame Lethargie – als ob sie Angst hätten, in einen Konter rein zu laufen. Denn darin war der FC St. Pauli wirklich gut an diesem Abend. Sehr viel eloquenter kannst du die Spieltaktik natürlich beim geschätzten Tim vom Millernton nachlesen.

Für mich die Spielszene des Abends war übrigens der ofensichtliche Dialog zwischen Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh nach dem 2:0. Ich habe natürlich auf die Enfernung kein Wort gehört, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Burgstaller sich bei Kyereh für die vielen guten Vorlagen bedankte und ihm andeutete, dass das nächste Tor von ihm erzielt werden sollte. Kaum zwei Minuten später legte Burgstaller für Kyereh auf, der nur um haaresbreite das 3:0 verfehlte.

Die Arbeit am Spielfeldrand war gestern übrigens ziemlich hart für einen Brillenträger. Die beschlägt beim Masketragen ja eh gerne schnell, aber bei dem feuchten Wetter erst recht. Und dann gibt es da noch mein Lieblingsproblem beim Fotografieren von Sport im Regen: die Belichtungszeit. Die muss zum Einfrieren der Action recht kurz sein, aber Regen wird auf Fotos eigentlich erst bei einer etwas längeren Verschlußzeit für den Betrachter sichtbar. Beides in einem Bild geht nicht. Es sei denn, dir ist Atmosphäre wichtiger als Action.

90 Minuten Regen im Millerntor

Den Rest des Abends habe ich dann aber doch wieder eher Action als Atmosphäre gewählt…

Nachdem nun am 16. Spieltag alle anderen Teams für den FC St. Pauli gespielt haben, hat dieses Team nun 6 Punkte Vorsprung – das spricht für eine sehr souveräne Vorstellung der Jungs in braun und weiß. Leider wissen wir alle, wie schnell ein solcher Vorsprung dahinschmelzen kann. Die Herbstmeisterschaft ist ein völlig unnützer Titel. Trotzdem vertraue ich natürlich dieser Mannschaft, dass sie auch bei einer sicherlich irgendwann kommenden Durststrecke nicht auseinander fällt. Der Teamspirit erscheint mir absolut intakt. Und wäre es nicht wirklich richtig geil, wenn der FC St. Pauli endlich mal mindestens eine Klasse höher als alle anderen Hamburger Vereine spielen würde?

  1. Ja, das wäre wirklich richtig geil, wenn der FC St. Pauli eine Klasse höher spielen würde! Sehr tolle Eindrücke vom Millerntor mal wieder, schaue ich mir immer gerne an. Danke Dir dafür!

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