Für mehr Østigårds

Auch wenn es schwer fällt: erstmal das Sportliche. Entgegen meiner Befürchtung, dass eine verunsicherte braun-weiße Mannschaft am Rande der Abstiegsplätze gegen den Tabellenletzten auf keinen Fall was falsch machen will und daher verhalten beginnt, war die erste Halbzeit absolut sehenswert. Das einzige was fehlte waren Tore. Chancen gab es genug. Und während wir uns neulich noch über die eiskalte Chancenauswertung erfreuten, fehlten gegen Dresden leider immer wenige Zentimeter, um Song 2 erklingen zu lassen.

In der zweiten Halbzeit passierte unerklärlicherweise 30 Minuten nichts auf dem Rasen. Dafür schossen Spieler vom FC St. Pauli in den letzten 4 Minuten öfter auf’s Tor als Dresden im kompletten Spiel. Die Überlegenheit führte trotzdem nicht zum Dreier. Schade. Null zu Null.

Spiele gegen Dresden sind aus Fansicht etwas besonderes. Das liegt hauptsächlich an den gegnerischen Fans. Auf einer nach unten offenen Sympathieskala erreicht die überwiegende Mehrzahl den absoluten Nullpunkt. Die Spielansetzung hat das noch befeuert. Während St. Paulianer unter der Woche in den Fanräumen dem fast 96-jährigen Walter Frankenstein zuhörten, was Deutsche in Nazideutschland Deutschen angetan haben, bejammerten Dresdner zum 75. Mal, dass andere Staaten keinen Bock mehr auf Nazideutschland hatten. Diametraler könnten Sichtweisen auf die Zeit zwischen 33 und 45 nicht sein. Das hat fundamentale Unterschiede in der Sichtweise auf die heutige Zeit zur logischen Folge.

Da hilft es wenig, dass der Verein deren Mitglied ich bin, ein Statement vorschnell raushaut und der Hufeisentheorie Vorschub leistet. Wegen uralter Fotos von Aufklebern, (hat die schon mal einer geklebt gesehen?), soll es ok sein, dass Dresdner Fans einen Blocksturm versuchen – und dabei mehrere Menschen verletzen. Gute Besserung an die Verletzten!

Da freut man sich dann sehr über die wahrhaft notwendigen Worte von einem Spieler vom FC St. Pauli, Leo Østigård. Zusammengefasst: „Scheissverein! Scheiss Fans!“ Danke!

Die mobile Version verlassen