Neulich nachts wurde ich auf diesen von Salvador Dali gezeichneten Disney-Film aufmerksam. Er hat mich sofort fasziniert – vielleicht auch, weil ich völlig übermüdet nun glaubte zu träumen. Aus Neugier mehr über diesem Kurzfilm zu erfahren, fand ich im Netz eine ebenso faszinierende Entstehungsgeschichte.

1945 hatte Walt Disney die tolle Idee, anderen (namhaften) Künstlern die Möglichkeit zur Mitwirkung an seinen Filmen zu geben. So kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit mit Salvador Dali. Leider gingen Disney in den Nachkriegsjahren das Geld aus und die Arbeit an einem Animationsfilm mit Dali wurde nach 8 Monaten eingestellt. Der Co-Drehbuchautor John Hench – erster Zeichner bei Disney und Maler der Micky Mouse – versuchte Walt Disney von der Fortführung des Projekts zu überzeugen, in dem er ihm einen rund 15-sekündigen Ausschnitt zeigte. Die Entscheidung von Disney wurde aber nicht revidiert. Der Film verschwand in den dunklen Schubladen der Disney Studios – und wurde irgendwann gestohlen.

Rund dreißig Jahre nach dem Tod von Walt Disney fand sein Neffe Roy, der damalige Vize-Präsident der Disney Studios, eben jene 15 Sekunden Film sowie rund 80 Skizzen und einige Zeichnungen von Dali zum Film. Er fand heraus, dass Disney zwar im Besitz der Vorlagen war, aber der Vertrag zwischen Dali und seinem Onkel besagte, dass nur der fertige Film gezeigt werden dürfe. Also gab er den Auftrag, den Kurzfilm fertigzustellen.

Rund 25 Zeichner arbeiteten bis 2003 an dem Animationsfilm und versuchten auch das Storyboard etwas durchschaubarer zu machen. Salvador Dali selbst hatte zum Drehbuch mal gesagt: „Wenn du den Film verstehst, habe ich was falsch gemacht.“ So wurde eine „nicht verstehbare“ (Produzent Baker Bloodworth) Baseballszene nur noch angerissen und der Film so von 8 auf 5 Minuten gekürzt. Herausgekommen ist eine surreale Liebesgeschichte. Auch die 15-sekündige Originalszene ist im Film enthalten – die beiden schildkrötenartigen Geschöpfe, die zu einer Ballettänzerin werden.

Fast hätte „Destino“ 2004 sogar einen Oskar bekommen. Nomiert für den „Besten animierten Kurzfilm“ war der Film, gewonnen hat dann aber doch „Harvie Krumpet„.