Was tun beim Datenverlust?
Stefan Groenveld

Vorwort: Die Ursachen für einen Datenverlust zum Beispiel durch einen Festplattencrash oder durch einen Fehler auf der Speicherkarte sind vielfältig. Ich bin kein Disk-Reparier-Mann und schildere hier nur meine persönlichen Erfahrungen. Gegen einen echten Festplattencrash wirst Du hier keine Hilfe bekommen (können). Du hörst ein fieses Klackern beim Rotieren Deiner Festplatte? Dann sage Deinen Daten lebewohl. Es gibt professionelle Dienstleister, die Dir mehr oder weniger viele Daten auch dann noch retten können, aber das kostet mindestens einen dreistelligen Eurobetrag. Vor dem Komma…

Ich versuche bei meinem Workflow, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Datenverluste sind unter allen Umständen zu vermeiden. Aber ich gehe auch ein gewisses Risiko. Alle meine Kameras haben zwei Kartenfächer und ich könnte problemlos meine Bilddaten auf beide Karten gleichzeitig schreiben lassen. Mache ich nicht. Ich habe trotzdem an dieser Stelle noch nie Daten verloren. Und ich klopfe gerade auf Holz. Aber gehen wir meinen Weg der Datenverwaltung mal gemeinsam durch.

Um meine Daten von dem Speicherchip in meiner Kamera auf meine Festplatte zu bringen, nutze ich externe Kartenlesegeräte und ein Programm namens PhotoMechanic. Das sorgt beim Import der Daten für eine Umbenennung und Verschlagwortung der Bilder. Das Programm kann noch mehr, aber darum geht es hier gar nicht. Das Programm löscht die Bilder erst dann auf der Speicherkarte, wenn der Datentransfer erfolgreich funktioniert hat. Ich hatte auf diesem Weg noch nie ein Problem, außer hin und wieder doppelte Daten – wenn während des Imports der USB Stecker des Kartenlesegeräts einen Wackler hatte. Wer beim Import auf Nummer sicher gehen will, kopiert die Daten, aber löscht die Karte erst nach dem Import – am Einfachsten durch Formatieren in der Kamera. Bei PhotoMechanic muss ich sogar ein Häkchen setzen, damit nach dem Übertragen die Bilddaten auf dem Speicherchip gelöscht werden. Also bis hier hin bin ich jetzt schon zwei Mal Risiko gegangen und ich hätte noch Sicherheitsreserven. Allerdings wechsle ich jedes Jahr alle meine Speicherkarten komplett durch. Die “alten” behalte ich als Notfallreserve, auf die ich nur sehr selten zugreife.

Wenn ich bei meinen Foto-Jobs unterwegs bin, nutze ich die wunderbare Möglichkeit von PhotoMechanic, meine Bilder gleichzeitig auf die Festplatte von meinem Macbook Air und einer externe Festplatte zu importieren.

Nun fragst Du Dich bestimmt, warum ich diesen Blogpost schreibe, wenn ich noch nie einen Datenverlust hatte. Nun: ich habe schon etlichen Freunden die Bilder auf der Karte gerettet. Mit einem Programm, dass es für ein Jahr kostenlos dazu gibt, wenn Du die etwas teureren Extreme oder ExtremePro Speicherkarten von Sandisk kaufst: RescuePro. Dieses Programm zur Wiederherstellung von Bilddaten auf unterschiedlichen Speichermedien gibt es auch separat zu kaufen. Und sicherlich gibt es reichhaltige Alternativen. Ich schreibe aber nur über Dinge, die ich kenne und bin kein professionelles Testlaborblog.

In vielen Fällen treten Probleme mit den Daten auf der Speicherkarte daher auf, dass das Directory der Karte beschädigt wird. Deine Karte erscheint leer oder defekt, aber eigentlich ist “nur” die Inhaltsangabe Deiner Speicherkarte kaputt. RescuePro schaut sich tatsächlich die einzelnen Blöcke Deiner Speicherkarte an und macht die Daten wieder sichtbar. Je nach Größe der Karte dauert das etwas, aber was physikalisch auf dem Speichermedium noch vorhanden ist, das macht das Programm wieder sichtbar. Deswegen ist es wichtig, wenn eine Speicherkarte Ärger macht, diese einfach nicht mehr zu nutzen, sondern gleich RescuePro dran zu lassen.

Zurück zu meinem Umgang mit Bilddaten. Wenn ich nach einem Fotojob wieder zu Hause ankomme, hänge ich meine externe Festplatte an meinen Standrechner und kopiere die Daten. Auf dem Heimrechner läuft TimeMachine, das integrierte Backup-Programm im Mac OS Betriebssystem. Dies sichert stündlich automatisch auf die externe Time Capsule – eine überteuerte Festplatte mit WLAN. Außerdem werden nachts meine Bilddaten automatisch auf meinen Dateiserver aka NAS kopiert. Das erledigt ein Skript in ChronoSync, meine Wahl zum automatisierten Kopieren von Daten. Bei 40$ investierst Du kein Vermögen und das Programm läuft wirklich zuverlässig. Natürlich gibt es auch für diese Aufgabe reichhaltige Alternativen. Wichtig ist nur, dass die Daten sauber und automatisch gesichert werden. Meine aktuell benötigten Daten habe ich kurzfristig also sogar auf drei Platten: Heimrechner, Time Capsule und NAS.

Mein NAS läuft mit RAID6, d.h. bis zu zwei meiner acht Festplatten können gleichzeitig ausfallen. Eine dieser 3TB Platten hatte sogar schon mal einen Defekt – im laufenden Betrieb einfach eine neue Platte einsetzen, rund einen Tag warten und alle Daten sind wieder komplett. Von Zeit zu Zeit hänge ich eine externe Festplatte an mein NAS und kopiere die Daten als Backup. Das Backup kommt an einen anderen Ort, so dass ich nach einem Einbruch, Brand oder sonstige Katastrophen maximal die Daten seit dem letzten Backup verliere. Soweit, so gut.

Nun nehmen wir mal an, Du hast kein NAS, sondern speicherst Deine Daten auf externe Festplatten. Da hörte ich den Tipp, dass Du diese Festplatten nur zu 80% füllen solltest und möglichst selten an den Rechner anschliessen solltest. So halten Deine Daten am längsten. So mache ich es auch. Sollte nun diese Festplatte nicht mehr am Rechner erkannt werden, habe ich einen weiteren Tipp zu diesem Thema. Hilfreich ist der Tipp, wenn die Platte deswegen nicht mehr erkannt wird, weil Du den USB-Stecker des öfteren unsanft aus dem Rechner gezogen hast – da gibt es gerne beim Mac Probleme. Wenn das Festplattendienstprogramm nicht mehr hilft, aber auch fsck von der Unix-Ebene im Single-Modus kein Ergebnis bringt, dann kaufe Dir DiskWarrior (Mac-only). Mir ist das tatsächlich einmal passiert. Innerhalb von 5 Minuten hat dieses nützliche Programm mir die Platte und die Daten wieder lesbar gemacht. Leider gibt es keine Testversion von dem Programm und rund 100€ sind auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber Disk Warrior wird nicht ohne Grund seit vielen Jahren von Fachleuten hoch bewertet. Klar ist aber auch: bei einem echten Festplattencrash hat auch dieses Programm keine Chance.

Wie gesagt: ich bin kein Profi auf dem Gebiet, aber die genannten Programme haben mir bis jetzt immer geholfen. Am Liebsten brauche ich natürlich keins der Programme. Und dafür, dass ich jedes Jahr eine sechsstellige Anzahl von Bilddaten hin- und herjongliere, hatte ich bis jetzt erstaunlich wenig Probleme mit Datenverlust. Und jetzt klopfe ich wieder auf Holz.

Zum Abschluss verweise ich gerne auf die 3-2-1 Regel: drei Kopien auf zwei Speichermedien und eine davon extern gelagert. Jeder, der mit wichtigen Daten arbeitet, sollte diese Regel als sein Mantra sehen.

15 Bemerkungen
  1. Hallo Stefan,
    Danke für den Blogpost. Artikel über Datensicherung lese ich immer ziemlich interessiert. Für mich haben sich noch zwei Fragen ergeben:
    1.) Wie geht’s weiter wenn das NAS mal voll ist?
    2.) Wann nimmst du die Daten wieder von der Platte deines Rechners?
    3.) (ups, sind doch drei geworden) Speicherst du die Backups vom NAS auf den externen Platten auch nach der 3 2 1 Regel?

    Viele Grüße
    Christian

    1. Hallo Christian,

      danke für Deine Fragen.
      zu 1) Wenn das NAS mal voll ist, kaufe ich ein Neues 🙂
      zu 2) Auf der Platte meines Rechners sind nur die Daten, die ich aktuell bearbeite.
      zu 3) Nein. Die Backups vom NAS werden ja extern gelagert. Da müsste schon sehr viel schief gehen, wenn das NAS geklaut wird und die Backups dann unbrauchbar wären. Obwohl, jetzt wo du es sagst: vielleicht sollte ich die Backups auf Magnetbändern lagern – dann halten sie nicht nur 10, sondern 30 Jahre…

      1. Magnetbänder sind eine schlechte Wahl. Evtl. halten die Medien so lanee (Evtl!); aber in spätestens 10 Jahren hast du kein Laufwerk mehr, welches diese Medien noch lesen kann. Und in 30 Jahren kriegst du dann auch kein funktionsfähiges mehr bei Ebay zu Preisen die nicht einer vergoldeten Neuedition heutzutage nahekommen.

  2. Die 3-2-1 Regel sollte sich jeder, der mit IT sein Geld verdient, auf den Unterarm tätowieren und täglich küssen.
    Notiz-an-mich: Nadeln und Farbe kaufen, und meine Kollegen behandeln … 🙂

  3. Schöner Artikel, das kann man alles so unterschreiben. Ich würde vielleicht noch ergänzen, dass eine Sicherheitskopie in der Kamera kein Fehler sein kann, die Kamera nur marginal langsamer macht und von daher auch kein Schaden anrichtet. Wenn eine der Karten aber mal kaputtgehen sollte (was mir schon mitten in einem Fototermin passiert ist) dann spart man vor allem Zeit. Meine Kunden wollen oder können oft nicht warten, bis eine Karte von dem zweifellos guten RescuePro wiederhergestellt ist. Schlimmstenfalls dauert die Wiederherstellung einer Karte nämlich ein paar Stunden und den Kunden warten zu lassen ist für mich schlicht keine Option.

    Für die Sicherung der Fileserver verwende ich inzwischen zwei identische Systeme, die über ein VPN verbunden sind. So kann ich die Daten direkt auf die Offsite-Location schieben, ohne eine Festplatte durch die halbe Stadt tragen zu müssen. Was ich nämlich in der Vergangenheit auch ganz oft unnötig lange hinausgeschoben habe…

    Viele Grüße
    Peter

    1. Hi Peter,

      ich hatte ja extra erwähnt, dass es absolut möglich ist noch mehr Sicherheit zu bekommen, in dem das zweite Kartenfach genutzt wird.
      Die Sicherung via VPN auf ein zweites System ist natürlich eine sehr bequeme und sinnvolle Lösung.

      Von daher bin ich voll bei dir 🙂

  4. Informativer Artikel. Ich fotografiere, wenn möglich, immer direkt tethered in den Rechner (Raid 1) oder wenn es nicht anders geht, auf zwei Karten gleichzeitig.

    Als externes Archiv nutze ich den Anbieter “Photoshelter” und bin mehr als zufrieden.
    Dort lagern die “Selects” aller Shootings als RAWs und PSDs (für Retuschen und Composites).

    Frage: Was für ein NAS nutzt Du? Und ist das Spotlight kompatibel?

    1. Freut mich, dass der Artikel informativ ist. Danke für deinen Beitrag. Im Studio hast du natürlich andere Möglichkeiten als on location. Photoshelter schaue ich mir mal an. Ich nutze derzeit Zenfolio für meine wichtigen Selects.

      Was ist denn Spotlight?

      Mein NAS ist das DS1812+ von Synology.

      1. Spotlight ist die Suchfunktion unter MacOS X. Das schöne daran ist, dass sie a) Datenbank basiert ist (also sehr schnell ist) und b) Metadaten von Fotos ebenfalls erfasst. Leider ist dafür ein kompatibles Datei-System auf dem NAS notwendig und das haben nur sehr wenige NAS (z.B. Drobo).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vielleicht magst du auch folgende Beiträge lesen

Capture One oder Lightroom CC?

Vor längerer Zeit schrieb ich hier einen Blogpost zu den unterschiedlichen RAW-Konvertern,…

Mein persönlicher RAW-Konverter-Test

Selbstverständlich fotografiere ich viel in RAW. Einfach, weil die Bearbeitungsmöglichkeiten deutlich vielfältiger…