36 vs. 16 – sind die Megapixel der Nikon D800 sichtbar?

Die nahezu baugleichen Nikons D800 und D800e sind mit ihren 36,2 Megapixel bahnbrechende neue Kameras. Von daher habe ich das große Interesse bei der Vorstellung der Kameras vor einigen Monaten total nachvollziehen können. Nicht so richtig nachvollziehen konnte ich allerdings den offensichtlichen Kaufrausch, den die D800 ausgelöst hat. Die Lieferschwierigkeiten von Nikon kommen unter anderem auch daher.

Neben allen technischen Neuerungen, die diese neuen Kameras mit sich bringen, ist das herausstechendste die bisher noch nie dagewesene Anzahl von Pixel. Aber berechtigt das allein zum Neukauf?

Die bisher landläufigen 12 bis 16 Millionen Pixel pro Kamera reichen problemlos aus, um Din A3 Vergrösserungen zu erstellen. Mindestens. Und Hand auf’s Herz: wie oft hast Du schon ein Bild auf Din A3 ausgedruckt? (Kleiner Einschub: selbst gecropte Bilder meiner veralteten 12 Megapixel D3 haben es des öfteren auf Din A3 Poster von Fanräume e.V. geschafft.)

Mich hat deshalb interessiert, ob diese Datenmenge einer Nikon D800 noch mehr beinhaltet, als einfach nur eine zugegebenermaßen tollen Kamera mit fantastischen Detaildarstellungen. Gibt es vielleicht einen anderen Look der Bilder? Schließlich wird die D800 auf Grund ihrer Megapixelanzahl auch gerne mit digitalen Mittelformatkameras verglichen.

Also habe ich mich am Sonntag mit Nikon D4 und D800e, sowie dem AF-S 50mm f/1.4G in den Wohlerspark gestellt und bei Blende 1.4 wenig inspirierende Selbstportraits gemacht. Ganz schön schwierig bei einem Tiefenschärfenbereich von unter 10cm. Sehr hilfreich, dass beide Kameras mehrere zeitverzögerte Auslösungen mit nur einem Knopfdruck ermöglichen (Individualfunktion C3).

Bei beiden Aufnahmen habe ich sehr genau darauf geachtet, dass beide mit gleichen Einstellungen das gleiche fotografieren und hinterher in der Nachbearbeitung auch die gleichen Anpassungen bekommen. Der Bildwinkel unterscheidet sich marginal, da die Nikon D4 einen Hochkantgriff eingebaut hat und daher von einem etwas höheren Standpunkt fotografiert.

Beide Fotos siehst Du hier bei 2000 Pixelbreite, falls Dein Monitor groß genug ist. Für die Darstellung im Web ist das schon recht viel. Und? Siehst Du einen Unterschied? Kannst Du sehen, welches Bild mit welcher Kamera erstellt wurde? Ich behaupte: nein.

Meiner Meinung nach ist die Nikon D800 bzw. Nikon D800e eine universelle Kamera mit einem sehr eingegrenzten Anwendungsbereich – wenn du die Möglichkeiten der Kamera wirklich sinnvoll nutzen willst. Du siehst in der „Otto Normalverwendung“ keinen Unterschied zu einer anderen Kamera mit deutlich weniger Pixel und erkaufst Dir den einzigen echten Vorteil der Kamera – nämlich große Vergrößerungen – mit einigen Nachteilen, z.B. besonders hohe Ansprüche an Deine Optiken legen zu müssen.

Gerüchteweise soll zur Photokina eine Nikon D600 erscheinen. Bei den – wenn auch noch vagen – Details, die bisher über die D600 bekannt wurde, wird das wohl die nützlichere und vor allem preiswertere Einsteigerkamera für den Kleinbildsensor mit dem tollen Autofokus der D4/d800/D800e Serie, dem verbesserten Weissabgleich und dem überzeugenden Dynamikumfang sein. Oder übersehe ich etwas bei meinen Überlegungen zur D800?

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