Als Fuji es geschafft hat, eine kleine spiegellose Kamera mit einem APS-C Sensor zu versehen und zu einem halbwegs erträglichen Preis auf den Markt zu bringen, dachte ich mir: Micro Four Thirds ist tot.

Diese Sensorgröße mit dem Verlängerungsfaktor 2 und dem Format 4:3 hatte bei seiner Entwicklung von Panasonic und Olympus seine Berechtigung, aber mittlerweile sind die Preise für Fotosensoren gesunken und selbst Einstiegsmodelle im gehobenen DSLR Bereich haben einen Vollformatsensor. Im Gegensatz zu den „ausgewachsenen“ DSLR Kameras spricht für die kleinen spiegellosen Modelle deren Größe, aber ein APS-C Sensor ist rund 40% größer als ein µFT Sensor und das bedeutet viele Vorteile: bessere Freistellungsmöglichkeiten, weniger Rauschanfälligkeit, bessere Weitwinkeloptionen, …

Also: warum eine mikro-fourthirds Kamera kaufen, wenn es für ähnliches Geld eine bessere Kamera gibt? Diese Frage stellte ich mir, da ich ja schon öfter eine Lumix µFT Kamera (eins, zwei, drei) in der Hand hielt, beantwortete sie mit „Mikro Four Thirds ist tot“ und kaufte mir selbst eine Fuji X-E1 für unterwegs.

Tja, und plötzlich halte ich eine Lumix GX7 in den Händen und nach dem ersten Bild dachte ich „Holla!“

Ich kramte also wieder mein Credo „es ist nicht die Kamera“ hervor und gab der Lumix GX7 eine Chance. Schließlich ist die digitale Fotografie immer noch in den Kinderschuhen und eine perfekte Kamera gibt es nicht. Jeder Body hat seine Stärke, jede Technik hat in einem anderen Segment die Nase vorn. Sehr nah an perfekt kommen nur die Spitzenmodelle von Nikon und Canon – D4 oder 1DX. Diese DSLRs sind in vielen Bereichen dem Fotografen überlegen, aber wer ist wirklich so sehr auf Fotos in allen Lebenslagen angewiesen, dass er oder sie bis zu 7 Kiloeuronen nur für ein Gehäuse hinblättert? Alle anderen kaufen sich einen preiswerteren Kamerabody und lernen mit Unzulänglichkeiten der Kamera zu leben. Es gibt eben auch in der digitalen Fotografie Spezialisten – Du hast ja auch mehr als einen Schraubendreher in der Werkzeugkiste. Und nichts anderes ist eine Kamera: ein Werkzeug.

Zurück zur Lumix GX7: die Gehäusegröße ist absolut mit der Fuji X-E1 vergleichbar, aber deren Gehäuse fühlt sich wertiger an. Abgedichtet sind aber beide nicht. Die Lumix GX7 hat einige interessante Features, wie zum Beispiel den um 90° nach oben schwenkbaren elektronischen Sucher. Gerade bei bodennahen Aufnahmen ist das sehr hilfreich. Außerdem verfügt die Kamera über eine Bildstabilisierung im Gehäuse: das ist eher untypisch und verspricht den Vorteil mit allen Objektiven zu funktionieren. Dafür ist er nicht so effektiv, wie ein Verwacklungsschutz, der in Optiken eingebaut ist, dafür ist das dann wieder teurer – jede Technik hat eben Vor- und Nachteile …

Toll finde ich auch, dass ich unabhängig vom verwendeten Bildstil eine Tonwertkurve für meine JPGs hinterlegen kann. Das optimiert die Möglichkeit, direkt aus der Kamera vorzeigbare Bilder zu haben und minimiert den Aufwand die Bilder zu bearbeiten. Die GX7 ist dank elektronischem Verschluss auch absolut ohne Geräusche nutzbar, das schafft die X-E1 nicht. Letztere hat auch nur 1/4000s als kürzeste Belichtungszeit, das toppt die Lumix um eine volle Blendenstufe.

Der Autofokus der GX7 ist deutlich schneller als bei meiner X-E1 und im Rahmen der systembedingten Möglichkeiten sehr treffsicher. Du hast die sprachliche Einschränkung bemerkt? Gut! Bitte, liebe Leserin und lieber Leser, glaube keinem der Tests, die Du in Fachmagazinen (online, wie offline) lesen kannst. Unter schnellem, treffsicheren Autofokus meinen die Tester nämlich, wie lange die Kamera braucht, um beim Drücken des Auslösers ein unbewegliches Motiv scharf abzubilden. Das ist leicht für die Tester, aber natürlich vollkommener Blödsinn und absolut realitätsfern. Die Tränen des testgläubigen Käufers benetzen spätestens dann den heimischen Boden, wenn das umherkrabbelnde Baby einfach nicht scharf auf den Kamerasensor gebannt werden kann. Wenn Du wissen willst, ob Dein Autofokus was taugt, fotografiere entgegenkommende Jogger – Du wirst überrascht sein. Übrigens hängt die Art der Überraschung nicht nur von der Kamera, sondern auch vom verwendeten Objektiv ab. Um mal ein Beispiel zu nennen: selbst der grandiose Autofokus der über fast jeden Zweifel erhabene Nikon D4 bekommt einen entgegenkommenden Jogger mit einem 50mm Objektiv nicht scharf abgebildet. Mit dem AF-S 200mm f/2 kann der Jogger auf einem Motorrad sitzen und wird zu jedem Zeitpunkt scharf festgehalten werden. Genauso ist es bei den Linsen der GX7 oder X-E1 oder jeden anderen Kamera. Meine Amateurtests haben ergeben, dass der AF der GX7 schneller als mit der X-E1 ist. Bei schlechten Lichtverhältnissen kacken beide Systeme ab, mit leichten Vorteilen für die GX7.

Der andere Faktor, der gerne mit dem „schnellen Autofokus“ verwechselt wird, ist die Auslöseverzögerung. Gemeint ist: bekomme ich den Jogger so fotografiert, dass seine Beine ein schönes Dreieck werfen. Es ist sowas wie die Reaktionszeit des Menschen und die ist vermutlich bei den meisten von uns schlechter als von den hier angesprochenen Kameras. (Einer der Gründe wieso die Topmodelle von Canon und Nikon zweistellige Frameraten pro Sekunde abfeuern. Sonst weinen nämlich die Profis, weil sie die spielentscheidende Szene nicht eingefangen haben.)

Letztlich spielen Lumix GX7 und Fuji X-E1 in einer Liga und jeder hat mal die Nase vorn. Am deutlichsten wird das beim Fokus Peaking, bei dem beide Hersteller unterschiedliche Konzepte fahren. Manchmal ist die Panasonic-Hilfe grandios und Fujis Technik hilft gar nicht, beim nächsten Motiv ist es genau umgekehrt. OK, der Nachteil des kleineren m4/3-Sensors spricht für die Fuji, aber das ist Jammern auf gehobenem Niveau. Bei der Lumix ist es eben noch wichtiger, Optiken mit großer Anfangsblendenöffnung zu kaufen. Bei wenig Licht hat die X-E1 gefühlt nicht ganz eine Blende Vorsprung im Rauschverhalten, aber ISO3200 sind auch mit der GX7 problemlos drin.

Hier noch ein paar Bilder aus der Lumix GX7 – die meisten sind unbearbeitet:

Welche Kamera du kaufst, scheint in diesem Kamerasegment immer mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks zu sein. Wer eine kleine Immerdabeikamera sucht, sollte meiner Meinung nach die Lumix GX7 in die Auswahl mit einbeziehen.