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Es ist nicht die Kamera!

Als ich neulich das Produktvideo zur neuen Nikon D5100 gesehen habe, dachte ich spontan: „Es ist wirklich nicht die Kamera!“ Und als ich kürzlich mal wieder die Frage „Welche DSLR kannst Du mir empfehlen?“ gestellt bekam, war mir klar: ein Blogpost muss her! Du kennst diese scheinbar immerwährende Frage, weil die Kamera angeblich so wichtig für gute Bilder ist? Ich kenne diese Frage nur zu gut, aber ich sage: es ist nicht die Kamera!

Und ja, ich weiß, dass geschätzte Kollegen ganz und gar nicht meiner Meinung sind und ich sie trotzdem auch zukünftig schätze – ich hoffe, sie mich auch. Aber lest bitte meine Einschätzung und vielleicht gebt ihr mir ja doch Recht.

Kennst Du die Geschichte von Helmut Newton und dem Koch? Newtons Antwort auf die Anmerkung des Kochs „Sie machen tolle Bilder, sie haben bestimmt eine tolle Kamera“ lautete „Ihr Essen schmeckt vorzüglich, sie haben bestimmt tolle Töpfe“.

Kennst Du den Spruch: „Nicht die Kamera macht das Bild, sondern das Auge dahinter“?

Ist das falsch?

Manchmal! Wenn Du unbedingt in einer schlecht beleuchteten Turnhalle schnelle Bewegungsabläufe einfrieren willst, dann brauchst du eine Kamera, die bei hohen ISO Zahlen immer noch eine gute Bildqualität erreicht. Das können derzeit nur Vollformatkameras und da auch nicht alle. Oder Deine Bilder müssen hinterher auf Litfaßsäulen gezeigt werden? Dann brauchst du eine Kamera mit einer sehr hohen Auflösung – vielleicht reicht dann schon nicht mal eine Vollformat-Spiegelreflexkamera.

Und sicherlich gibt es noch die ein oder andere spezielle Anforderung, die eine besondere Kamera benötigt.

Es ist auch richtig, dass Du mit der ein oder anderen Kamera leichter und/oder schneller zu einem entsprechenden Ergebnis kommst. (Ich spreche da aus Erfahrung: mit meiner D7000 muss ich wesentlich exakter arbeiten als mit meiner D3, um auch unter schwierigen Lichtbedingungen gute Bilder zu bekommen.)

Aber im Großen und Ganzen ist die Kamera für’s Fotografieren eher von untergeordneter Bedeutung. Ich behaupte mal, dass es in mindestens 90% der Fälle völlig wurscht ist, welche Kamera ich in meinen Händen halte.

Alle aktuell auf dem Markt befindlichen Kameras haben ein so hohe Niveau, dass Du im Prinzip nichts falsch machen kannst. Ich behaupte mal, dass Du als Einsteiger egal mit welcher DSLR du beginnst, die nächsten zwei Jahre Spaß haben kannst. Und wenn Du dann merkst, dass Du ein bestimmtes Bildergebnis nicht erreichst, weil die Kamera das nicht hergibt, dann wirst Du so tief in der Materie drin stecken, dass Du Dir dann die für Dich richtige Kamera kaufen wirst.

Allerdings ist es ein Irrglaube, wenn Du der Meinung bist, dass Du – nur weil Du Dir gerade den neusten Schrei auf dem DSLR Markt zugelegt hast – sofort fantastische Bilder fotografieren kannst. Auch hier hat der alte Herr Newton recht, als er sagte: „Die ersten 1000 Bilder sind die schlechtesten.“ Im digitalen Zeitalter sind es vermutlich sogar 10000 Auslösungen. Nimm Dir Zeit. Fotografie ist auch ein Handwerk.

Wenn es nicht die Kamera ist, was ist es dann?

Mitte der 1980er (ja, letztes Jahrhundert) habe ich in einer Fotozeitschrift einen Test gelesen: Amateur und Profi haben ihre Kameras getauscht und auf einem Jahrmarkt (Kirmes, Rummel, Dom,…) fotografiert. Ratet mal, wer die ansprechenderen Bilder hinbekommen hat. Glaubst Du, dass heutzutage das Ergebnis anders ausfallen würde?

Meiner Meinung nach ist der sinnvolle Einsatz von Glas und Gehirn viel wichtiger als die Kamera. Und Gehirn ist sogar noch wichtiger als Glas. Nicht umsonst heißt ein Sprichwort aus dem englischen Sprachraum: „Less gear, more brain.“

Gutes Glas ist immer wahnsinnig hilfreich. Dazu habe ich schon mal was geschrieben. Bestimmte Bildstimmungen bekommst Du nur mit dem richtigen Objektiv hin.

Meiner Meinung nach sind die richtig guten Fotografen jene, die ein tiefes technisches Verständnis mit einem hohen Grad an Kreativität kombinieren. Solche Leute, werden auch mit einer Lochkamera Dinge machen, bei denen Dir der Mund offen steht.

Fazit:
Du willst Dir eine DSLR Kamera kaufen? Versuche eine preiswerte Gebrauchte zu bekommen und kauf Dir ein 50mm f/1,4 (Canon* oder Nikon*) oder 35mm f/1.8 (Nikon)* oder meinetwegen auch das 30mm f/1.4 (Sigma)*. Lerne damit umzugehen. Soviel Geld für ein Objektiv? Deine Kamera wechselst Du vielleicht in 2 Jahren, ein gutes Objektiv behältst Du sehr viel länger.

Du glaubst mit Deiner jetzigen Kamera kannst du ein bestimmtes Bild nicht machen? Analysiere warum und versuche die Schwachstelle zu umgehen. Wie sagt Joe McNally so schön: „Fotografieren heißt Probleme lösen. Meistens solche, die wir uns selbst gestellt haben.“

 

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